Strategie: Chinesischer Investor HSG übernimmt Mehrheit von Golden Goose

Golden Goose wurde 2000 in Italien gegründet und hat 2024 rund 655 Mio. Euro erlöst.

Der Einstieg eines neuen Mehrheitseigners markiert einen weiteren Einschnitt in der Eigentümerstruktur von Golden Goose. Zugleich stellt sich die Frage, wie sich die neue Konstellation auf die internationale Expansion und die strategische Ausrichtung der italienischen Luxusmarke auswirken wird.

Golden Goose bekommt neue Mehrheitseigner. Die internationale Investmentgesellschaft HSG übernimmt nach Angaben des Unternehmens die Mehrheitsbeteiligung an der Gruppe. Gleichzeitig steigt der Staatsfonds Temasek aus Singapur über eigene Fonds und den Vermögensverwalter True Light Capital als Minderheitsgesellschafter ein. Der bisherige Haupteigentümer Permira bleibt ebenfalls mit einer Minderheitsbeteiligung engagiert. Auch weitere bestehende Anteilseigner wie Carlyle hätten ihre Engagements teilweise reduziert.

Zu den finanziellen Details der Transaktion machten die Beteiligten keine Angaben. Der Abschluss stehe noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen und üblicher Closing-Bedingungen und werde derzeit für den Sommer 2026 erwartet. Im Zuge des Eigentümerwechsels plane Golden Goose zudem, ausstehende, variabel verzinste Anleihen über 480 Mio. Euro mit Fälligkeit 2031 vollständig zurückzuzahlen.

Wachstumskurs trotz schwieriger Marktlage

Golden Goose verweist auf eine anhaltend positive Geschäftsentwicklung. In den ersten neun Monaten bis Ende September 2025 habe der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13% zugelegt. Getrieben worden sei das Wachstum vor allem durch den Direktvertrieb, der den Angaben zufolge um 21% gewachsen sei. Parallel dazu sei das Netz der eigenbetriebenen Geschäfte auf 227 Standorte ausgebaut worden, nach 97 Filialen im Jahr 2019.

Bereits in den vergangenen Jahren habe die Gruppe ihr Geschäftsmodell stärker auf Direktkundenkontakte ausgerichtet. Seit 2020 seien die Erlöse von 266 Mio. Euro auf 655 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2024 gestiegen. Das Unternehmen führt dies unter anderem auf neue Store-Konzepte, eine breitere Produktpalette sowie auf personalisierte Co-Creation-Angebote zurück.

Neue Eigentümer, bekannte Führung

Operativ soll sich durch den Einstieg der neuen Investoren vorerst wenig ändern. CEO Silvio Campara bleibt an der Spitze des Unternehmens. Der bisherige Verwaltungsrat Marco Bizzarri soll künftig den Vorsitz des Gremiums übernehmen. Bizzarri war zuvor in leitenden Funktionen bei Marken wie Gucci und Bottega Veneta tätig und gilt als erfahrener Manager im internationalen Luxussegment.

HSG und Temasek betonen den strategischen und kulturellen Fit mit Golden Goose. Die Investoren verweisen auf frühere Engagements in Luxus- und Konsumgüterunternehmen wie Moncler oder Ermenegildo Zegna sowie auf Beteiligungen im technologiegetriebenen Konsumumfeld. Ziel sei es, das internationale Wachstum der Marke zu unterstützen und gleichzeitig die italienische Handwerks- und Produktionsbasis zu bewahren.

Golden Goose und seine Investoren

Golden Goose wurde im Jahr 2000 in Italien gegründet und ist vor allem für hochpreisige Sneaker bekannt, die einen bewusst gebrauchten Look aufweisen. Neben Schuhen vertreibt das Unternehmen auch Bekleidung, Taschen und Accessoires. Die Produkte werden überwiegend in Italien gefertigt. Nach eigenen Angaben erreicht die Marke weltweit rund zwei Millionen registrierte Kundinnen und Kunden und ist in Amerika, Europa, dem Nahen Osten sowie im asiatisch-pazifischen Raum präsent.

HSG, früher unter dem Namen Sequoia Capital China bekannt, verwaltet laut Unternehmensangaben Vermögen von mehr als 55 Mrd. Dollar (umgerechnet rund 51 Mrd. Euro) und zählt zu den größten Investoren im asiatischen Technologie- und Konsumgütersektor. Temasek ist einer der weltweit bedeutendsten Staatsfonds mit einem Portfoliowert von umgerechnet rund 299 Mrd. Euro. Permira wiederum gehört seit Jahren zu den aktivsten Finanzinvestoren im internationalen Konsum- und Modebereich.