Top Ten im Kunstmarkt: Die zehn teuersten Kunstwerke in deutschen Auktionen 2025

Zum Abschluss des Jahres gibt es in deutschen Auktionshäusern Grund zu feiern: Sie stehen solide da, auch in stürmischen Zeiten. Obwohl Sensationszuschläge im mehrstelligen Mil­lionen­bereich ausblieben, zeigen sich durchaus positive Tendenzen. Einlieferer und Käufer scheinen der Devise zu folgen: Wer das Beste aus der Gegenwart macht, hofft nicht auf eine bessere Zukunft, sondern setzt Geld und Kunst, soweit vorhanden, ein – allerdings gezielt und mit kühlem Verstand.

Jan Davidszoon de Heem, "Stillleben mit Blumen und Früchten auf einer Steinkonsole", nach 1674, Öl auf Leinwand, 87,3 mal 67,2 Zentimeter: Taxe eine Million bis 1,5 Millionen Euro; Zuschlag 2,6 Millionen Euro (Taxe eine Million/ 1,5 Millionen) am 17. Mai 2025 bei Lempertz in Köln
Jan Davidszoon de Heem, „Stillleben mit Blumen und Früchten auf einer Steinkonsole“, nach 1674, Öl auf Leinwand, 87,3 mal 67,2 Zentimeter: Taxe eine Million bis 1,5 Millionen Euro; Zuschlag 2,6 Millionen Euro (Taxe eine Million/ 1,5 Millionen) am 17. Mai 2025 bei Lempertz in KölnLempertz

Der Herbst bescherte dem abermaligen Branchenprimus Ketterer in München das nach eigenen Angaben beste Saisonergebnis des Hauses. Aufs Jahr gerechnet, summiert sich sein Auktionsumsatz auf 81,9 Millionen Euro. Das sind sieben Millionen weniger als 2024, doch bleibt das Ergebnis das beste eines deutschen Auktionsunternehmens 2025.

Entsprechend oft ist Ketterer in den Top Ten der höchsten Zuschläge des Jahres vertreten, mit Stars der Moderne und Gegenwart, die für ganz unterschiedliche Stilrichtungen stehen. Das Spitzenlos kommt aus der Pop-Art und vereint gleich zwei Berühmtheiten: Andy Warhols bei 3,6 Millionen Euro zugeschlagenes Set von zehn „Marilyn Monroe“-Serigraphien.

Dritter Platz: Wassily Kandinsky, „Behauptend“, 1926, Öl auf Leinwand, 45,5 mal 53,3 Zentimeter; Zuschlag 2,5 Millionen Euro (Taxe eine Million/1,5 Millionen) am 5. Dezember bei Ketterer in München
Dritter Platz: Wassily Kandinsky, „Behauptend“, 1926, Öl auf Leinwand, 45,5 mal 53,3 Zentimeter; Zuschlag 2,5 Millionen Euro (Taxe eine Million/1,5 Millionen) am 5. Dezember bei Ketterer in MünchenKetterer Kunst

Platz drei besetzt Wassily Kandinsky mit einem abstrakten Gemälde der Bauhauszeit, gefolgt von einem expressionistischen Doppelbild Max Pechsteins. Ein 1989 gerakeltes Werk Gerhard Richters schafft es dank Ketterer auf Rang sechs, eine Gouache Pablo Picassos aus den Dreißigern auf den siebten Platz, und die kurz nach der Jahrtausendwende entstandene Bronzefigur einer Liegenden von Thomas Schütte – dem Junior der Auswahl – ist Nummer acht.

Rang vier: Max Pechstein, „Inder und Frauenakt / Früchte (verso)“, 1910, Öl auf Leinwand, 71,5 mal 82,5 Zentimeter; Zuschlag 2,1 Millionen Euro (Taxe zwei/drei Millionen) am 5. Dezember bei Ketterer in München
Rang vier: Max Pechstein, „Inder und Frauenakt / Früchte (verso)“, 1910, Öl auf Leinwand, 71,5 mal 82,5 Zentimeter; Zuschlag 2,1 Millionen Euro (Taxe zwei/drei Millionen) am 5. Dezember bei Ketterer in MünchenKetterer Kunst

Hohe Qualität von bester Provenienz, die international gefragt ist: Damit konnte auch Grisebach Erfolge feiern und einen Jahresumsatz von 47 Millionen Euro erwirtschaften – gut fünf Millionen mehr als im Vorjahr. Ein Weltrekord für ein Selbstbildnis Paula Modersohn-Beckers, das weit über Taxe bei einer Million zugeschlagen wurde, zeigt, welche Steigerungen gerade für Künstlerinnen möglich sind.

Lyonel Feininger, „Vollersroda III“, 1916, Öl auf Leinwand, 80 mal 100 Zentimeter: Zuschlag 1,5 Millionen Euro (Taxe eine Million/1,5 Millionen) am 5. Juni 2025 bei Grisebach in Berlin
Lyonel Feininger, „Vollersroda III“, 1916, Öl auf Leinwand, 80 mal 100 Zentimeter: Zuschlag 1,5 Millionen Euro (Taxe eine Million/1,5 Millionen) am 5. Juni 2025 bei Grisebach in BerlinGrisebach / VG Bild-Kunst, Bonn 2025

Auf die Liste der zehn teuersten Lose schafft es dennoch kein Werk einer Frau, sondern von Männern gestaltete Weiblichkeit.

