„Doris White“ und „George Smith“ – Angestellte sollen obig Vorgänge im Block-Hotel behaupten

Im Verfahren gegen die Unternehmerin Christina Block vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht rückt am Dienstag das Grand Elysée in Hamburg in den Mittelpunkt. Zwei Angestellte des Hotels sollen als Zeugen aussagen. Das Haus gehört zur Unternehmensfamilie Block und spielte nach bisherigen Erkenntnissen eine zentrale Rolle bei der mutmaßlichen Entführung der Kinder der Angeklagten aus Dänemark.

Nach Angaben eines israelischen Zeugen und auch laut Anklageschrift nutzte dessen Team das Hotel als Basis für die geplante Rückholung der Kinder. Die Männer sollen dort über einen längeren Zeitraum kostenlos gewohnt und verpflegt worden sein, teils unter Alias-Namen wie „Doris White“ und „George Smith“. Die Vorsitzende Richterin wies bereits an einem früheren Prozesstag auf einen möglichen Untreue-Tatbestand hin, weil dem Hotelbetrieb dadurch ein erheblicher finanzieller Schaden entstanden sein könnte. In den Ermittlungsakten ist von einem Betrag von rund 200.000 Euro die Rede.

Gäste sollen für IT-Sicherheit gesorgt haben

Christina Block, eine der Angeklagten in diesem Mammut-Prozess, bestreitet, die Aktion veranlasst zu haben. Sie verweist auf einen Auftrag zur IT-Sicherheit, den die israelische Firma für die Unternehmensgruppe übernommen habe. Ermittler und Zeugen berichten hingegen von Treffen im Grand Elysée, bei denen die Angeklagte den Beteiligten für ihr Kommen gedankt haben soll. Auch die Übergabe von Kleidung und eines Teddybären an die Männer, die diese im Zuge der Rückholaktion an die Kinder aushändigen sollten, wurde im Gerichtssaal thematisiert.

Die Aussagen der Hotelangestellten gelten als besonders sensibel. Sie sind zur Wahrheit verpflichtet, auch wenn ihre Angaben interne Abläufe betreffen, etwa Buchungen, Kostenfreigaben oder die Nutzung von Räumen. Für die Strafkammer sind diese Details von Bedeutung, um die Rolle des Hotels bei der Vorbereitung der mutmaßlichen Tat zu klären. Für die Öffentlichkeit könnte damit deutlich werden, wie eng die mutmaßliche Tat und die Strukturen des Unternehmens verwoben sein könnten.

Das Verfahren gegen Christina Block läuft seit Herbst vergangenen Jahres. Die Anklage wirft ihr vor, die Entführung ihrer Kinder aus Dänemark unterstützt oder zumindest billigend in Kauf genommen zu haben. Neben ihr sind weitere Personen angeklagt, darunter ein Anwalt der Familie. Die Ermittlungen führten zu mehreren Durchsuchungen im Grand Elysée und in der Unternehmenszentrale.

Source: welt.de