US-Geheimdienst widerspricht Moskau – Ukraine hat laut CIA Putin-Residenz nicht angegriffen
Selenskyj sieht die Ukraine nur noch zehn Prozent von einem Friedensabkommen entfernt. Der US-Präsident teilt einen russlandkritischen Zeitungsartikel. Auch der US-Geheimdienst CIA kommt laut Berichten zu dem Ergebnis, dass Kiew Putins Residenz nicht angegriffen hat. Mehr im Liveticker.
Russland wirft der Ukraine vor, eine Residenz Putins angegriffen zu haben. Diese Vorwürfe weist Kiew zurück – und spricht von einer Lüge. US-Präsident Trump sagt, er sei von Putin informiert worden. Der Kreml teilt mit, seine Position bei den Verhandlungen über einen Frieden in der Ukraine zu überdenken.
Alle Ereignisse rund um den Krieg in der Ukraine und die Sicherheitspolitik in Europa im Liveticker:
09:47 Uhr – Berichte: Laut CIA kein Angriff Kiews auf Putins Residenz
Der US-Geheimdienst CIA hat Medienberichten zufolge die Erkenntnis erlangt, dass die Ukraine weder den russischen Präsidenten Putin ins Visier genommen noch eine seiner Residenzen angegriffen hat. Das berichteten das „Wall Street Journal“ sowie die Sender PBS und CNN unter Berufung auf namentlich nicht genannte Vertreter der US-Regierung. Damit widerspricht der US-Auslandsgeheimdienst schweren Vorwürfen aus Moskau vom Montag.
Kiew hat vehement bestritten, eine Residenz Putins angegriffen zu haben. Die Ukraine sah in Moskaus Behauptung einen russischen Vorwand, den Krieg trotz laufender Verhandlungen um eine Friedenslösung weiter fortzusetzen und erneut auch Regierungsgebäude in Kiew angreifen zu wollen.
Russland präsentierte am Mittwoch erstmals mögliche Beweise für den Angriff, darunter Reste einer mutmaßlich ukrainischen Drohne. Der ukrainische Auslandsgeheimdienst sprach von gefälschten Karten und Attrappen. Viele Experten bezweifeln ebenfalls, dass der von Russland geschilderte Angriff so stattgefunden hat.
09:36 Uhr – Ukrainische Drohnen attackieren russische Ölanlagen
Die Ukraine hat in ihrem Abwehrkampf auch in der Neujahrsnacht russische Ölanlagen mit Drohnen angegriffen. Im Gebiet Kaluga südwestlich von Moskau wurde nach Informationen russischer Telegramkanäle ein Tanklager getroffen. Eine offizielle Bestätigung gab es nicht. Auch die Raffinerie von Ilski in Südrussland wurde Berichten zufolge zum wiederholten Mal attackiert.
Das russische Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, es seien über Nacht 168 ukrainische Kampfdrohnen abgeschossen worden. Solche Militärzahlen sind nicht überprüfbar. Die genannte hohe Zahl lässt aber auf einen intensiven Angriff schließen, was sich mit Angaben ukrainischer Militärbeobachter deckt.
Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin berichtete nach Mitternacht immer wieder von Drohnen, die im Anflug auf die russische Hauptstadt abgefangen worden seien. Zu Schäden wurde nichts mitgeteilt.
08:40 – Gouverneur: Angeblich mindestens 24 Tote nach ukrainischem Angriff
Bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf ein Hotel und ein Café in der Region Cherson sind nach Angaben des von Russland eingesetzten Gouverneurs Wladimir Saldo mindestens 24 Menschen getötet worden. Mehr als 50 weitere Menschen seien verletzt worden, teilt Saldo auf Telegram mit. Der Angriff habe sich in dem Küstenort Chorly ereignet. Zum Zeitpunkt des Angriffs hätten in dem Hotel und dem Cafe Neujahrsfeierlichkeiten stattgefunden. Für den Angriff liegen bislang keine Foto- oder Videobelege vor.