Gerhard Richter, „Abstraktes Bild“, 1989, Öl auf Leinwand, 72 mal 62 Zentimeter: Taxe 1,5 bis 2,5 Millionen Euro; Zuschlag 1,45 Millionen Euro (Taxe 1,5/2,5 Millionen) am 6. Juni 2025 bei Ketterer in München
Gerhard Richter, „Abstraktes Bild“, 1989, Öl auf Leinwand, 72 mal 62 Zentimeter: Taxe 1,5 bis 2,5 Millionen Euro; Zuschlag 1,45 Millionen Euro (Taxe 1,5/2,5 Millionen) am 6. Juni 2025 bei Ketterer in MünchenKetterer Kunst / VG Bild-Kunst, Bonn 2025

Georg Kolbes „Stehende Frau“ aus Bronze erzielte den Rekordpreis von 1,12 Millionen Euro; die zwei anderen Fassungen befinden sich in Museen. Ein museales Werk – es gehörte einst der Berliner Nationalgalerie, wurde später als „entartet“ beschlagnahmt und veräußert – ist auch Lyonel Feiningers kristallines Bild „Vollersroda III“, das für 1,5 Millionen Euro von Grisebach ins Ausland vermittelt wurde.

Platz sieben: Pablo Picasso, „Le sculpteur et son modèle“, 1933, Gouache, Aquarell undTusche auf Papier, 40,1 mal 50,5 Zenti­­meter; Zuschlag 1,35 Millionen Euro (Taxe 800.000/1,2 Millionen) am 6. Juni bei Ketterer in München
Platz sieben: Pablo Picasso, „Le sculpteur et son modèle“, 1933, Gouache, Aquarell undTusche auf Papier, 40,1 mal 50,5 Zenti­­meter; Zuschlag 1,35 Millionen Euro (Taxe 800.000/1,2 Millionen) am 6. Juni bei Ketterer in MünchenKetterer Kunst / Succession Picasso 2025

Bieter aus Übersee belebten neben europäischen und heimischen auch bei Karl & Faber in München das Geschäft, wo man sich über einen Jahresumsatz von 24 Millionen Euro und das teuerste je verkaufte Los freut: einen Kandinskys für 980.000 Euro netto. Die eigene Stärke im Bereich der Asiatika spielte Nagel in Stuttgart wieder aus, konnte aber auch mit moderner Kunst punkten und setzte 2025 20,4 Millionen Euro um.

Auf dem achten Rang: Thomas Schütte, „Bronzefrau Nr. 12“, 2003, Bronze auf einem Stahltisch (Unikat), 130 mal 125 mal 251 Zentimeter; Zuschlag 1,2 Millionen Euro (Taxe eine Million) am 5. Dezember bei Ketterer in München
Auf dem achten Rang: Thomas Schütte, „Bronzefrau Nr. 12“, 2003, Bronze auf einem Stahltisch (Unikat), 130 mal 125 mal 251 Zentimeter; Zuschlag 1,2 Millionen Euro (Taxe eine Million) am 5. Dezember bei Ketterer in MünchenKetterer Kunst / VG Bild-Kunst, Bonn 2025 Kunst

Zwei Einträge in die Bestenliste stammen von Lempertz: Das zweitteuerste Bild des deutschen Auktionsmarkts, ein barockes Blumenstillleben Jan Davidszoon de Heems für 2,6 Millionen Euro, stellt die Kompetenz des Kölner Auktionshauses im Bereich Alter Meister aus; ein Relief Oskar Schlemmers für 1,1 Millionen war Teil der erfolgreichen Nachlassversteigerung des Künstlers.

Georg Kolbe, „Stehende Frau“, 1915/16, Bronze, Höhe 180 Zentimeter (eines von drei Exemplaren): Zuschlag 1,12 Millionen Euro (Taxe 250.000/350.000) am 17. November 2025 bei Grisebach in Berlin
Georg Kolbe, „Stehende Frau“, 1915/16, Bronze, Höhe 180 Zentimeter (eines von drei Exemplaren): Zuschlag 1,12 Millionen Euro (Taxe 250.000/350.000) am 17. November 2025 bei Grisebach in BerlinGrisebach

Die Korken knallen dürften bei dem Kölner Konkurrenten Van Ham, für den ein Rekordjahr zu Ende geht, obwohl es in der Bestenliste nicht vertreten ist. Das Unternehmen weist einen Gesamtumsatz von 56 Millionen Euro aus, ein Plus von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Etablierung als erste Adresse für Firmen- und Großsammlungen sowie für Schmuck und Uhren macht sich bezahlt – und habe Neukunden aus 68 Ländern angelockt.

Oskar Schlemmer, „Komposition auf Rosa (Rekonstruktion)", 1916/1930, Mischtechnik und Relief auf Leinwand und Holzplatte, 128,5 mal 95,2 Zentimeter, Taxe 1,2 bis 1,5 Millionen Euro
Oskar Schlemmer, „Komposition auf Rosa (Rekonstruktion)“, 1916/1930, Mischtechnik und Relief auf Leinwand und Holzplatte, 128,5 mal 95,2 Zentimeter, Taxe 1,2 bis 1,5 Millionen EuroLempertz / VG Bildkunst, Bonn 2025

Die globalisierte Kunstschaft sucht in hiesigen Auktionshäusern klassische Moderne aus Deutschland, schätzt aber ebenfalls andere Akzente – auch das zeigen die Top Ten.

Source: faz.net