Aktienkorb 2026: Konservative Strategie setzt hinauf Dividenden und Wachstum

Bei der „konservativen Strategie“ wird jeweils zum Jahresanfang ein gleichgewichteter Aktienkorb aus Standardwerten aus dem Euro Stoxx 50 nach der Grundidee „Aktien sind die besseren (Staats-)Anleihen“ vorgestellt. Hierbei soll mit Blick auf die Kursentwicklung mittel- und langfristig sowohl eine „Kaufen und Halten“-Strategie bei Staatsanleihen (aus Deutschland) mit hoher Bonität als auch ein passives Investment in den Euro Stoxx 50 Net Return geschlagen werden. Bei der Auswahl des neuen Aktienbaskets für das Jahr 2026 findet aktuell in der Eurozone folgende Lage statt. Aufgrund der erwarteten moderaten Konjunkturbelebung in der Eurozone sollte es nicht überraschen, wenn bei lang laufenden Anleihen nur wenig Spielraum für Kurssteigerungen besteht.
Es wird deshalb in 2026 schwerfallen, mit Anleihen eine (Brutto-)Rendite im Bereich der zu erwartenden Euro-Inflationsrate (leicht über 2,0 Prozent) zu erzielen. Demgegenüber sollte sich in 2026 die seit Oktober 2022 vorliegende technische Hausse an den Euro-Aktienmärkten, diesmal eher unterstützt durch die Erwartung an höhere Unternehmenserträge, insgesamt fortsetzen. Als Konsequenz hat eine Aktien-Dividenden-Strategie eine gute Chance auf eine positive Rendite. Das bereits in den früheren Jahren angewandte Auswahlverfahren liefert diesmal den folgenden gleichgewichteten Aktienkorb aus Euro-Stoxx-50-Titeln (mit der Kombination aus attraktiven [Brutto-]Dividendenrenditen und einer ansprechenden technischen Gesamtlage): Allianz (Sicherungsstopp 315 Euro), BASF (36 Euro), DHL Group (33 Euro), Inditex (40 Euro), Sanofi (62 Euro) und Vinci (97 Euro).
Dividenden-Strategie
Die konservative Strategie für 2025 bestand aus einem gleichgewichteten Aktienkorb aus Ahold Delhaize, Allianz, AXA, BMW St, Enel und Vinci. Im Anlagezeitraum (Start: Schlusskurs am 6. Januar 2025) ist eine Gesamtperformance von plus 23,7 Prozent entstanden. Hier sind die um die jeweiligen länderspezifischen Steuersätze reduzierten Dividenden anteilig mit eingerechnet. Im entsprechenden Zeitraum war der Euro Stoxx 50 Net Return, bei dem ebenfalls die um die länderspezifischen Steuersätze reduzierten Dividendenzahlungen in der Index-Kursentwicklung berücksichtigt werden, um 18,1 Prozent gestiegen. Der „IBOXX Germany“ (steht für IBOXX Euro Germany Sovereign Overall Total Return Index), ein Anleiheperformance-Index, der repräsentativ für die Zinskurve von deutschen Staatsanleihen steht, hat in diesem Zeitraum eine Kursentwicklung von minus 0,70 Prozent erzielt. Die Ergebnisse der verschiedenen Strategien in 2025 müssen jeweils noch vor dem Hintergrund der Inflationsraten in der Euro-Zone und in Deutschland um 2,2 Prozent betrachtet werden. Summiert man die seit Anfang 2005 vorgestellten konservativen Strategien – mit dem jeweiligen zum Jahresanfang vorgenommenen Tausch – auf, so ergibt sich ein Gesamtanstieg von plus 213,7 Prozent.
Der Euro-Stoxx-50-Net-Return-Index als Repräsentant für eine „Kaufen und Halten“-Strategie hat seit dem Jahresstart 2005 einen Anstieg von plus 161,6 Prozent geliefert. Eine Anlage im IBOXX Germany (früher im REXP-Index) hat seit Anfang 2005 plus 60,3 Prozent aufzuweisen. Damit hat die Technische-Analyse-Dividenden-Strategie im Jahr 2025 ihren Performance-Vorsprung gegenüber der „Kaufen und Halten“-Strategie bei den (Staats-)Anleihen des AAA-Schuldners Bundesrepublik Deutschland sehr deutlich ausgebaut. Wenn bei den Anleihen als Bezugsgröße zum Beispiel Staatsanleihen aus der Euro-Zone oder eine Mischung aus Euro-Staats- und -Unternehmenanleihen (mit Investment Grade) genommen wird, so hätte sich je nach Gewichtung das (Brutto-)Ergebnis beim Anleiheinvestment zwar verbessert, jedoch auch dann wäre ein deutlicher Vorsprung der konservativen Strategie im Jahr 2025 verblieben.
