„Dann ist in zwei Jahren Ladenschluss in diesem Land“ – Hape Kerkeling beklagt Verrohung

In einem Interview sorgt sich Komiker Kerkeling um die Zukunft Deutschlands. Die Verrohung habe ein solches Niveau erreicht, dass in zwei Jahren der „Ladenschluss“ drohe. Er erklärt: „Ich verstehe nicht, wie wir da hingekommen sind, wo wir hingekommen sind.“

Hape Kerkeling blickt sorgenvoll auf Deutschland. In einem „Spiegel“-Interview diagnostiziert der Komiker seiner Heimat eine gesellschaftliche Gleichgültigkeit und Verrohung. „‚Nie wieder ist jetzt‘? Ja, das ist natürlich so. Trotzdem habe ich das Gefühl, wir rutschen mit einem Schulterzucken in den Autoritarismus“, warnt er. Die Menschen hätten sich zu weit voneinander entfernt. „Dazu hätten wir es niemals kommen lassen dürfen. Und es hätte oft Möglichkeiten gegeben, das zu stoppen, die aber weder in der Politik noch im gesellschaftlichen Engagement ergriffen wurden.“

Wenig Sympathie zeigt er gegenüber der Partei von Alice Weidel und Tino Chrupalla. „Die AfD ist, finde ich, eine Partei der Zukurzgekommenen. Wenn die an die Macht kommen, dann herzlichen Dank.“ Immer wieder lese er, dass er für seine Kritik an der Partei „von diesem System bezahlt“ worden sei. „Herr Scholz hat mir keine müde Mark gegeben, Herr Merz auch nicht“, erwidert Kerkeling darauf. „Dieser Blödsinn, den die Leute im Netz wirklich glauben und – mit Hass, Häme und Spott versehen – weitertransportieren, in einer Art und Weise, dass es tatsächlich verboten gehört.“

Warnung vor dem „Ladenschluss“ Deutschlands

„An sich leben wir in einer tollen Demokratie, auch wenn die Parteien manchmal Murks machen“, bilanziert der Komiker. Und doch werde das gesamte System infrage gestellt. Der Gesellschaft sei der Grundtenor abhandengekommen. „Wenn wir bei den wesentlichen Dingen nicht mehr eine Sprache sprechen, dann wird’s schwer“, mahnt Kerkeling. „Wir sind auf einem Niveau der Verrohung in diesem Land, also, wenn wir das jetzt nicht zurückholen, ist in zwei Jahren Ladenschluss.“

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Mit dem Status quo Deutschlands beschäftigt sich auch der Film „Extrawurst“ von Marcus H. Rosenmüller mit Kerkeling in der Hauptrolle, der am 15. Januar 2026 in den Kinos startet. „Wir hangeln uns da auch ein bisschen an der Geschichte der Bundesrepublik entlang“, schildert der Autor von „Ich bin dann mal weg“ dazu. „Und zum Entstehen und Aufblühen dieser unserer Bundesrepublik gehört eben auch die Geschichte unserer Einwanderer. Unser Umgang mit diesen Menschen sagt etwas über die Verfasstheit des Landes.“ Weder sei dieser immer glücklich noch richtig gewesen, bemängelt der Komiker. Vielmehr sei der Umgang oft ungelenk gewesen und beeinflusst „durch eine Zeit, die wir alle gerne schnell vergessen wollten“.

Ich liebe dieses Land, es hat mir alle Möglichkeiten gegeben

So gesehen hat sein Kino-Comeback auch einen politischen Impetus. „Wenn das so ist, dann ist es gut. Dann hätte es seinen Zweck erfüllt. Wenn nicht, dann habe ich es zumindest versucht. Und hätte ich es nicht versucht, dann müsste ich mir ewig vorwerfen, es nicht versucht zu haben“, sagt er. „Sehen Sie, ich hänge an diesem Land. Ich liebe dieses Land, es hat mir alle Möglichkeiten gegeben, ich liebe diese Sprache – und ich liebe auch die Menschen. Und ich verstehe nicht, wie wir da hingekommen sind, wo wir hingekommen sind.“

doli

Source: welt.de