04:26 Uhr – Angeblicher Angriff auf Putin-Residenz ist „Lug und Trug“, sagt Strack-Zimmermann
Die FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann warnt davor, den russischen Angaben über einen ukrainischen Drohnenangriff auf eine Residenz von Präsident Wladimir Putin zu glauben. „99,9 Prozent der Nachrichten, die aus dem Kreml kommen, sind Lug und Trug“, sagte die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im EU-Parlament der Funke Mediengruppe. Putins „menschenverachtende Geschichte“ über den angeblichen Drohnenangriff gehöre „in die Tonne“, fügte sie hinzu.
00:22 Uhr – Putin als Hürde: Trump teilt russlandkritischen Artikel
Donald Trump hat überraschend einen sehr russlandkritischen Artikel auf seiner Plattform Truth Social geteilt. Das Boulevardblatt „New York Post“ stellt in dem Stück Wladimir Putin als eigentliche Hürde auf dem Weg zum Frieden dar und geht hart mit ihm ins Gericht. Trump verbreitet regelmäßig Artikel von Medien, die ihm nahestehen. In manchen Fällen kommentiert der Präsident die Texte – diesmal allerdings nicht.
Unter anderem heißt es in dem Beitrag, der Angriff auf Putin sei „mehr als gerechtfertigt“. „Wir brauchen seine Krokodilstränen nicht, stattdessen sollte der Druck erhöht werden“. Es wird dafür plädiert, dass Russland keine weiteren Zugeständnisse gemacht werden sollten, sondern ein härteres Vorgehen nötig sei. Kiew habe seinen Teil beigetragen – nun liege es an Putin, zu handeln.
Mittwoch, 31. Dezember 2025
23:27 Uhr – „Das Friedensabkommen ist zu 90 Prozent fertig“, sagt Selenskyj in seiner Neujahrsansprache
„Das Friedensabkommen ist zu 90 Prozent fertig. Zehn Prozent bleiben“, sagte Wolodymyr Selenskyj in seiner Neujahrsansprache. Diese restliche Verhandlungsmasse seien „die zehn Prozent, die das Schicksal des Friedens, das Schicksal der Ukraine und Europas bestimmen werden“, fügte er hinzu. Die diplomatischen Bemühungen für ein Ende des russischen Angriffskriegs in der Ukraine hatten sich zuletzt wieder intensiviert.
19:51 Uhr – Trumps Sondergesandter Witkoff telefoniert mit Merz‘ Berater Sautter
Der US-Sondergesandte Steve Witkoff hat nach eigenen Angaben mit dem außenpolitischen Berater von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Günter Sautter, sowie den entsprechenden Beratern der Staats- und Regierungschefs aus Frankreich, Großbritannien und der Ukraine telefoniert. An dem Gespräch nahmen auch US-Außenminister Marco Rubio und Jared Kushner, Schwiegersohn und Berater von Donald Trump, teil.
Dabei sei es unter anderem um eine Stärkung von Sicherheitsgarantien und die Entwicklung „effektiver Deeskalationsmechanismen“ gegangen, schrieb Witkoff auf X. Das Telefonat bezeichnete er als „produktiv“. Viele weitere Details wurden besprochen, und wir werden diese wichtige Arbeit und die Koordination im neuen Jahr fortsetzen“, schrieb Witkoff.
18:55 Uhr – Finnland beschlagnahmt Frachtschiff aus St. Petersburg
Finnlands Polizei hat ein Frachtschiff beschlagnahmt, das im Verdacht steht, für die Beschädigung eines Unterseekabels im Finnischen Meerbusen verantwortlich zu sein. Nach Angaben der finnischen Küstenwache handelt es sich um den Frachter „Fitburg“. Das 132 Meter lange Schiff fährt unter der Flagge des Karibikstaats Sankt Vincent und den Grenadinen und war demnach auf dem Weg vom russischen St. Petersburg nach Haifa in Israel. Das Kabel zwischen Helsinki und Tallinn war am frühen Morgen beschädigt worden.
