Grüne Schwurbler im Russlandrausch: Wie aus Berliner Blackout eine Putin-Verschwörung wird

Grünen-Detektive haben eine heiße, kyrillische Spur aufgenommen: Hinter dem Anschlag auf das Stromnetz in Berlin stecken die Russen! Die haben sich bestimmt auch in den Terminkalender des Tennis-Bürgermeisters Kai Wegner von der CDU gehackt


Den russischen Behörden wird es gut in den Kram passen, als allgegenwärtige Spinne zu gelten, deren Fäden nicht nur bis in dieses Umspanwerk in Berlin, sondern auch auf den bürgermeisterlichen Tennisplatz und in die vulkanisierten Gehirne irregeleiteter Berliner Attentäter reichen.

Foto: Axel Schmidt/Reuters/picture alliance


Das Böse sitzt im Osten, weiß man ja. Im Zweifel sind die Russen schuld. Auch am Stromausfall in Berlin, der tagelang den Südwesten der Hauptstadt in die Knie und frierende Menschen in Notunterkünfte zwang. Ein künstlich zu Hause beatmeter Patient wäre fast erstickt – der Not-Akku funktioniert nur sechs Stunden, und dass der Stromausfall länger dauerte, war für ihn anfangs nicht absehbar. Eine 83-Jährige wurde in ihrer Wohnung tot aufgefunden; ob das an der Kälte lag, ist ungeklärt, sie wird noch obduziert.

Franziska Giffey wird als ‚Giffay‘ geschrieben!

Wer steckt hinter dem Anschlag? Linke Politaktivisten“? Keineswegs, ist sich der Erneuerbare-Energien-Professor und -Unternehmer Stefan Krauter sicher: Die „machen keine derartigen Fehler“. Krauter weiß: „Die Hinweise im Bekennerschreiben mehren sich, dass es bei dem Berliner Blackout-Anschlag um eine Operation Russlands handelte:

Aus dem US-Vizepräsidenten Vance wird ein ‚Vans‘, was der kyrillischen Übersetzung entspricht. Auch die Berliner Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey wird als ‚Giffay‘ geschrieben.“ Die Generalbundesanwaltschaft wird für diese profunde Mithilfe aus der linguistisch qualifizierten Bevölkerung dankbar sein.

45.000 Haushalte und 2.200 Betriebe waren vom Stromausfall betroffen, und Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) spielte Tennis. Auch daran sind vermutlich die Russen schuld – sie haben sich in seinen Terminkalender gehackt und das Tennisspiel angesetzt, Samstagnachmittag, während der Krisenstab tagte! Und haben Wegner die Lüge in den Mund gelegt, dass er sich nonstop aus dem Homeoffice um die Stromausfallkrise kümmere. Per Fernhypnose oder so. Skandal!

Jetzt darf man nicht mal mehr Tennis spielen wegen der Russen!

Wegners Herausforderer Steffen Krach (SPD) – im September stehen in Berlin Wahlen an – frohlockt über die Steilvorlage, weil dem armen Bürgermeister „eine Tennis-Partie wichtiger war, als nach einem terroristischen Anschlag in der schlimmsten Stromkrise seit Jahrzehnten bei den betroffenen Menschen vor Ort zu sein“. Beides nennt er „inakzeptabel und eines Regierenden Bürgermeisters unwürdig“. Nun darf man nicht mal mehr Tennis spielen wegen der Russen!

Die sorgen einerseits für Verwirrung, indem sie für die sich selbst bezichtigenden „Vulkangruppen“ das Bekennerschreiben mit seltsamen orthografischen Eigenheiten formulierten, die direkt auf den Kreml weisen. Und andererseits für Streit innerhalb der Strom-Terroristen, die dann eine „Richtigstellung“ nachschoben, sich auf Klimaschutz beriefen und von den Russen distanzierten. Mit dem Bösen wollen sogar Terroristen nicht im Bunde sein.

Konstantin von Notz und die Verbindungen der Vulkangruppe zu Akteuren im Ausland

Oder doch? Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Konstantin von Notz, erinnert auf Elon Musks Plattform X an die von ihm und einer Fraktionskollegin abgefragten Erkenntnisse der Bundesregierung zu „Ermittlungen + Gefährdungen durch #Linksextremismus und Zusammenhängen zu ausländischen Akteuren“.

Von Notz fordert: „Es müssen auch vergangene Taten erneut in den Blick genommen, Netzwerke ausgeleuchtet und mögliche Verbindungen der Vulkangruppe und anderer Akteure im In- und Ausland in den Blick genommen werden.“ Er glaubt den Sicherheitsbehörden wohl nicht, die so gar keine Anzeichen finden, dass Russland als Drahtzieher hinter dem Brandanschlag auf das Berliner Kabelwerk steht.

Den russischen Behörden wird es gewiss gut in den Kram passen, als allgegenwärtige Spinne zu gelten, deren Fäden nicht nur bis auf den bürgermeisterlichen Tennisplatz, sondern bis in die vulkanisierten Gehirne irregeleiteter Berliner Attentäter reichen. Aber die nahmen offenbar in Kauf, dass vor allem Ältere in Lebensgefahr gerieten – das können also doch nur die Russen sein!? Die haben doch schon ihre eigenen Nord-Stream-Pipelines gesprengt!

Und jetzt schicken die Russen auch noch ihren fiesen Frost nach Berlin!

Irgendwie, denken sich vor allem die Grünen wohl, muss sich doch aus der fehlgeleiteten Kapitalismuskritik der Stromzerstörer politisches Kapital schlagen lassen. Sie streuen nach Herzenslust Gerüchte, raunen von „Akteuren im In- und Ausland“ und destabilisieren mit ihrer Selbstprofilierung die kritische demokratische Infrastruktur, die sie zu schützen vorgeben.

Das klingt dann so: „Wahrscheinlich sitzt die einschlägig bekannte, linksextremistische ‚Vulkangruppe‘ jetzt an einem warmen Ofen in Moskau?!“. So schwurbelt es in jenen grünen (gern auch linken) Sphären des Internets, in denen seit Zeiten der Corona-Politik der Vorwurf „Schwurbler“ locker sitzt.

Dabei braucht Berlin eigentlich gar keine Russen, um die Menschen zu verwirren, der Senat schafft das ganz allein. Gerade sendete er eine schrille Warnmeldung: „Extreme Gefahr. Achtung! Warnung Stromausfall für Berlin“. Kurz bevor der Strom auch im Südwesten der Stadt wieder floss. Passiert ist dann weiter nichts, außer Glatteis und Zugausfällen. Aber das sind ganz sicher auch die Russen, von ihrem warmen Ofen aus schicken sie ihren fiesen Frost nach Berlin.