Wahlkampf im Südwesten: „Is that really true?“: Merz berichtet übrig Telefonat mit Trump

Auf Rückenwind aus Berlin kann die CDU in Baden-Württemberg bis zum 8. März nicht hoffen. Für den Spitzenkandidaten Manuel Hagel ist schon Windstille positiv. Doch in Berlin wird gerade wieder über Personalveränderungen in der Regierung spekuliert. Als Bundeskanzler Friedrich Merz am Freitagabend in Heddesheim und in Bad Rappenau vor insgesamt 1500 Zuhörern spricht, um den Wahlkampf Hagels zu unterstützen, lenkt er den Fokus um. Mit einem bestimmten Namen versucht Merz, etwas Aufmerksamkeit zu produzieren: In Bad Rappenau berichtet er aus einem Telefonat mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump.
Als der Name Trump fällt, sind die Zuhörer in der Turnhalle in Bad Rappenau für ein ein paar Sekunden verunsichert. Dann sagt Merz, er habe dem amerikanischen Präsidenten berichtet, dass die Bundesregierung die irreguläre Migration um 50 Prozent habe reduzieren können. Trump habe dann ungläubig nachgefragt: „Is that really true?“ Merz imitiert Trumps Stimme, die Leute applaudieren, denn der Bundeskanzler hat zu verstehen gegeben, dass er auch mit diesem schwierigen Mann in Washington umgehen kann.
Die Genetik der Schweizer
Merz redet viel über Europa und Außenpolitik, er nennt Bad Rappenau „die Toskana Baden-Württembergs“. Wie in der Rede von Manuel Hagel spielt auch die Stärkung des Wirtschaftsstandorts eine Rolle. „Die Schweizer arbeiten im Jahr 200 Stunden mehr, unterscheiden die sich von uns genetisch tatsächlich so stark?“, fragt er und bekommt dafür viel Applaus. Auch für eine Aussage zum Krankenstand bekommt er von den fleißigen Schwaben gemäßigten Applaus: Die Beschäftigten in Deutschland seien 14,5 Tage krank, das seien fast drei Wochen. „Ist das wirklich richtig? Ist das wirklich notwendig?“ Die telefonische Krankschreibung wolle seine Partei wieder abschaffen.
Zuvor hatte der 37 Jahre alte Spitzenkandidat Manuel Hagel sein Regierungs- und Reformprogramm für eine CDU-regierte Landesregierung umrissen, seit 2011 führen die Grünen das Land. Hagel verspricht für alle Schularten die Schulempfehlung wieder einzuführen, schimpft auf „Ideologen“, die das Verbrennerverbot befürwortet hätten und verspricht eine dynamischere Wissenschafs- und Technologiepolitik. „Es wird Zeit, dass wieder Politik gemacht wird für die fleißigen Menschen in der Mitte“, ruft Hagel mit heiserer Stimme.
Hagel verspricht einerseits wieder einen „bürgerlichen Aufbruch“ und auch, dass er „nicht alles anders, aber einiges viel ambitionierter“ machen werde, zugleich will er aber vor allem den Grünen keine Angriffspunkte bieten und die Mobilisierung ihrer Anhänger vermeiden. Die Stimmung in Bad Rappenau und Heddesheim ist nicht aufgekratzt. Merz wird nicht überschwänglich gefeiert, der Applaus fällt aber durchweg freundlich aus.
In Bad Rappenau und in Heddesheim sitzen in den Hallen größtenteils CDU-Wähler oder sogar Mitglieder. Viele erleben den CDU-Spitzenkandidaten zum ersten Mal, sie beginnen erst, sich eine Meinung zur Landtagswahl zu machen. Die Zahl der Unentschiedenen scheint noch hoch zu sein. Einige berichten, der junge CDU-Mann habe sie sofort überzeugt, andere berichten, dass sie sich von Hagel und auch dem grünen Spitzenkandidaten Cem Özdemir ein Bild machen würden.
Auf eine Stimmung der Unzufriedenheit mit dem derzeitigen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann kann die CDU nicht bauen, eine klassische Wechselstimmung ist nicht vorherrschend. Eine Frau aus Bad Rappenau sagt, wegen der hohen Energiepreise sei die CDU die einzige Partei, die man noch wählen können. Ein ehemaliger Beamter will sich in den nächsten Tagen auch noch den Spitzenkandidaten der Grünen anhören. Ein Ingenieur aus Neckarsulm sagt, wegen der wirtschaftlichen Lage, gerade in der Autoindustrie werde er voraussichtlich CDU wählen. „Aber am Ende kommt es darauf an, wem man an der Spitze zutraut, dass er die richtigen Entscheidungen trifft.“ Und dann schiebt er noch einen Satz nach: In der jetzigen schwierigen Lage in Deutschland und in der Welt sei es in jedem Fall wichtig, auf die Parteien der Mitte zu setzen.
Source: faz.net