Ifo-Erhebung: So unterschiedlich gedeihen sich die Bundesländer wirtschaftlich

„Die Industrie befindet sich weiterhin in der Krise“, sagt Ifo-Konjunkturexperte Robert Lehmann. Diese konjunkturelle Schwäche werde jedoch in einigen Bundesländern durch Zuwächse bei den Dienstleistern ausgeglichen.

In zahlreichen Bundesländern in Deutschland nimmt die Wirtschaftsleistung ab. Wie es wo läuft, hat das Ifo Institut herausgefunden. Diese Länder haben die Nase vorn – und diese schwächeln.

In der Hälfte der deutschen Bundesländer ist die Wirtschaftsleistung zurückgegangen. Für die Berechnungen herangezogen hat das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut den Zeitraum Juli bis September 2025 im Vergleich zum Vorquartal.

Am schwächsten war die Entwicklung laut den Erhebungen im Saarland. Hier liegt sie preis-, saison- und kalenderbereinigt bei minus 0,6%. Es folgen Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein mit jeweils minus 0,4%. „Die Industrie befindet sich weiterhin in einer Krise und der Strukturwandel belastet manche Bundesländer stärker als andere“, sagt Ifo-Konjunkturexperte Robert Lehmann. In einigen Ländern hätten jedoch Zuwächse bei Dienstleistern die konjunkturelle Schwäche der Industrie ausgeglichen.

Zölle belasten

So wuchs die Wirtschaft in Hamburg im dritten Quartal um 0,6% im Vergleich zum Vorquartal, in Niedersachsen um 0,2% und in Sachsen um 0,1%. In Baden-Württemberg (plus 0,2%) und Bayern (plus 0,5%) legte die Wirtschaftsleistung zwar ebenfalls zu, für das Gesamtjahr 2025 wird sie laut Ifo Institut aber vermutlich schrumpfen. Im Süden der Republik machen sich vor allem die von der US-Regierung verhängten Zölle bemerkbar. „Sie belasten die ohnehin angeschlagene Industrie zusätzlich“, sagt Lehmann.

Doch es gibt auch Lichtblicke: Zwar sank in Berlin (minus 0,2%) die Wirtschaftsleistung, und in Mecklenburg-Vorpommern (plus 0,1%) bzw. Bremen (plus 0,2%) nahm sie nur schwach zu. Doch für das gesamte Jahr 2025 „befanden sich diese drei Bundesländer auf Wachstumskurs“, teilen die Wirtschaftsexperten mit.

Wenig Bewegung gab es auch in Brandenburg, Sachsen-Anhalt (jeweils minus 0,1%) und Thüringen (0,0%). In Hessen lag das Wachstum bei 0,2%, Nordrhein-Westfalen verzeichnete einen Rückgang von 0,3%.

Vorjahresvergleich zeigt vielfach anderes Bild

Etwas anders sieht die Entwicklung des dritten Quartals im Vergleich zum Vorjahr aus. Hier hat zum Beispiel Mecklenburg-Vorpommern, das verglichen mit dem Vorquartal nur minimal zulegen konnte, mit einem Plus von 1,4% die Nase weit vorn. Ähnlich sieht es in Berlin aus, das im Quartalsvergleich eine negative Entwicklung verzeichnete, gegenüber 2024 aber bei Plus 1,2% liegt. In Thüringen sind es immerhin plus 1,0%, in Sachsen plus 0,8%. Zur Veränderung im Jahresvergleich merken die Ifo-Forscher allerdings an, dass die Zahlen lediglich preisbereinigt sind und nicht wie beim Quartalsvergleich preis-, saison- und kalenderbereinigt.

Alles in allem verlaufe die konjunkturelle Entwicklung in den einzelnen Bundesländern recht unterschiedlich, so das Institut. Das sei vornehmlich auf die regionale Wirtschaftsstruktur und die unterschiedlichen wirtschaftlichen Verflechtungen mit dem Ausland zurückzuführen.