Das Selektionsverfahren
Für die neue Titelauswahl des Aktienkorbs 2026 bleibt das Selektionsverfahren unverändert. Erstens soll die Aktie im Euro Stoxx 50 enthalten sein und nicht direkt auf einem automatischen Index-Entnahmerang mit Blick auf die reguläre, jährliche Indexanpassung im September 2026 stehen. Zweitens sollte die erwartete Brutto-Dividendenrendite über 3,0 Prozent liegen. Drittens sollten die Titel ein attraktives technisches Gesamtbild und damit die Chance auf eine Eigendynamik (nach oben) bei der Kursentwicklung aufweisen. Viertens sollte eine Diversifikation vorliegen (Titel aus mehreren Sektoren und Ländern). Fünftens wird ein Risikomanagement vorgenommen. Jeder Titel erhält einen konservativen, strategischen Sicherungsstopp, der im Laufe des Jahres jeweils um den Betrag der gezahlten Bruttodividenden beziehungsweise um die Auswirkungen von Kapitalmaßnahmen verringert wird.
Fällt die Aktie unter diesen Sicherungsstopp, wird die Position automatisch geschlossen. Durch dieses Risikomanagement soll das Investment dieses Aktienkorbes gegen eine ausgeprägte Baisse geschützt werden. Sechstens werden in dem Fall, dass zwei oder mehr Aktien aus dem aktuellen Aktienkorb unter ihre Sicherungsstopps fallen, die Barmittel zum nächsten Quartalsanfang wieder in neue Euro-Stoxx-50-Titel (analoges Auswahlverfahren) investiert. Hierdurch soll der Bezug des Aktienbaskets zum Index sichergestellt werden.
Allianz: Bilderbuch-Hausse
Die Allianz gehört an den europäischen Aktienmärkten aus technischer Sicht zu den langfristig defensiven Wachstumsaktien, die zusätzlich die Kombination aus einer attraktiven technischen Gesamtlage und einer ansprechenden (Brutto-)Dividendenrendite bietet. Aus technischer Sicht bewegt sich der Wert seit dem Jahreswechsel 2008/2009 (Finanzkrise) und Notierungen um 48 Euro in einer Hausse, die ihrerseits wieder aus dem Wechselspiel von normalen Hausse-Trends, mittelfristigen Korrekturen sowie (Zwischen-)Baissen besteht. Nach der Corona-Baisse, die die Aktie bis auf 117,1 Euro und damit in den Bereich der langfristigen Unterstützungszone um 118 Euro gedrückt hatte, folgte ein Hausse-Trend. Dieser endete unterhalb der Widerstandszone um 232,6 Euro (Vor-Corona-Niveau). Im Anschluss folgte eine Seitwärtspendelbewegung mit einem trendbestätigenden Charakter (nach oben).
Zum Jahreswechsel 2023/2024 ist die Allianz mit einem Investment-Kaufsignal (Sprung über 232,6 Euro) losgelaufen und hat parallel zur steigenden 200-Tage-Linie (zurzeit bei 355 Euro) eine neue Hausse mit der Hausse-Trendlinie bei aktuell 340 Euro herausgebildet. Zuletzt bewegte sich der Titel unterhalb der kleinen Widerstandszone um 380,3 Euro in einer trendbestätigenden Konsolidierung (Aufwärtsdreieck). Aktuell arbeitet der Titel an einem neuen Kaufsignal (nachhaltiger Sprung über 380,3 Euro) und damit an einer Fortsetzung der Hausse und einem Überwinden der alten Allzeithochs bei 395,0 Euro (aus dem Jahr 2000). Dies deutet als nächstes mittelfristiges Etappenziel den Bereich um 430 Euro an. Die Allianz sollte bei einer Dividendenerhöhung auf erwartete 16,50 Euro (nach 15,40 Euro im Jahr 2025; nächste HV am 7. Mai 2026) eine erwartete Brutto-Dividendenrendite von 4,2 Prozent bieten. Aufgrund dieser Gesamtkombination sollte der Titel in dem Aktienkorb für die konservative Strategie 2026 mit einem strategischen Sicherungsstopp bei 315 Euro nicht fehlen.
Achim Matzke ist Geschäftsführer von Matzke Research.
Source: faz.net