Agentic Commerce : KI-Agenten: „Wer jetzt nicht auf den Zug aufspringt, kommt unter die Räder“

Die nächste Revolution?
Ein Unternehmen, das seine Vorbereitungen abgeschlossen hat, ist der vor allem als Herausgeber von Kreditkarten bekannte US-Konzern Visa. „In den USA haben wir bereits hunderte Transaktionen durchgeführt. In Deutschland und Europa wird das im Laufe des nächsten Jahres kommen“, sagt Deutschlandchef Tobias Czekalla.
Künstliche Intelligenz im Mode-Shopping
Witt plant Sprachagenten in der Kundenbetreuung
Die Modeversender-Gruppe Witt startet am 19. Januar einen Voice Bot in Deutschland. Dabei handelt es sich um einen Sprachagenten, der eine natürliche, menschenähnliche Sprachkonversation mit den Kundinnen und Kunden ermöglichen soll. Über diese Fähigkeiten verfügt der virtuelle Kundenberater.
Er vergleicht die Neuerung mit dem Start des E-Commerce in den 1990er Jahren. „Jetzt stehen wir an der Schwelle der nächsten Revolution“, meint der Manager. „Das ist das erste Mal in der Geschichte, dass Maschinen für Menschen einkaufen.“ Der Mensch hat allerdings immer das letzte Wort: „Ist beispielsweise ein Zugticket oder ein Hotel plötzlich teurer geworden, werden die Kunden noch einmal darauf aufmerksam gemacht.“
Kunden sind skeptisch
In Umfragen sind viele Verbraucherinnen und Verbraucher jedoch bislang mehr als nur skeptisch. So sagten in einer Umfrage des Handelsforschungsinstituts IFH zwar 60 Prozent der Befragten, dass sie sich beim Einkaufen Unterstützung durch einen KI-Shoppingagenten vorstellen könnten.
Agentic Commerce
Alibaba stellt KI-Agenten für Handelspartner vor
Der chinesische E-Commerce-Konzern Alibaba hat auf seiner Londoner B2B-Messe „Co Create Europe“ einen neuen KI-Agenten vorgestellt. Dieser heißt KI Mode und soll den Handelspartnern ermöglichen, sogenannte agentische Funktionen direkt in den Einkaufsprozess zu integrieren. So funktioniert das neue Tool.
Nur neun Prozent würden der KI jedoch die komplette Kaufabwicklung inklusive Bezahlung überlassen. Wollen Handel und Finanzbranche den KI-Einkaufsagenten zum Durchbruch verhelfen, müssen sie diese ablehnende Haltung überwinden.
Digitale Einkaufshelfer
Pay Pal führt Lösungen für Agentic Commerce ein
Der Payment-Dienstleister Paypal führt eine Reihe neuer Services ein, mit denen Händler auf KI-Plattformen sichtbar werden und ihre Produkte anbieten können. Zudem verkündete der Anbieter eine Partnerschaft mit dem Chat GPT-Entwickler Open AI.
„Der Kernpunkt ist Vertrauen“, sagt Visa-Deutschlandchef Czekalla. „Die Kunden müssen wissen, dass das einfach, sicher und zuverlässig funktioniert.“
Vorbeugung gegen Manipulation
Dementsprechend treffen Visa und andere Anbieter umfangreiche sicherheitstechnische Vorkehrungen. Sowohl Verbraucher als auch Händler wollen überzeugt werden, dass die KI keinen Schindluder treibt.
Visa etwa überprüft jeden KI-Agenten, wie Czekalla sagt. Und die Betreiber von Onlineshops und -portalen wollen sichergehen, dass hinter dem einkaufenden KI-Agenten wirklich ein Mensch steckt. „Durch den Austausch kryptografischer Schlüssel stellen wir sicher, dass keine bösartigen Bots am Werk sind.“
„Der Einsatz von Agentic KI bietet Mittelständlern die große Chance, ohne riesiges Werbebudget im Online-Handel gesehen zu werden.“
Der Einsatz agentischer KI wird naturgemäß nicht auf Einzelhandel oder Tourismus beschränkt bleiben. „Das eignet sich natürlich nicht nur für Privatkunden, sondern auch für das B2B-Geschäft von Unternehmen“, sagt Czekalla. In der IT-Fachwelt gilt als ausgemacht, dass KI-Agenten in Zukunft eine Fülle von Aufgaben auch in ganz anderen Branchen übernehmen werden, von der Produktionsplanung einer Fabrik bis zum Wertpapierhandel.
