Auch Marine Le Pen ist beim Abschied von „La Bardot“ in Saint-Tropez
Sie war Sexsymbol und politisch umstritten: Frankreich sagt der Filmlegende Brigitte Bardot Adieu. Ganz Frankreich? Mitnichten. Die Beerdigung „der Bardot“ in Saint-Tropez spiegelt die Widersprüche in ihrem Leben
Brigitte Bardot, die Tierfreundin, es war die Rolle ihres Lebens
Foto: Getty Images
Wintersonne in Saint-Tropez, Schnee und Glatteis in Paris. An diese zwei Orte also schaut Frankreich an diesem eisigen Mittwoch, so als müsse sich gerade an diesem Tag, bei dieser Live-Übertragung, alles widersprechen. Denn während man im kleinen Luxus-Küstenort an der Côte d’Azur die französische Schauspielerin Brigitte Bardot zu Grabe trägt, versinkt die Hauptstadt im Schneechaos.
Vielleicht sind auch deswegen weit weniger Menschen als viele erwartet hatten, ans Mittelmeer gekommen, dorthin, wo Brigitte Bardot sich 1958 das Anwesen „La Madrague“, ein ehemaliges Fischerhaus am Meer, gekauft hatte, das schnell zum Mekka von Fans und Paparazzi wurde. Eine Zeremonie „ohne viel Schnickschnack“ hatte sie sich gewünscht, orchestriert von ihrer Familie und ihrer Stiftung für Tierschutz. Zutritt nur auf persönliche Einladung.
Brigitte Bardot machte Saint-Tropez berühmt
In der Innenstadt von Saint-Tropez werden trotzdem Leinwände aufgebaut, damit die Einheimischen und angereisten Zuschauer das Geschehen in der Kirche Notre-Dame-de-l’Assomption verfolgen können, wo gegen 11 Uhr ein Korbsarg mit einem großen Gesteck aus orangenen und gelben Margeriten hineingetragen wird.
Für die Stadt ist BB noch immer eine Ikone, die das Örtchen erst richtig berühmt machte, sie, die 1968 als Vorlage für die Mariannen-Büste diente, also nicht weniger als Frankreichs Nationalfigur, zu sehen in jedem Rathaus der Republik. Eines der wenigen, sehr bekannten Gesichter unter den Trauernden ist die Sängerin Mireille Mathieu, die während des Gottesdienstes das katholische Lied Panis Angelicus zum Besten gibt. Anschließend beschwert sie sich ins Mikro der Boulevardpresse über das Fernbleiben der Kinobranche: „Ich wundere mich. Sie hat das französische Kino verkörpert, aber wer außer Pierre Arditi ist gekommen, um Brigitte die Ehre zu erweisen?“
Beerdigung von „La Bardot“: Wo sind die französischen Kinostars?
Tatsächlich sucht man vergebens wirklich bekannte Schauspieler oder Regisseure unter den Trauergästen, und – seien wir ehrlich – das liegt nicht nur am Schnee in Paris. Sicher, ihre eigentliche Filmkarriere war verhältnismäßig kurz, gemessen am Mythos und am Weltruhm der Hauptdarstellerin von Filmen wie Und immer lockt das Weib oder Die Wahrheit. Viele Weggefährten sind bereits unter der Erde. Mehr aber noch liegen die Berührungsängste mit dieser Frau an ihrer ungewöhnlichen Wandlung.
Ihr zweites Leben widmete Bardot dem Tierschutz, in einer absolutistischen Radikalität. Auch das ist in Saint-Tropez nicht zu übersehen: hier ein Schwarz-Weiß-Foto mit einer Babyrobbe, dort Brigitte mit Pferd, etwas weiter mit Hund, auf einem der Poster steht Aus Respekt vor der Trauer der Tiere. Es waren im Übrigen alle Eingeladenen gebeten worden, sich unbedingt dunkel zu kleiden. Auf Brigitte, die Tierfreundin, reagierte das Pariser Kulturmilieu schon in den 80er und 90er Jahren mit einer gewissen Häme. Doch der endgültige Bruch mit einer tendenziell eher liberal links auftretenden Filmbranche, kam durch Bardots Nähe zur extremen Rechten, ihre offenen Sympathien mit dem Front National und Marine Le Pen.
Marine Le Pen kam, Macron war nicht mal eingeladen
Diese kam sehr wohl zur Beerdigung, wohl wissend, wie viele, auch internationale Kameras, auf sie gerichtet sind. Aus der aktuellen Regierung hingegen ist mit Aurore Bergé, der Ministerin für Gleichstellungsfragen, nur ein Zweite-Reihe-Gesicht erschienen. Die Macrons standen nicht mal auf der Liste der Eingeladenen. So geht ein Leben zu Ende, das vor allem durch den Mythos „der Bardot“ getragen war, der sich – seien wir ehrlich – vor allem aus den Rundungen der seinerzeit unverschämt lasziv auftretenden femme fatale schaffen ließ. Für viele Franzosen blieb sie zeitlebens zuallererst ein Sexsymbol. Irgendwie cool, verrucht, aber eben nur in Schwarz-Weiß. Eine, der man nicht beim Altern zusehen möchte. Und dann die Anzeigen wegen Volksverhetzung.
Solidarität bekommt BB ja trotzdem noch: Zum Beispiel von der selbsternannten „Stimme der Mehrheit“, dem rechtspopulistischen Portal Nius, wo die Nachrufe in mehreren großen deutschen Medien als „Niedertracht“, als „Tiefpunkt des Haltungsjournalismus“ oder auch als „Nachtreten“ bezeichnet werden. Man kann es auch anders sagen: Es ist komplex. Es ist widersprüchlich. Wie Brigitte Bardot.
Am Ende schießt ein Paparazzo
Und während in Paris so mancher die Skier rausholt und überall Schneemänner gebaut werden, zieht nur noch eine kleine Gruppe von Trauernden mit auf den Küstenfriedhof. Ein Schuss über die Friedhofsmauer gelingt einem Paparazzo dennoch. Ein Leben hört manchmal so auf, wie es begonnen hat.