17:20 Uhr – Selenskyj teilt Glauben an Frieden
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in seiner Neujahrsbotschaft den Glauben an den Frieden hervorgehoben. Das auslaufende Jahr sei geprägt gewesen „von der Treue und Standhaftigkeit, den Prinzipien und der täglichen Arbeit der Ukrainer“, teilte er auf Facebook und X mit. „Dieses Jahr wurde möglich dank unserer Verteidiger – denen, die es nicht nur für die Ukraine, sondern für alle verteidigt haben, die Freiheit und Würde schätzen.“
16:01 Uhr – Ukraine greift russisches Treibstofflager an
Ukrainische Drohnen haben nach offizieller Darstellung aus Kiew ein Treibstofflager in der Region Jaroslawl nordöstlich von Moskau getroffen und in Brand gesetzt. Das teilte der ukrainische Geheimdienst SBU der Agentur Ukrinform mit. Das Terminal „Temp“ in der Stadt Rybinsk gehöre zu den strategischen Reserven Russlands. „Der SBU unterbricht mit chirurgischer Präzision weiterhin die Lieferketten russischer Erdölprodukte sowohl ins Ausland als auch an die Truppen, die die Ukraine angreifen“, wurde ein namentlich nicht genannter Geheimdienstmitarbeiter zitiert.
Die Agentur veröffentlichte dazu ein Video, auf dem ein Großbrand hinter verschneiten Häusern zu sehen ist. Die genaue Örtlichkeit dazu war nicht zu erkennen. Von russischer Seite gab es zu dem ukrainischen Bericht keine Angaben. Jaroslawl liegt etwa 280 Kilometer nordöstlich von Moskau und ist mehr als 800 Kilometer von der Ukraine entfernt.
15:02 Uhr – Putin in Neujahrsbotschaft: Glauben an den Sieg
Wladimir Putin hat sich in seiner Neujahrsbotschaft auch nach fast vier Jahren seines Angriffskrieges gegen die Ukraine siegessicher gezeigt. „Ich gratuliere unseren Kämpfern und Kommandeuren zum beginnenden Neuen Jahr! Wir glauben an sie und an unseren Sieg“, sagte Putin laut dem von Staatsmedien veröffentlichten Text der aufgezeichneten Videoansprache.
Die Soldaten, denen die Ukraine Kriegsverbrechen vorwirft, bezeichnete Putin erneut als „Helden“. „Millionen Menschen in ganz Russland – das versichere ich ihnen! – sind in dieser Silvesternacht bei ihnen. Sie denken an sie, fühlen mit ihnen, hoffen auf sie. Wir sind vereint in unserer aufrichtigen, selbstlosen und treuen Liebe zu Russland“, sagte Putin. Von den Verhandlungen mit den USA über eine Beendigung des Krieges oder der Hoffnung auch vieler Russen auf Frieden war aber keine Rede in der Botschaft. Das Land werde seine gesetzten Ziele erreichen, „für unser großes Russland!“, sagte Putin.
11:37 Uhr – Russlands mutmaßliches Beweisvideo
Russland hat nach dem angeblichen Angriff Kiews auf eine Residenz Wladimir Putins erstmals mögliche Beweise präsentiert, darunter Reste einer mutmaßlich ukrainischen Drohne. „Der Terroranschlag des Kiewer Regimes war zielgerichtet, sorgfältig geplant und erfolgte in mehreren Stufen“, sagte der Chef der Luftabwehrraketentruppen der russischen Luft- und Raumfahrtstreitkräfte, Alexander Romanenkow, in Moskau.
In einem vom Verteidigungsministerium veröffentlichten Video listete der Generalmajor unter anderem Orte, genaue Uhrzeiten und Flugrouten einzelner Drohnen in der Nacht auf den 29. Dezember auf. Das Ministerium veröffentlichte zudem ein Video, auf dem ein Uniformierter in einem Wald und Fragmente einer angeblich ukrainischen Drohne zu sehen sind.
Es gebe einen großen, sechs Kilogramm schweren Sprengsatz an der Drohne „Tschaklun-B“. „Es ist ein seltener Fall, dass wir einen nicht detonierten Kampfsatz haben“, sagt der Mann mit dem verdeckten Gesicht in dem Video. Auf einem anderen, ebenfalls nicht überprüfbaren Video erzählt ein Mann – angeblich ein Augenzeuge – von Explosionsgeräuschen beim Abschuss der Drohnen.
