Elektronikmesse CES: Schachroboter und Smartphones für jedes Hunde

Las Vegas ist als Spielerstadt bekannt, allerdings eher nicht für Schach. Dennoch wird auf der Elektronikmesse CES diesmal auch Schach gespielt, zumindest für Demonstrationszwecke. Das Unternehmen Senserobot aus Hongkong hat seinen Schachroboter mitgebracht. Er verfügt über einen Arm, den er zielstrebig und millimetergenau über das Schachbrett manövriert, am Ende des Armes ist eine Kralle, mit der er nach den Spielfiguren greift und sie bewegt. Auf seinem Bildschirm kann der Roboter freundlich lächeln, aber mit ihm ist auch nicht zu spaßen. Er kann etwaige unzulässige Spielzüge seines Gegners erkennen und korrigiert sie.

Kun Ma von Senserobot sagt, der Roboter lasse sich auf 25 verschiedene Spielstärken einstellen, „vom Anfänger bis zum Großmeister“. Er sei für Situationen gedacht, in denen kein menschlicher Spielpartner zur Verfügung stehe, er könne auch als Schachlehrer eingesetzt werden, zum Beispiel für Kinder. Er setze Künstliche Intelligenz ein, um Spiele zu analysieren. Senserobot hat bislang nach eigenen Angaben mehr als 120.000 Exemplare des Roboters verkauft, die meisten davon in Asien. Das Unternehmen hat aber auch eine Partnerschaft mit der europäischen Schachvereinigung ECU. In den USA kostet der Roboter rund 1000 Dollar. Neben Schach hat Senserobot auch einen Roboter für das asiatische Brettspiel Go.

Senserobot zählt zu den Ausstellern auf der Innovationsschau „Unveiled“, einem der ersten Programmpunkte auf der CES. Hier zeigen mehr als 100 Aussteller ihre Neuheiten, das Geschehen wird vor allem von Start-ups geprägt. Es ist ein internationaler Mix, zu dem auch Vertreter aus einigen europäischen Ländern wie Frankreich gehören, wenngleich die deutsche Präsenz überschaubar ist. In diesem Jahr scheint das Kontingent aus Asien besonders stark.

Reichlich Kuriositäten

Die Schau ist ein Tummelplatz für ein breites Spektrum von Produkten, und darunter sind üblicherweise auch reichlich Kuriositäten. Aber sie liefert oft einen Vorgeschmack, was die großen Themen der Messe sein werden. In diesem Jahr spielen erwartungsgemäß KI und Roboter eine besonders große Rolle. In Las Vegas sind Roboter für alle möglichen alltäglichen Zwecke zu sehen, ob zum Kochen, zum Mixen von Cocktails oder als Ballmaschine für Tennisspieler.

Die robotischen Tiere Cocomo und Inu am Stand von Ludens AI
Die robotischen Tiere Cocomo und Inu am Stand von Ludens AIReuters

Das chinesische Unternehmen Zeroth zeigt einen Roboter, der aussieht wie „WALL-E“ aus dem gleichnamigen Film von Disneys Zeichentrickstudio Pixar. Nach Angaben des Unternehmens kann er als eine Art mobile Überwachungskamera genutzt werden, oder auch, um Gegenstände mit einem Gewicht von bis zu 50 Kilogramm zu transportieren. Er sei drinnen und draußen einsetzbar, auch auf unebenem Gelände wie Gras oder Schotter. Zeroth stellt daneben noch einen humanoiden Roboter in Puppengröße vor, der sprechen kann und eine Art Helfer im Haus sein soll. Zum Beispiel, um auf Haustiere aufzupassen, oder als Lernobjekt für Kinder.

Einige der Roboter in Las Vegas sind als Gefährten für Menschen gedacht. Zum Beispiel der Roboter „Cocomo“ von Ludens AI aus Japan. Das Unternehmen beschreibt es als seine Mission, „die Beziehung zwischen Menschen und KI neu zu definieren“, und es preist den Roboter als den ersten KI-Gefährten der Welt an, der seine Persönlichkeit weiterentwickeln könne. Der Roboter sieht aus wie ein Plüschtier, und er kann in ein kleines Gefährt gesetzt werden, mit dem er den Menschen in seinem Haushalt folgen kann. Ludens sagt, er könne auf die Menschen reagieren und zum Beispiel ihre Bewegungen imitieren.

