Krise dieser branche: Die deutschen Autohersteller spielen wieder gen Angriff – gut so!

In Deutschland geht die Angst vor dem großen Industriesterben um, und gemessen an den Arbeitsplatzverlusten ist die Not nirgendwo so groß wie in der deutschesten aller Industrien: im Automobilbau. Der Weltruf ihrer Autos hat die Deutschen in den Jahrzehnten seit dem Zweiten Weltkrieg nicht bloß reich, sondern auch stolz gemacht. Das Auto wird von manchen in einer Art und Weise glorifiziert und verklärt, die es so in anderen Ländern nicht gibt. Die Deutschen und ihr liebstes Industrieprodukt, das ist eine sehr spezielle Beziehung.
Aber 140 Jahre nachdem der Mannheimer Ingenieur Carl Benz sein „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ zum Patent anmeldete, frisst sich im Mutterland des Automobilbaus die Zukunftsangst durch die Fabrikhallen und Großraumbüros. 2025 war das Jahr, in dem die Autokrise voll zugeschlagen hat. Allein Europas größter Autokonzern Volkswagen streicht in seinem Heimatland 35.000 Arbeitsplätze, der weltgrößte Autozulieferer Bosch hat den Abbau von 22.000 deutschen Stellen angekündigt, bei ZF sind es 14.000 Jobs. Die trostlose Reihe ließe sich fortsetzen.
2025 war schrecklich für die Autobauer
Das vergangene Jahr war schrecklich für die Autohersteller. Die Rückkehr des amerikanischen Handelskriegers Donald Trump ins Weiße Haus hat den wichtigen US-Markt zum Problem gemacht, denn die Zölle saugen die Gewinnmargen aus den Unternehmensbilanzen. Und in China, dem größten Automarkt der Welt, haben BMW und Mercedes zweistellige Absatzeinbußen erlitten.
Nicht nur Abbau, Rückzug und Niedergang
Früher Undenkbares ist vorstellbar geworden. Die in China schwer gebeutelte Luxusmarke Porsche, die zu VW gehört, könnte sich ganz aus dem chinesischen Markt für E-Autos zurückziehen und sich dort allein auf Verbrennermodelle konzentrieren. Irgendwann werden die womöglich nur noch Nischenprodukte sein wie teure mechanische Uhren. Der Glanz der deutschen Marken schwindet. Audi versuchte 2025 in China einen verzweifelten Neustart: ohne das vertraute Markenlogo mit den Ringen am Kühlergrill, dafür mit viel Technik vom chinesischen Partner SAIC.
Aber es gibt nicht nur Abbau, Rückzug und Niedergang. Da sind auch Aufbruch, Kampfgeist und Wagemut. BMW und Mercedes haben die größten Produktoffensiven ihrer Unternehmensgeschichte gestartet. Spektakulär ist die von BMW: Die Münchner dürften einen zweistelligen Milliardenbetrag in ihre Modellfamilie „Neue Klasse“ gesteckt haben, alles wurde neu gemacht von den Zentralrechnern an Bord bis zur Designsprache der Karosserie.
Deutsche Hersteller spielen auf Angriff
Auch Mercedes hat für die nächsten 20 Monate rund 40 neue Modelle angekündigt. Nach der weitgehend gefloppten ersten Generation von E-Autos mit dem Stern auf der Haube will der Hersteller jetzt beweisen, dass er auch in der Elektromobilität mithalten kann.
Die deutschen Hersteller spielen wieder auf Angriff – und das ist gut so! Es gibt noch mehr Beispiele: Im neuen Batteriezellenwerk in Salzgitter fertigt VW die wichtigen Stromspeicher erstmals selbst. Die konzerneigene Software-Sparte Cariad wiederum will dieses Jahr gemeinsam mit Bosch entwickelte Digitaltechnik für das teilautomatisierte Fahren erschwinglich für den Massenmarkt machen.
Ein entscheidendes Jahr
Deshalb könnte das neue Jahr zu einem entscheidenden für die deutschen Autobauer werden: Halten die Batteriezellen aus Salzgitter dem Vergleich mit der Konkurrenz aus China stand? Verkaufen sich die mit Hightech vollgepackten neuen Hoffnungsträger-Autos von BMW und Mercedes so gut wie erhofft? Schaffen VW und Bosch wirklich den angekündigten Durchbruch auf dem Weg zum selbstfahrenden Auto?
Kostenkürzen und Stellenabbau reichen nicht, um die Zukunft der deutschen Autoindustrie zu sichern. Dafür braucht es vor allem technisch konkurrenzfähige und begehrenswerte Produkte – ohne neue Autos keine Wende zum Besseren. 2026 wird ein Gradmesser dafür sein, ob die Hersteller liefern können. Wenn das klappt, dann wird das neue Jahr den ersten Schritt aus der Autokrise bringen.