Verhandlungen mit Trump: Chipkonzern TSMC unter Investitionsdruck

Der taiwanische Chiphersteller TSMC wird sein Engagement in den Vereinigten Staaten wohl noch einmal kräftig erhöhen. Im Rahmen der kurz vor dem Abschluss stehenden Zollverhandlungen zwischen den Regierungen in Taipeh und Washington könnte der Vorstand des Branchenprimus der Halbleiterindustrie schon Ende dieser Woche den Bau von mehreren neuen Fabriken an seinem bereits 165 Milliarden Dollar teuren US-Standort Arizona ankündigen. Die Rede ist von weiteren 100 Milliarden Dollar.

Im Gegenzug hat die Administration von Präsident Donald Trump der Inselrepublik offenbar einen „guten Zoll-Deal“ von weniger als 20 Prozent auf alle Einfuhren aus Taiwan in Aussicht gestellt. Darüber hinaus könnte Washington in einem nächsten Schritt seinen militärischen Beistand für Taiwan noch einmal bekräftigen. Wird das kleine Land im westlichen Pazifik doch massiv von China bedroht. Peking hält die Insel für eine „abtrünnige Region“. Es sucht sie seit Monaten mit einer Reihe von Militärmanövern einzuschüchtern, schwach zu machen und letztlich zu übernehmen. Bislang hat dieses Vorgehen keinen Erfolg.

Das Verteidigungsschild

In dem sich bereits über Jahrzehnte hinziehenden Konflikt ist TSMC ein zentraler Teil der Verteidigungspolitik der Regierung in Taipeh. Sie versucht seit Ende der Achtzigerjahre mit dem Aufbau einer schlagkräftigen Halbleiterindustrie die kleinen Siliziumchips made in Taiwan für die Handelspartner in Europa und Amerika so wichtig zu machen, dass diese im Falle eines chinesischen Angriffs der kleinen Inselrepublik beispringen würden. Der sogenannte „Silizium-Verteidigungsschild“ hat seine Wirkung bislang nicht verfehlt.

So hat sich Taiwan in den Lieferketten der globalen Halbleiterindustrie zum entscheidenden Glied entwickelt. TSMC ist das momentan größte und vielleicht auch wichtigste Unternehmen des Landes. Rund 60 Prozent aller Chips werden in den Halbleiterfabriken Taiwans produziert; rund 90 Prozent der modernen KI-Bausteine, wie sie von Microsoft , Google oder auch Apple in Computern und Datenzentren verbaut werden, stammen aus TSMC-Werken; und die stehen in erster Linie auf Taiwan. Vor dem Hintergrund der geopolitischen Spannungen drängen die Amerikaner den Konzernvorstand allerdings, das Engagement in den USA auszubauen.

Ein Deal der besonderen Art

Erste Schritte waren bereits unter der ersten Trump-Administration gemacht worden. Die US-Regierung von Joe Biden beschritt den gleichen Weg. In Amerika hatten die Taiwaner 2021 begonnen, eine zwölf Milliarden Dollar teure Fabrik hochzuziehen. Im Rahmen des US Chips Act erhöhten sie ihre Investitionen auf heute sagenhafte 165 Milliarden Dollar. Nun will Trump in seiner zweiten Amtszeit im Rahmen seiner America-First-Politik, dass sie eine weitere Großinvestition machen.

Dafür hat er Taipeh in Aussicht gestellt, Waren und Dienstleistungen aus der bedrohten Inselrepublik auf eine Stufe mit den Einfuhren aus Japan und Südkorea zu stellen, wenn taiwanische Unternehmen ihre Investitionen in Amerika noch einmal deutlich hochschrauben. Wollen die Amerikaner doch in absehbarer Zeit die modernsten Chipfabriken der Welt nicht mehr in der Nähe Chinas, sondern auf dem eigenen Hoheitsgebiet wissen. So soll TSMC die für die US-Tech-Industrie so wichtigen KI-Chips nicht mehr aus Taiwan liefern, sondern in Amerika bauen.

Dafür knüpft man ein feines Netz aus erstklassigen Herstellern aus Übersee und heimischen Konzernen. US-Chipherstellern wie der strauchelnden Intel -Gruppe wird seitens der Regierung bereits kräftig unter die Arme gegriffen. Micron Technologies und Globalfoundries kündigten riesige Investitionen in ihre US-Fabriken an.

Rekordergebnis erwartet

Dieser Politik Washingtons kann sich der Vorstand von TSMC nicht entziehen. Sitzen alle wichtigen Kunden des Konzerns doch in Amerika. Ende dieser Woche wird das Führungsgremium um C.C. Wei die Ergebnisse für das vergangene Geschäftsjahr bekannt geben. Analysten gehen von einem abermaligen Rekordjahr aus. Denn die Geschäfte laufen aufgrund des KI-Booms in Amerika gut, die Auftragsbücher sind voll, und die mehr als ein Dutzend Chipwerke des Unternehmens produzieren auf Hochtouren. So wird der Konzernumsatz für das abgelaufene Jahr wohl erstmals die Marke von umgerechnet 100 Milliarden Dollar überspringen; der Reingewinn dürfte die Hürde von 50 Milliarden Dollar nehmen.

Die Taiwaner sind derzeit der technologisch und wirtschaftlich größte Halbleiterhersteller der Welt. Sie fertigen im industriellen Maßstab die kompliziertesten Chips mit den bislang feinsten Strukturen, die Zehntausende Mal feiner als ein menschliches Haar sind. TSMC produziert für Auftraggeber wie Nvidia, Apple oder auch die deutsche Infineon -Gruppe.

Im Rahmen seiner Auslandsinvestitionsstrategie lässt C.C. Wei in Europa am Standort Dresden mit hiesigen Partnern eine zehn Milliarden Euro teure Fabrik zur Herstellung sogenannter Industriechips bauen. Die sind nicht ganz so kompliziert wie KI-Chips, dennoch sind sie unerlässlich für klassische Industrien wie die Maschinen- und Autobauer.