Top Ten im Kunstmarkt: Die zehn teuersten Kunstwerke in deutschen Auktionen 2025
Zum Abschluss des Jahres gibt es in deutschen Auktionshäusern Grund zu feiern: Sie stehen solide da, auch in stürmischen Zeiten. Obwohl Sensationszuschläge im mehrstelligen Millionenbereich ausblieben, zeigen sich durchaus positive Tendenzen. Einlieferer und Käufer scheinen der Devise zu folgen: Wer das Beste aus der Gegenwart macht, hofft nicht auf eine bessere Zukunft, sondern setzt Geld und Kunst, soweit vorhanden, ein – allerdings gezielt und mit kühlem Verstand.

Der Herbst bescherte dem abermaligen Branchenprimus Ketterer in München das nach eigenen Angaben beste Saisonergebnis des Hauses. Aufs Jahr gerechnet, summiert sich sein Auktionsumsatz auf 81,9 Millionen Euro. Das sind sieben Millionen weniger als 2024, doch bleibt das Ergebnis das beste eines deutschen Auktionsunternehmens 2025.
Entsprechend oft ist Ketterer in den Top Ten der höchsten Zuschläge des Jahres vertreten, mit Stars der Moderne und Gegenwart, die für ganz unterschiedliche Stilrichtungen stehen. Das Spitzenlos kommt aus der Pop-Art und vereint gleich zwei Berühmtheiten: Andy Warhols bei 3,6 Millionen Euro zugeschlagenes Set von zehn „Marilyn Monroe“-Serigraphien.

Platz drei besetzt Wassily Kandinsky mit einem abstrakten Gemälde der Bauhauszeit, gefolgt von einem expressionistischen Doppelbild Max Pechsteins. Ein 1989 gerakeltes Werk Gerhard Richters schafft es dank Ketterer auf Rang sechs, eine Gouache Pablo Picassos aus den Dreißigern auf den siebten Platz, und die kurz nach der Jahrtausendwende entstandene Bronzefigur einer Liegenden von Thomas Schütte – dem Junior der Auswahl – ist Nummer acht.

Hohe Qualität von bester Provenienz, die international gefragt ist: Damit konnte auch Grisebach Erfolge feiern und einen Jahresumsatz von 47 Millionen Euro erwirtschaften – gut fünf Millionen mehr als im Vorjahr. Ein Weltrekord für ein Selbstbildnis Paula Modersohn-Beckers, das weit über Taxe bei einer Million zugeschlagen wurde, zeigt, welche Steigerungen gerade für Künstlerinnen möglich sind.

Auf die Liste der zehn teuersten Lose schafft es dennoch kein Werk einer Frau, sondern von Männern gestaltete Weiblichkeit.

Georg Kolbes „Stehende Frau“ aus Bronze erzielte den Rekordpreis von 1,12 Millionen Euro; die zwei anderen Fassungen befinden sich in Museen. Ein museales Werk – es gehörte einst der Berliner Nationalgalerie, wurde später als „entartet“ beschlagnahmt und veräußert – ist auch Lyonel Feiningers kristallines Bild „Vollersroda III“, das für 1,5 Millionen Euro von Grisebach ins Ausland vermittelt wurde.

Bieter aus Übersee belebten neben europäischen und heimischen auch bei Karl & Faber in München das Geschäft, wo man sich über einen Jahresumsatz von 24 Millionen Euro und das teuerste je verkaufte Los freut: einen Kandinskys für 980.000 Euro netto. Die eigene Stärke im Bereich der Asiatika spielte Nagel in Stuttgart wieder aus, konnte aber auch mit moderner Kunst punkten und setzte 2025 20,4 Millionen Euro um.

Zwei Einträge in die Bestenliste stammen von Lempertz: Das zweitteuerste Bild des deutschen Auktionsmarkts, ein barockes Blumenstillleben Jan Davidszoon de Heems für 2,6 Millionen Euro, stellt die Kompetenz des Kölner Auktionshauses im Bereich Alter Meister aus; ein Relief Oskar Schlemmers für 1,1 Millionen war Teil der erfolgreichen Nachlassversteigerung des Künstlers.

Die Korken knallen dürften bei dem Kölner Konkurrenten Van Ham, für den ein Rekordjahr zu Ende geht, obwohl es in der Bestenliste nicht vertreten ist. Das Unternehmen weist einen Gesamtumsatz von 56 Millionen Euro aus, ein Plus von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Etablierung als erste Adresse für Firmen- und Großsammlungen sowie für Schmuck und Uhren macht sich bezahlt – und habe Neukunden aus 68 Ländern angelockt.

Die globalisierte Kunstschaft sucht in hiesigen Auktionshäusern klassische Moderne aus Deutschland, schätzt aber ebenfalls andere Akzente – auch das zeigen die Top Ten.
Source: faz.net