Agrarkonzern in Not: Der Baywa-Aufsichtsrat scheitert an dieser Führungskrise

Nach der Aufsichtsratssitzung ist vor der Aufsichtsrats­sitzung: In Abwandlung ei­ner alten Fußballweisheit treffen sich die Kontrolleure des schwer angeschlagenen Agrarkonzerns Baywa am Donnerstag schon wieder, um dasselbe Spiel zu spielen. Dann geht es geht um die vorzeitige Trennung vom Vorstandsvorsitzenden Frank Hiller, der erst seit zehn Monaten im Amt ist, in dieser kurzen Zeit aber offenkundig schon das Vertrauen ei­niger Menschen in dem genossenschaftlich geprägten Unternehmen verloren hat.

In der ersten Sitzung am Dienstagabend ist es Chefaufseher Gregor Scheller nicht gelungen, eine Entscheidung über die Zukunft von Hiller an der Baywa-Spitze herbeizuführen. Eine Vertragsauflösung im Einvernehmen würde eine teure Abfindung nach sich ziehen, für die der hoch verschuldete Konzern ei­gentlich kein Geld hat; eine Abberufung ohne triftigen Grund wiederum würde ein gerichtliches Nachspiel haben, an dessen Ende ein ebenso teures Desaster stehen könnte. So oder so gibt der Aufsichtsrat um den Vorsitzenden Scheller, der einmal eine Volksbank in Oberfranken geleitet hat, ein schlechtes Bild ab.

Es ist mit einer Ausnahme das­selbe Gremium, das viele Jahre lang den waghalsigen Expansionskurs des damaligen Baywa-Chefs Klaus Josef Lutz mitgetragen hat. Lutz’ Strategie, aus dem bayrischen Agrarhändler einen internationalen Mischkonzern zu machen, endete in einer Beinahepleite. Lutz, der von der Vorstandsspitze nahtlos an die Aufsichtsratsspitze wechselte, saß dort mit Aufsehern zusammen, die er gut kannte, wie die CSU-Politi­kerin Monika Hohlmeier oder den Bauernpräsidenten Joachim Rukwied. Das richtige Parteibuch und die persönliche Nähe, diesen Eindruck vermittelt der Baywa-Aufsichtsrat, sind wichtiger als Unabhängigkeit und Sachverstand.

Es mag sein, dass der frühere Deutz-Chef Hiller der falsche Vorstandschef für die Erneuerung des zu sanierenden Baywa-Konzerns ist. Einen solchen Fehlgriff hat Scheller zu verantworten, der Hiller geholt hat. Noch dringlicher ist aber eine personelle Erneuerung im Kontrollgremium, um das Vertrauen von Kunden und Investoren zurückzugewinnen – ganz unabhängig davon, wer den Vorstand der Baywa führt.