TSMC verzeichnet Rekordgewinn: „Starke Signale“ pro weiteren KI-Boom

Mit einem Rekordgewinn und einer kräftigen Ausweitung seiner geplanten Investitionen sendet der größte Chiphersteller der Welt, die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC), ein starkes Signal gegen die Sorgen um eine KI-Blase. Der Konzern stellt mehr als 90 Prozent der leistungsstärksten Chips her, die Technologie-Konzerne in aller Welt wie Nvidia, Apple, Amazon und Meta für den Aufbau der Künstlichen Intelligenz benötigen. Die Nachfrage der Kunden sei nach wie vor groß, sagte TSMC-Chef C.C. Wei am Donnerstag anlässlich der Vorlage der Jahreszahlen in Taipeh. „Am meisten Kopfschmerzen bereitet uns derzeit, wie wir möglichst schnell die Lücke zwischen der Nachfrage und dem Angebot füllen können.“
Dafür investiert TSMC enorme Beträge in neue Fabriken und Fertigungsanlagen. Allein für das angelaufene Geschäftsjahr 2026 kündigte Wei Investitionen von bis zu 56 Milliarden Dollar an, um weitere Produktionskapazitäten für KI-taugliche Chips aufzubauen. Das sind 37 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. „KI ist nicht nur real, sie beginnt, sich in unser tägliches Leben vorzuarbeiten“, sagte Wei, nachdem im vergangenen Jahr an den Finanzmärkten vermehrt Zweifel aufgekommen waren, ob die Erwartungen an das weitere Wachstum der großen Technologiekonzerne durch KI aufgekommen waren.
Nettogewinn legt um 35 Prozent zu
Das Quasi-Monopol, das TSMC bei den besonders leistungsfähigen für KI-Rechenzentren nötigen Halbleitern hat, beschert dem Auftragsfertiger glänzende Geschäfte. Allein für das Schlussquartal 2025 konnte Finanzvorstand Wendell Huang am Donnerstag einen um 35 Prozent gestiegenen Nettogewinn von 505,7 Milliarden Neuen Taiwan-Dollar (13,8 Milliarden Euro) vermelden. Das lag noch deutlich über den Prognosen der Analysten. Im angelaufenen ersten Quartal 2026 erwartet Huang eine Umsatzsteigerung um bis zu 40 Prozent.
Die Zahlen belegen einmal mehr, wie wichtig TSMC für die weltweite Hochtechnologie-Industrie ist. In den Achtzigerjahren hatten die Taiwaner das Unternehmen gegründet, um den Computerkonzernen in den Vereinigten Staaten und Japan die vermeintlich nachrangige Halbleiterproduktion abzunehmen. Doch mit der rasanten Weiterentwicklung der Chips wurden auch die Fertigungsprozesse immer komplexer und die Anlagen für deren Herstellung immer teurer. Die leistungsstärksten Chips, die etwa für KI oder autonomes Fahren benötigt werden, kann heute fast ausschließlich TSMC in seinen Fabriken in Taiwan herstellen und beliefert damit die großen amerikanischen Tech-Konzerne von Nvidia, Apple und Alphabet bis Amazon und Microsoft.
TSMC baut vier weitere Chip-Fabriken in den USA
Das weckt allerdings auch die Missgunst von Donald Trump, der darauf pocht, dass diese Chips vermehrt in den Vereinigten Staaten produziert werden sollten. Eine erste Fabrik hat TSMC kürzlich im US-Bundesstaat Arizona eröffnet, eine zweite und dritte sind laut Wei im Bau, ebenso eine weitere für das sogenannte Advanced Packaging – also den Zusammenschluss von Chips, um deren Leistung zu steigern. TSMC habe darüber hinaus gerade ein weiteres großes Grundstück in Arizona gekauft, sagte Wei.
Der Konzernchef stemmte sich aber gegen die Auslegung, dass TSMC diese Investitionen auf Druck Donald Trumps angehen würde. Alle seine wichtigen KI-Kunden säßen in den Vereinigten Staaten. Insofern ergebe es Sinn, diese Fabriken auch dort aufzubauen. Zugleich betonte er, dass TSMC auch weiterhin seine Produktionskapazitäten in Taiwan ausbaue. Auf mittlere Sicht könnten 20 bis 30 Prozent der Kapazitäten der besonders leistungsstarken 2-Nanometer-Chips im Ausland produziert werden.
Chipindustrie soll China von Taiwan fernhalten
Das ist für TSMC und Taiwan mehr als eine Standortfrage. Denn die hohe Abhängigkeit der Weltwirtschaft von den Chips von der Insel sind zugleich deren wichtigstes Faustpfand gegenüber China. Die Kommunistische Partei in Peking sieht die autonom und demokratisch regierte Insel als abtrünnige Provinz und droht immer offener mit der „Wiedervereinigung“ mit militärischen Mitteln. Erst kurz vor dem Jahreswechsel hatte die Volksbefreiungsarmee in einem Großmanöver mit Schiffen, Flugzeugen und teils scharfer Munition eine Blockade Taiwans geübt.
Eine solche Blockade könnte die Weltwirtschaft rasch von den Chips aus Taiwan abschneiden, ein Einmarsch der Chinesen könnte wichtige Produktionsstätten sogar zerstören. Zudem gab es schon Berichte, wonach die Führung von TSMC oder auch der niederländische Hersteller der wichtigsten Fertigungsmaschinen, ASML, die Werke lahmlegen könnte, sollte Peking seine Drohungen wahr machen. Die Regierung in Taipeh sieht die Chipindustrie daher als „Silizium-Schild“, das dafür sorgt, dass einerseits China sich zurückhält und andernfalls die Vereinigten Staaten und ihre westlichen Verbündeten die Insel gegen Peking verteidigen würden.
Am Donnerstag bestätigte die Regierung in Taipeh, dass der Vizepremier Cheng Li-chiun und die Handelsbeauftragte Yang Jen-ni nach Washington gereist seien. Nach harten Verhandlungen mit der Trump-Regierung sollen sie dort offenbar in dieser Woche ein Zollabkommen unterzeichnen. TSMC hat in den Gesprächen von vornherein eine entscheidende Rolle gespielt. Schon kurz nach Trumps Zollankündigung im vergangenen Frühjahr hatte der Konzern weitere Investitionen in Höhe von 100 Milliarden Dollar
angekündigt, zusätzlich zu den 65 Milliarden Dollar, die schon damals für drei Werke in Arizona zugesagt waren.
Auf Aussagen Trumps, wonach auch der strauchelnde amerikanische Chipkonzern Intel zu einem Konkurrenten für TSMC in der 2-Nanometer-Technologie aufgebaut werden könnte, reagierte Wei gelassen. Um auf den technischen Stand zu kommen, brauche es mindestens zwei bis drei Jahre, und weitere zwei bis drei Jahre, um eine Massenfertigung aufzubauen, sagte der Konzernchef.
Auch die Europäische Union und Deutschland haben mit hohen Förderzusagen TSMC zum Bau eines neuen Werks in Dresden bewogen. Die gemeinsam mit Infineon, Bosch und NXP geplante Fabrik soll Ende nächsten Jahres die Produktion aufnehmen, allerdings von weniger leistungsstarken Halbleitern vor allem für die Automobilindustrie. Der Bau dort liege im Zeitplan, sagt Wei am Donnerstag.