Hans Ticha: Nie war die Zone bunter wie unter ihm
Wer den wichtigsten noch lebenden Künstler der DDR-Kunstgeschichte besuchen will, muss tief ins Hessische reisen, dorthin, wo die Apfelweinstraße entlangführt und der Ebbelwoi herkommt. Vom Bahnhof in Hanau geht es mit dem Taxi zuerst durch traurige Nachkriegsbebauung, dann hinauf in den kleinen Ort Hochstadt oberhalb des Mains. Man fährt durch einen mittelalterlichen Torbau, fühlt sich plötzlich wie in der Kulisse eines Historienfilms und hält dann vor einem kleinen, sorgfältig renovierten Fachwerkhaus. Die Tür ist in knalligem Rot und Blau gestrichen, es öffnet sie Hans Ticha, der Anfang September 85 geworden ist. Ein zugewandter, bescheidener Meister, das silberne Haar und der Vollbart kurz geschoren, kleine, ovale Brille, durch die seine zusammengekniffenen Augen blitzen.