Eine Chance für den Mittelstand
Im Einzelhandel werden von der Entwicklung nach Einschätzung des Zahlungsdienstleisters Unzer keineswegs nur Großkonzerne profitieren.
„Der Einsatz von Agentic KI bietet Mittelständlern die große Chance, ohne riesiges Werbebudget im Online-Handel gesehen zu werden“, sagt Unzer-CCO Beij. „Dafür muss aber die Webseite für AI-getriebene Suchmaschinen optimiert werden: Die Produktbeschreibungen sollten sehr genau und detailliert sein. Je besser die Produktbeschreibung, desto leichter wird man gefunden.“ Auch die Bewertungen und die Beiträge auf Diskussionsforen wie Reddit flössen ein- „Objektivität wird eine größere Rolle spielen. KI kann damit im Einkauf wie eine Art Trust Pilot funktionieren.“
Zögerliche Händler könnten unter die Räder kommen
Die Entwicklung werde sowohl die Kunden- als auch die Handelsseite verändern, meint Bernd Ohlmann, Sprecher des Handelsverbands Bayern in München. „KI ist eine mega Chance, und zwar für kleine und auch große Unternehmen.“
Agentic Commerce
Frasers Group macht Shoppen via ChatGPT möglich
Technologischer Meilenstein im europäischen Einzelhandel: Die Frasers Group integriert KI kanalübergreifend und wird als erster europäischer Einzelhändler die KI-Plattform Agentic Commerce Suite von Commercetools einsetzen.
Allerdings handelt es sich nach Ohlmanns Einschätzung um eine Chance, die besser nicht verpasst werden sollte: „Wer nicht auf den Zug aufspringt, der kann schnell unter die Räder kommen und Kunden und damit Umsätze verlieren.“
Schon jetzt hat Künstliche Intelligenz das Einkaufsverhalten verändert, Vergleichsportale und Suchmaschinen verlieren an Bedeutung. Die Umfrage des Handelsforschungsinstituts IFH Köln zeigt: Rund zwei Drittel der Verbraucher sehen Vorteile wie Zeitersparnis und bessere Empfehlungen in der Nutzung von KI-Chatbots. Knapp die Hälfte ist überzeugt, auf diesem Weg bessere Preise und Angebote zu finden.
KI-Anbieter als Einkaufsportale?
„Mit ChatGPT und Co. entstehen neue Wettbewerber, die die Produktsuche an sich ziehen und direkt in den Kauf umwandeln wollen“, sagt IFH-Fachmann Ralf Deckers. „Onlineshops geraten dadurch in die Rolle von Regalflächen, die auf der Suche nach Produkten lediglich abgeschritten werden.“
Die größte Hürde sieht Deckers im Hinterlegen der Zahlungsdaten: „Viele wollen der KI nicht das Portemonnaie in die Hand drücken, sondern die finale Kauf-Entscheidung selbst treffen.“
Die junge Generation ist nach einer Umfrage des Digitalindustrieverbands Bitkom jedoch weniger skeptisch: Demnach würden 43 Prozent der 16- bis 29-Jährigen die KI Einkäufe alleine erledigen lassen.
GfK-Umfrage
Studie: KI-Agenten sind die Zukunft beim Einkaufen
Das Einkaufen wird sich noch stärker in Richtung innovativer Technologien und Künstlicher Intelligenz (KI) entwickeln. Das zeigt eine repräsentative Verbraucherumfrage des Marktforschers GfK im Auftrag des Kreditkartenanbieters Mastercard. Die Ergebnisse im Einzelnen.