Proteste im Iran: Irans Präsident will Bürgern zuhören und warnt vor „Terroristen“

Irans Präsident Massud
Peseschkian hat angesichts der seit zwei Wochen andauernden Proteste beteuert, er wolle den
Demonstranten zuhören. Er warnte in einem Interview des Staatsfernsehens aber vor weiteren Unruhen. „Die Menschen haben Sorgen. Wir sollten uns mit ihnen zusammensetzen
und, wenn es unsere Pflicht ist, ihre Sorgen ausräumen“, sagte
Peseschkian. „Aber die höhere Pflicht besteht darin, nicht zuzulassen,
dass eine Gruppe von Randalierern kommt und die gesamte Gesellschaft
zerstört.“ Die Jugend des Landes dürfe sich nicht durch „Terroristen“ täuschen
lassen. Die iranische Bevölkerung rief Peseschkian dazu auf, „Vertrauen in unseren Willen zur
Durchsetzung der Gerechtigkeit“ zu haben.

Die iranische Führung blockiert das
Internet den vierten Tag infolge.
Die auf Netzsperren spezialisierte Organisation Netblocks teilte auf X mit, die Internetsperre dauere nun seit mehr
als 60 Stunden an. Es handele sich um Zensur und stelle eine
direkte Bedrohung für die Sicherheit und das Wohlergehen der Iraner dar. Durch die Internetsperren und Telefonblockade will die iranische
Führung in der Regel die Kommunikation zwischen den Demonstranten
erschweren. Außerdem soll die Veröffentlichung von Berichten, Fotos und
Videos über die Massenproteste unterdrückt werden.

Demonstrationen in 185 Städten

Die Maßnahme schürt
zudem die Sorge, dass die Führung in Teheran wie schon bei vergangenen
Protesten den Blackout nutzen könnte, um die Demonstrationen brutal
niederzuschlagen. Die Massenproteste im Iran
halten trotz der wachsenden Zahl von Getöteten und exzessiver Drohungen des
Sicherheitsapparats an.
Laut Aktivisten haben sich die Demonstrationen auf 185 Städte
ausgeweitet. Menschenrechtsorganisationen zufolge gab es mittlerweile schon Hunderte Tote. Die in den USA ansässige Organisation HRANA sprach von mindestens 466 Toten, nachdem zuvor von 203 die Rede gewesen war.

Der Sohn des 1979 gestürzten Schahs, Reza Pahlavi, äußerte sich in einer neuen Botschaft an die Protestbewegung gemäßigter als zuvor. „Ich bitte Sie alle, sich mit Ihren Freunden und
Familienangehörigen in Gruppen auf die Hauptstraßen der Städte zu
begeben“, sagte Pahlavi laut einer englischen Übersetzung seiner Rede,
die auf X veröffentlicht wurde. „Trennen Sie sich unterwegs
nicht voneinander oder von der Menschenmenge, und nehmen Sie keine
Seitenstraßen, die Ihr Leben gefährden könnten.“

Iran warnt USA vor „Fehlkalkulation“

Die Führung des Iran
drohte mit Vergeltungsschlägen gegen Israel und US-Stützpunkte im
Falle eines amerikanischen Angriffs. Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf warnte die Vereinigten Staaten vor einer „Fehlkalkulation“. Jede Attacke der USA werde zu Angriffen auf Israel und
regionale US-Militärstützpunkte als „legitime Ziele“ führen. Israel ist angesichts
einer möglichen US-Intervention im Iran in höchster
Alarmbereitschaft. US-Präsident Donald Trump drohte jüngst wiederholt ‍mit einer
Intervention und warnte die Führung in Teheran davor, Gewalt
gegen Demonstranten anzuwenden. Am ​Samstag erklärte er, die USA
seien „bereit, zu helfen“.

Auch Israel beobachtet genau, wie sich die Proteste im Iran entwickeln. „Das israelische Volk und die ganze Welt sind voller Bewunderung für den enormen Heldenmut der iranischen
Bürger“, sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Er verurteilte die Tötung von Zivilisten und äußerte die
Hoffnung, die Beziehungen zwischen Israel und dem Iran wieder aufbauen zu können, sobald das Land „vom Joch der Tyrannei befreit“ sei. 

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