Bayern wie Hotspot: Ein Rekordjahr zu Gunsten von Start-up-Gründungen

2025 wurden 3568 Start-ups neu gegründet. Das entspricht einem Plus von 29 Prozent gegenüber 2024 und übertrifft sogar das bisherige Rekordjahr 2021, das wegen der auf dem Höhepunkt befindlichen Corona-Pandemie in der Branche eigentlich als Ausrei­ßerjahr gilt. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Handelsregisterauswertung des deutschen Startup-Ver­bands gemeinsam mit der Datenbank Startupdetector hervor. Als Start-ups gelten dabei nur neue Unternehmen mit einem potentiell skalierbaren Geschäftsmodell auf Basis eines selbst entwickelten Produkts. Handwerker, Gastronomen oder auch reine IT-Dienstleister ohne ei­gene Software fallen also nicht darunter.

Mit Ausnahme von Bremen und Schleswig-Holstein ist die Gründungsaktivität in allen Bundesländern gewachsen. Besonders stark fiel das Wachstum in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen aus. Mehr als jedes fünfte neue Start-up wurde in Bayern gegründet, insgesamt waren es im vergangenen Jahr 785 und damit 46 Prozent mehr als im Vorjahr. In Nordrhein-Westfalen legten die Start-up-Gründungen um ein Drittel auf 658 zu, in Sachsen um 56 Prozent auf immerhin 120. Auffällig ist, dass die Gründungsdynamik in Norddeutschland mit Ausnahme Hamburgs deutlich schwächer ist als im Rest der Republik.

Berlin landet unter den Bundesländern mit 619 Gründungen auf dem dritten Rang, auch das war gut ein Viertel mehr als im Vorjahr, lag aber unter dem Rekord aus dem Jahr 2021. Mit 16,8 Start-up-Gründungen je 100.000 Einwohnern liegt der Stadtstaat pro Kopf unter den Bundesländern immer noch deutlich an der Spitze; der Bundesdurchschnitt liegt bei 4,3. Im Pro-Kopf-Städteranking bleibt München allerdings mit 19,3 Gründungen pro 100.000 Einwohnern vor Berlin an der Spitze.

„Gründungsdynamik ist nicht auf einzelne Hotspots beschränkt“

Neben den Großstädten finden sich in den Top-Zehn vor allem forschungsnahe Standorte wie Aachen, Potsdam, Darmstadt oder Karlsruhe. „Die Gründungsdynamik ist nicht auf einzelne Hotspots beschränkt“, sagt Felix Engelmann, Mitgründer von Startup­detector. Deutschland sei nicht nur in München und Berlin stark, sondern trage seine „Start-up-Stärke“ auch zunehmend in die Fläche.

Angetrieben hat das Gründungsgeschehen vor allem das Trendthema Künstliche Intelligenz (KI). 27 Prozent der neu gegründeten Start-ups nutzen KI den Daten zufolge als wichtigen Bestandteil ihres Ge­schäftsmodells. Im vergangenen Jahr lag dieser Anteil noch bei 18,3 Prozent. Davon profitierte vor allem der Software-Sektor mit dem stärksten absoluten Zuwachs, aber auch die Medizin. 853 Software-Start-ups entstanden im vergangenen Jahr, gefolgt vom Medizinsektor mit 428 Start-up-Gründungen.

Aber auch die nach der Corona-Pandemie schwächelnden Gründungen im Konsumentengeschäft haben sich erholt. Vor allem der Lebensmittelsektor legte mit einem Plus von 80 Prozent auf 295 Start-up-Gründungen deutlich zu. Auch die Zahl der Start-up-Insolvenzen ist im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent auf 306 gesunken, bleibt damit aber auf einem höheren Niveau als im Vorjahr. Die Studienautoren weisen darauf hin, dass die Zahl der Insolvenzen jedoch auch vor der insgesamt gestiegenen Anzahl an Start-ups bewertet werden muss.

Investitionen stagnieren

Die Investitionen in deutsche Start-ups können mit diesem Aufwärtstrend allerdings nicht ganz Schritt halten, zeigen neue Zahlen der deutschen Förderbank KfW. Demnach erreichte der deutsche Markt für sogenanntes Wagniskapital 2025 ein Investitionsvolumen von 7,2 Milliarden Euro. 2024 lag das Volumen bei 7,4 Milliarden Euro, 2023 bei 7,1 Milliarden Euro. Start-ups mit innovativen Geschäftsideen brauchen oft Jahre, um profitabel zu arbeiten, und müssen Geld in die Entwicklung neuartiger Produkte und Dienstleistungen investieren. Dafür verkaufen sie oft Anteile an ihrem Unternehmen an solche Wagniskapitalinvestoren, die später von einem Verkauf oder Börsengang des Unternehmens profitieren wollen.

Die Investitionsaktivität auf dem deutschen Wagniskapitalmarkt sei 2025 zwar solide, kommentiert KfW-Chefvolkswirt Dirk Schuhmacher. „Im internationalen Vergleich bleibt Deutschland jedoch hinter der Dynamik in anderen Ländern wie Großbritannien, Frankreich und insbesondere den USA zurück.“ In der Entwicklung der Wagniskapitalmärkte komme auch die unterschiedliche konjunkturelle Dynamik in Ländern zum Ausdruck. Und auch die sogenannten Exits ent­wickeln sich laut KfW nur schleppend, obwohl sie wichtig sind, um wieder Geld in die Kassen der Investoren zu spülen. 2025 erfolgten in Deutschland demnach 164 Ausstiege aus Wagniskapital-Beteiligungen. Das waren zehn mehr als noch im Vorjahr.