Proteste im Iran: Menschenrechtler berichten von so gut wie 200 Toten unter Protesten

Bei den Protesten gegen die autokratische Führung im Iran sind Menschenrechtlern zufolge mittlerweile mindestens 192 Menschen getötet worden. Die in Norwegen ansässige Organisation Iran
Human Rights (IHR) teilte mit, sie habe diese Zahl bestätigen können. 

Seit rund zwei Wochen kommt es im Iran zu landesweiten Protesten. Sie hatten sich in ⁠der Hauptstadt Teheran zunächst an der steigenden Inflation
entzündet, dann aber rasch ⁠ausgeweitet und richten ⁠sich nun auch gegen die autokratische Führung des iranischen Regimes.

Die in den USA ansässige Human Rights Activists News Agency (HRANA) sprach zuletzt von mindestens 116 getöteten Demonstrierenden. Mehr als 2.600 weitere
seien festgenommen worden, berichtete die Organisation, die sich bei
ihrer Berichterstattung auf ein Netzwerk von Aktivisten innerhalb des Iran stützt. 

Medizinisches Personal berichtet von überfüllten Krankenhäusern und Leichenhallen

Einem Bericht des britischen Senders BBC zufolge sind die Krankenhäuser
im Iran aufgrund des gewaltsamen Vorgehens der iranischen Führung gegen die Demonstranten mit
toten und verletzten Protestierenden überfüllt. Zwei medizinische Mitarbeiter berichteten demnach von Patienten
mit Schusswunden sowohl von scharfer Munition als auch von Schrotkugeln. Ein Sanitäter sprach von direkten Schüssen auf Köpfe und Herzen der Protestierenden. 

Eine Krankenhausmitarbeiterin in Teheran beschrieb dem Bericht zufolge „sehr schreckliche Szenen“. Es habe so viele Verletzte gegeben, dass das Personal keine Zeit gehabt habe, um Wiederbelebungsmaßnahmen durchzuführen. Für die Anzahl der Toten sei in der Leichenhalle nicht genug
Platz gewesen, weshalb man sie zunächst übereinander und später im
Gebetsraum übereinander habe stapeln müssen, berichtete die Mitarbeiterin. Bei vielen der Getöteten habe es sich um junge Menschen zwischen 20 und 25 Jahren gehandelt. 

Seit mehr als zwei Tagen herrscht im Iran eine staatliche Internetsperre

Da die iranische Führung seit nun mehr als 60 Stunden das Internet im Iran abgeschaltet und Telefonverbindungen unterbrochen hat,
ist ein Einblick in die Lage vor Ort aus dem Ausland zunehmend schwierig. 

Das iranische
Staatsfernsehen berichtete stattdessen über Opfer unter den Sicherheitskräften und
betonte die Kontrolle des Staates über das Land. Der iranische Parlamentsführer Mohammed Bagher Ghalibaf bezeichnete die Massendemonstrationen gegen die iranische
Führung bei einer im iranischen Staatsfernsehen übertragenen Rede zuletzt als einen von den USA inszenierten terroristischen Krieg gegen
das Land. Teilnehmer an „Terrorakten“ würden mit Gewalt verfolgt und die
bei den Unruhen Festgenommenen bestraft, kündigte Ghalibaf weiter an. 

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