Marktbericht: Die runde Marke ist lieben
marktbericht
Der DAX hat seine sechswöchige Kursrally mit der Eroberung der runden Marke von 25.000 Punkten gekrönt. Die Strahlkraft dieses neuen Rekordstands lockte weitere Anleger an.
Noch kurz vor Weihnachten stand der DAX unter 24.000 Punkten. Heute fiel bereits die nächste runde Marke. Gleich im frühen Handel stieg der Leitindex erstmals über 25.000 Punkte. Zum Handelsende notierte der DAX auf einem Rekordstand von 25.122 Punkten, was einem Plus von 0,92 Prozent entspricht.
Nach dem langen Anstieg liegt zwar eine baldige Korrektur nahe, doch lockt die Strahlkraft der runden Marke bisher noch immer weitere Anleger an.
An der Wall Street haben im Verlauf erste leichte Gewinnmitnahmen eingesetzt. Gestern hatten der Dow Jones und der S&P 500 ebenfalls neue Rekordhochs markiert. Die positive Stimmung wurde auch durch die Erwartung von Zinssenkungen der US-Notenbank befeuert. Händler warten mit Spannung auf den am Freitag anstehenden US-Arbeitsmarktbericht, der die geldpolitischen Erwartungen der Märkte beeinflussen könnte.
Es mute angesichts der Entwicklung der Weltwirtschaft paradox an, dass die Aktienmärkte aufblühen, kommentierte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, die Lage. „Aber man darf nicht vergessen, dass der gegenwärtige Umbau der Weltwirtschaft enorme Investitionen in Gang setzt. Das reicht von den staatlichen Infrastrukturprogrammen bis hin zum neuen weltweiten Technologiewettlauf um die beste KI“, so der Ökonom. „Die Weltwirtschaft wird nicht zertrümmert, sie wird umgebaut.“
Der deutsche Markt wird auch weiterhin von Konjunkturfantasie beflügelt. Die Investoren erwarten positive Impulse von dem 500 Milliarden Euro schweren Sondervermögen der Bundesregierung, das zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur und die Sicherheit verspricht.
Der jüngste Angriff der USA auf Venezuela wirkt über den Hebel nachgebender Ölpreise weiter positiv auf die Aktienmärkte. Billigeres Öl ist gut für die Weltwirtschaft, könnte den Inflationsdruck mindern und weitere Zinssenkungen durch Notenbanken bedeuten.
Allerdings mehren sich auch die Stimmen, die vor weiteren geopolitischen Verwerfungen warnen. Zum einen bleiben die US-Ansprüche auf Grönland ein Risikofaktor. Zum anderen könnte sich China ermutigt fühlen, schärfer gegen Taiwan vorzugehen.
Siemens gehörte zu den größten Gewinnern im DAX. Die im Leitindex schwer gewichtete Aktie erreichte im Verlauf bei 253,10 Euro ein neues Rekordhoch. Für Fantasie sorgte die angekündigte Zusammenarbeit der Münchener mit KI-Platzhirsch Nvidia.
Gestern Abend hatte Siemens-Vorstandschef Roland Busch zusammen mit Nvidia-Chef Jensen Huang mehrere Initiativen angekündigt. Ziel der beiden Unternehmen ist es, gemeinsam eine Art Betriebssystem für den KI-Einsatz in der Industrie zu schaffen. Huang sprach sogar vom „Anfang einer neuen industriellen Revolution“.
Die Bayer-Aktie wurde von einem positiven Analystenkommentar beflügelt. Die Analysten von Barclays stufen das Papier nunmehr mit „Overweight“ von zuvor „Equal-Weight“ ein. Der Leverkusener Konzern hat zudem die Corona-Impfstoffhersteller Pfizer, BioNTech und Moderna wegen des Vorwurfs der Verletzung von Patenten bei ihren mRNA-Vakzinen verklagt.
So sollen die Hersteller eine Technologie kopiert haben, die die Bayer-Tochter Monsanto bereits in den 1980er-Jahren zum Patent angemeldet hatte. Dabei geht es um ein Verfahren zur Stabilisierung des genetischen Materials mRNA, das Monsanto ursprünglich für die Entwicklung widerstandsfähigerer Nutzpflanzen einsetzte.
Am DAX-Ende lag die Aktie von Scout24 mit einem Abschlag von fast vier Prozent. Anleger reagierten verunsichert darauf, dass der Internetportal-Betreiber mit Martin Mildner Anfang März einen neuen Finanzchef bekommt, auch wenn das Ausscheiden von Dirk Schmelzer laut „The Market“ ohne etwaige Zwistigkeiten erfolgte und der Aufsichtsrat bereits seit Frühjahr 2025 nach einem Nachfolger gesucht hatte. Wechsel im Finanzressort sorgen am Aktienmarkt häufig für Unruhe, so auch in diesem Fall.
Source: tagesschau.de