Ein Hunderoboter

Tombot aus den USA stellt auf der CES eine neue Variante seines Roboters „Jennie“ vor, der die Gestalt eines Hundes hat. Das Unternehmen beschreibt ihn als „Haustier für Menschen, die keine Haustiere haben können“. Tombot-Gründer Tom Stevens sagt, er sei auf die Idee gekommen, als seine Mutter nicht mehr für ihren eigenen Hund sorgen konnte und ihn abgeben musste. Ihm zufolge eignet sich der Roboter nicht nur für Demenzkranke, sondern auch für andere Gruppen, etwa Kinder mit Autismus. Der Roboter kann auf seinen Namen und andere Sprachkommandos reagieren, und er kann mehr als 100 verschiedene Geräusche von sich geben. Am Design war das Studio beteiligt, das einst der Muppet-Erfinder Jim Henson gegründet hat.

Ein „hyperrealistischer“ Hunderoboter
Ein „hyperrealistischer“ HunderoboterAFP

Produkte rund um Gesundheit und Wellness sind seit einiger Zeit ein Schwerpunkt in Las Vegas. Mentagraph aus Japan zeigt einen mit einer Smartphone-App verbundenen Ring, der mithilfe verschiedener Sensoren das Stressniveau seiner Nutzer misst. Darauf ­basierend, gibt die App Handlungsempfehlungen, also rät zum Beispiel, mehr Pausen einzulegen. Mehrere Unternehmen stellen auf der CES Technologien zur Früherkennung von Krebs vor. Hope Valley AI aus Frankreich zum Beispiel hat eine KI-Plattform entwickelt, die dabei helfen soll, frühe Warnsignale für Brustkrebs zu entdecken. Cyto Aurora aus Taiwan zeigt ein Testsystem, das in der Lage sein soll, mithilfe von Blutanalyse Tumorzellen zu finden.

Optimistischer Blick

Zu den skurrileren Produkten auf der „Unveiled“-Show gehört ein Gerät, das von seinem Hersteller Ucloudlink aus Singapur als „erstes Smartphone für Haustiere“ beschrieben wird. Es wird Hunden oder Katzen um den Hals gehängt und mit einer Smartphone-App synchronisiert. Damit wird es möglich, die Tiere anzurufen und sie eine vertraute Stimme hören zu lassen, zum Beispiel, wenn sie alleine zu Hause oder beim Tierarzt sind. Das Gerät erfasst auch Daten über die Aktivitäten von Tieren und wertet sie mithilfe von KI aus.

Der Branchenverband Consumer Technology Association, der die CES veranstaltet, blickt optimistisch auf dieses Jahr. Zum Messestart sagte er für dieses Jahr auf dem amerikanischen Markt für Technologieprodukte ein Umsatzwachstum von knapp vier Prozent auf 565 Milliarden Dollar vor. Er präsentierte auch eine Umfrage zur Nutzung von KI in verschiedenen Ländern. In den USA hätten 63 Prozent der Befragten angegeben, KI-Technologien in ihrem Beruf eingesetzt zu haben. Dabei sei die Zeitersparnis durch KI im Schnitt auf 8,7 Stunden in der Woche geschätzt worden. „KI entwickelt sich von einer experimentellen zu einer essenziellen Technologie,“ sagte CTA-Analyst Brian Comiskey. Deutschland lag in der Umfrage deutlich hinter den USA zurück, mit 41 Prozent der Befragten, die KI am Arbeitsplatz nutzen, und einer geschätzten Zeitersparnis von 6,5 Stunden.

Es geht auch ohne KI

Nicht in allem, was zum Messestart zu sehen ist, steckt KI. Vaonis aus Frankreich stellt ein digitales Teleskop vor, das per App kontrolliert wird und sich automatisch auf bestimmte Ziele im Weltraum ausrichten und sie fotografieren kann. Es ist für den Einsatz in Institutionen wie Planetarien gedacht und kostet in Europa 89.000 Euro.

Spezialmesser mit Ultraschall von Ultrasonic
Spezialmesser mit Ultraschall von UltrasonicAFP

Das amerikanische Unternehmen Seattle Ultrasonics zeigt ein 399 Dollar teures Küchenmesser, das mit Ultraschall arbeitet. Ein Knopfdruck löst 30.000 Vibrationen je Sekunde in der Klinge aus, und dies soll dafür sorgen, dass sich der Kraftaufwand beim Schneiden um die Hälfte reduziert. Außerdem sollen keine Lebensmittelreste an der Klinge kleben bleiben. Seattle Ultrasonics wurde von Scott Heimendinger gegründet, einem früheren Softwareentwickler in Unternehmen wie Microsoft oder IBM. Die Ultraschalltechnologie in dem Messer kommt auch in professionellen Maschinen zum Schneiden von Kuchen zum Einsatz – und in Skalpellen.