Naturkatastrophenbilanz: „Heute ist Schnee ein Ereignis“

Bis Montag hatte der Winter gleich mehrere Wochen lang Deutschland und weite Teile Mitteleuropas fest im Griff – und noch ist er auch nicht vorbei. Gleichwohl wird Tobias Grimm, Chefklimatologe der Munich Re , nicht müde, vor den Folgen des Klimawandels zu warnen. Für ihn ist der Dauerfrost der vergangenen Tage und der Klimawandel kein Widerspruch. „Das eine ist Wetter, das andere ist Klima“, sagt er im Gespräch mit der F.A.Z.: „Das Wetter schwankt, das Klima verschiebt sich – und zwar gehen die Temperaturen nach oben.“
„Heute ist Schnee ein Ereignis“, sagt Grimm: „Wir haben ihn in den vergangenen Jahren eben selten erlebt.“ Dies liege auch daran, dass es weniger Kälte- dafür aber mehr Hitzeextreme gebe. Und selbst wenn der Winter in diesem Jahr besonders kalt ausfallen sollte, ist es eben nur ein Winter und keine Veränderung des Trends. „Die wärmsten Jahre seit Beginn der Industrialisierung haben wir in den vergangenen 25 Jahren erlebt“, sagt der Klimatologe: „In Europa ist es heute in manchen Jahren schon 2,5 bis drei Grad wärmer als zur vorindustriellen Zeit.“
Und auch der Umstand, dass sein Arbeitgeber, der größte Rückversicherer der Welt, im vergangenen Jahr deutlich weniger zur Begleichung von Schäden durch Naturkatastrophen ausgegeben hat, beruhigt ihn nicht. „Schon der Hurrikan Melissa, der im Herbst mit Windgeschwindigkeiten von nahezu 300 Kilometer pro Stunde die Karibikinsel Jamaika getroffen hat, zeigt, wie extrem Wirbelstürme werden können“, sagt Grimm und verweist darauf, dass sich im vergangenen Jahr im Atlantik gleich drei Hurrikane der höchsten Stufe 5 gebildet hatten, so viele superstarke Wirbelstürme wie seit 2005 nicht mehr.
Die USA blieben von Hurrikanen verschont
Dass die USA nicht getroffen wurden, schreibt die Munich Re besonderen meteorologische Bedingungen zu. So habe etwa ein Azoren-Bermuda-Hochdruckgebiet weiter östlich als üblich gelegen. Dies führte dazu, dass die meisten starken Stürme relativ früh in Richtung Nordosten und weg vom US-Festland abdrehten.
Hochwasser, Schwergewitter und Waldbrände setzten indes ein Alarmzeichen. Diese sogenannten Non-Peak Perils, also keine Großschadensereignisse wie Hurrikane oder Erdbeben, prägten zunehmend den langfristigen Trend und verursachten Gesamtschäden von 166 Milliarden Dollar, wovon etwa 98 Milliarden Dollar versichert waren. Die Gesamtschäden durch Naturkatastrophen beziffert der Rückversicherer in 2025 auf 224 Milliarden Dollar, wovon 108 Milliarden Euro versichert waren.
Dass bei einsetzender Schneeschmelze in den Alpen und den Mittelgebirgen die Flüsse über die Ufer treten und für Überschwemmungen sorgen, ist für Grimm indes noch nicht ausgemacht: „Das hängt vom Wetter ab. Bildet sich eine stabile Hochdrucklage, die im Winter meist ein Grau in Grau bedeutet, ist die Gefahr geringer als bei zahlreichen Tiefdruckgebieten mit viel Niederschlag.“ Für eine seriöse Prognose sei es noch zu früh.
Source: faz.net