Gustav Mahlers 8. Sinfonie: „Komm! Hebe dich zu höhern Sphären!“

Planeten und Sonnen kreisten am Freitagabend im Saal der Berliner Philharmonie, was allerdings bei diesen Klängen, diesem Riesenwerk mit seiner vulkanischen Lautstärke ja wahrlich kein Wunder ist. Die Ohren sollen einem schließlich wegfliegen, der Geist in andere Sphären hinfortgeorgelt, hinweggesungen und emportrompetet werden: So hatte es sich der Komponist Gustav Mahler gedacht, der seinem Dirigentenkollegen Willem Mengelberg 1906 von besagten akustisch kreisenden „Planeten und Sonnen“ schrieb, als er seinem damals größten Fan seine gerade fertig komponierte 8. Sinfonie erläutern wollte. Die Berliner Philharmoniker brachten jetzt Mahlers immer noch selten live zu hörendes Werk unter der Leitung ihres Chefdirigenten Kirill Petrenko zur Aufführung, das letzte Mal hatte das Simon Rattle 2011 mit dem Orchester getan, zuvor Bernard Haitink 1999 und Claudio Abbado 1994. Der frenetische Jubel, der über Petrenko und seine Riesenschar aus Chören, Solisten und Orchester in den letzten Nachhall hereinbrach, zeigte, dass Mahlers Dauerexplosionen beim Publikum gezündet hatten, diesem bleibt ja eigentlich auch gar nichts anderes übrig. In der Theorie hat man für so etwas den wunderbar treffenden Begriff „Überwältigungsästhetik“ gefunden.