„Inakzeptabel“ und „unwürdig“: Tennis statt Krise: Wegner z. Hd. Blackout-Management scharf kritisiert

„Inakzeptabel“ und „unwürdig“
Tennis statt Krise: Wegner für Blackout-Management scharf kritisiert








Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner hat Tennis gespielt, während ein Teil der Hauptstadt von einem massiven Stromausfall betroffen war. Es hagelt scharfe Kritik.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner von der CDU gerät massiv unter Druck. Anders als bislang dargestellt, war der CDU-Politiker am vergangenen Samstag nicht durchgängig mit dem Krisenmanagement nach einem Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz beschäftigt. Wegner hat vielmehr zur Mittagszeit Tennis gespielt. Das hatte zunächst der RBB berichtet, Wegner selbst hat die Berichte mittlerweile persönlich bestätigt.



SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach, der Wegner bei der Berliner Senatswahl im September ablösen will, kritisiert den Vorgang scharf. „Ich weiß nicht, was schlimmer ist: Dass er die Berlinerinnen und Berliner belogen hat, oder dass ihm eine Tennis-Partie wichtiger war, als nach einem terroristischen Anschlag in der schlimmsten Stromkrise seit Jahrzehnten bei den betroffenen Menschen vor Ort zu sein“, sagte Krach dem stern. „Beides ist inakzeptabel und eines Regierenden Bürgermeisters unwürdig.“

Nach Recherchen des RBB hatte Wegner am Samstag zwischen 13 und 14 Uhr Tennis gespielt, sei aber stets erreichbar gewesen. Die Senatskanzlei habe die Informationen auf Nachfrage bestätigt. Am Mittwochabend meldete sich auch Wegner persönlich in einem Interview beim TV-Sender „Welt“ zu Wort und bestätigte, zu dieser Zeit Tennis gespielt zu haben, „weil ich einfach den Kopf freikriegen wollte“. Wegner betonte: „Ich war die ganze Zeit erreichbar, auch als ich Tennis gespielt habe, das Handy war auf laut gestellt“. Danach sei er sofort zurückgefahren und habe weitergearbeitet. 


Wegner stand wegen seines Krisenmanagements wiederholt in der Kritik, weil er zunächst nur über den Nachrichtendienst X kommuniziert und erst am Sonntag in den betroffenen Stadteilen gewesen ist. Der CDU-Politiker wies die Vorwürfe zurück und verteidigte sich: „Ich habe mich gestern weder gelangweilt, noch die Füße hochgelegt“, sagte Wegner bei einer Pressekonferenz am Sonntag und habe sich „zu Hause in seinem Büro eingeschlossen, im wahrsten Sinne“.

„Kai Wegner hat vermutlich nicht daheim im verschlossenen Arbeitszimmer Tennis gespielt“, sagt nun SPD-Spitzenkandidat Krach. Auch Werner Graf, Grünen-Fraktionschef und Spitzenkandidat für die Senatswahl, übt scharfe Kritik. „Der Regierende war Tennis spielen, obwohl er bereits wusste, dass 45.000 Berliner Haushalte ohne Wärme und Licht in einer Notlage waren und während Menschen in Gefahr gerieten“, sagte Graf dem stern. „Das entspricht nicht den Erwartungen, die Berliner *innen zu Recht an dieses Amt haben.“




Nach stern-Informationen war am Samstag früh klar, dass es ein längerer Ausfall werden dürfte. Schließlich hatten die Täter fünf Hochspannungskabel durchtrennt. Es war sofort klar, dass viele Menschen betroffen sein würden und eine schnelle Reparatur kaum möglich sei. Spätestens zur Mittagszeit hätte der Betreiber die Verantwortlichen auch offiziell darüber informiert. Schon am Nachmittag wurde dazu eine Pressemitteilung verschickt, allerdings nicht von Wegner oder der Senatskanzlei, sondern Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD), die auch für Energie zuständig ist.


Auf SPD-Seite entstand der Eindruck, Wegner habe das Ausmaß des Problems nicht erkannt oder erkennen wollen. Übersehen haben konnte er es eigentlich nicht: Erst im September 2025 hatte es einen Anschlag auf Strommasten im Süden Berlins gegeben. Wollte der Regierende das Krisenmanagement lieber der SPD überlassen, um sich nicht mit dem Problem zu beschäftigen? Oder hat er es wirklich bloß unterschätzt?

Fakt ist: Wegner kriegte in den folgenden Tagen auch massiven Druck aus den eigenen Reihen. Der Südwesten Berlins ist CDU-Kernwählerland in Berlin, die Wahlkreise dort gelten als bürgerlich. Die örtlichen Abgeordneten machten nach stern-Informationen in den folgenden Tagen bei Wegner Druck, sich stärker zu engagieren und vor Ort zu zeigen. 





In der Berliner CDU wollte man sich vorerstat nicht zu möglichen Konsequenzen äußern. Die einen flüchteten sich in Galgenhumor, andere gaben Termine vor – oder gingen nicht ans Telefon. Für Wegners Wahlkampf dürfte die Tennisstunde jedenfalls eine erhebliche Belastung werden – und vielleicht auch seinen Verbleib im Amt des Regierenden Bürgermeisters bedrohen. Aber eines muss man auch wissen über jenen Kai Wegner: Im Überleben von Krisen ist der CDU-Mann deutlich stärker als in deren Management.

Source: stern.de