10:14 Uhr – Kinder und Baby bei Angriff verletzt
Bei einem russischen Drohnenangriff auf die ukrainische Hafenstadt Odessa sind nach Behördenangaben mindestens sechs Menschen verletzt worden, darunter ein Baby und zwei Kinder. Wohngebäude sowie „logistische und Energie-Infrastruktur“ seien beschossen worden, erklärte die Militärverwaltung der Region auf Telegram. Unter den Opfern waren laut Militärverwaltungschef Serhij Lysak ein sieben Monate alter Säugling und zwei Kinder im Alter von acht und 14 Jahren. In Teilen der Stadt fiel die Versorgung mit Fernwärme und Trinkwasser aus.
07:20 Uhr: Europäer könnten 10.000 bis 15.000 Soldaten für Ukraine -Sicherung stellen
Mehrere europäische Staaten haben laut einem WELT-Bericht Pläne für die Absicherung eines möglichen Waffenstillstands in der Ukraine ausgearbeitet. In den ersten sechs Monaten könnten „10.000 bis 15.000“ Soldaten aus europäischen Staaten entsandt werden. Die Pläne seien „im Wesentlichen von Militärexperten der britischen und französischen Streitkräfte in Zusammenarbeit mit Brüssel“ erstellt worden, hieß es weiter aus Diplomatenkreisen in Brüssel.
Dem Bericht zufolge sind Frankreich und Großbritannien offenbar bereit, sogenannte robuste Sicherheitsgarantien abzugeben. Damit wären sie den Angaben zufolge im Notfall auch befähigt, mit Bodentruppen für die Einhaltung des Friedens zu kämpfen. Die beiden Staaten seien bereit, sich auch ohne ein Mandat der Vereinten Nationen oder der Europäischen Union an der Überwachung eines Waffenstillstands zu beteiligen.
03:07 Uhr – Ukraine greift Ölraffinerie an
Die Ukraine greift Medienberichten zufolge Öl-Anlagen in Russland an. In der südrussischen Region Krasnodar sei in der Ölraffinerie im Hafen Tuapse am Schwarzen Meer ein Brand ausgebrochen, berichtete das Portal „Kyiv Independent“. Über das Ausmaß der Schäden gibt es keine Informationen.
02:00 Uhr – EU plant 20. Sanktionspaket – Bodentruppen im Gespräch
Die EU-Staaten planen zum 4. Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine am 24. Februar 2026 die Verabschiedung eines 20. Sanktionspakets gegen Russland. Das erfuhr WELT aus informierten EU-Kreisen. Geplant sind Reisebeschränkungen und das Einfrieren von Vermögenswerten in der EU von weiteren Einzelpersonen und Organisationen, wobei insbesondere Personen, die für die Verschleppung und ideologische Umerziehung von Kindern verantwortlich sind, in den Blick genommen werden sollen.
Auch weitere Sanktionen im Energiebereich und Bankensektor sind nach Angaben von Diplomaten vorgesehen. Außerdem sollen Schlupflöcher zur Umgehung der bisherigen Sanktionen geschlossen werden. Überlegt wird in Brüssel auch, den Import von russischem Uran zu verbieten und damit die Föderale Agentur für Atomenergie Russlands (Rosatom) zu sanktionieren. Dagegen gibt es nach Angaben der Diplomaten bisher aber Widerstand aus Ländern wie Frankreich und Belgien.
Wie WELT aus Brüsseler Diplomatenkreisen weiter erfuhr, sind mehrere europäische Staaten bereit, sich im Rahmen einer Koalition der Willigen zur Überwachung eines möglichen Waffenstillstands zwischen Russland und der Ukraine zu beteiligen. Im Rahmen sogenannter robuster Sicherheitsgarantien sind auch Bodentruppen im Gespräch, zu denen Frankreich und Großbritannien bereit sind.
dpa/AP/AFP/Reuters/lay/ll/sebe/saha/rct
Source: welt.de