Erster Parteitag: Corbyn darf seine neue Partei nicht alleinig zur Folge haben

Die neue linke Oppo­sitionskraft „Eure Partei“ (Your Party) beginnt ihre Existenz in Großbritannien mit inneren Konflikten. Die Partei, die einem sozialistischen Selbstverständnis folgt, war vor allem auf Initiative des früheren Labour-Vorsitzenden Jeremy Corbyn gegründet worden.

Doch auf Betreiben seiner Konkurrentin Zarah Sultana verweigerte ihm eine knappe Mehrheit der Mitglieder auf der Gründungsversammlung der Partei in Liverpool eine eindeutige Führungsposition. Stattdessen soll die Partei von einer Art Mitgliederrat geführt worden. Vergeblich warnte Corbyn, das werde es der Öffentlichkeit schwerer machen, die Absichten von „Eurer Partei“ zu ver­stehen.

Partei hat nach eigenen Angaben 55.000 Mitglieder

Umfragen zufolge hatte die neue Partei noch vor ihrer Gründung schon knapp zweistellige Zustimmungsraten erreicht. Sie könnte sich neben den Liberaldemokraten und den Grünen als weitere Konkurrenz zu der regierenden Labour-Partei etablieren, die seit einiger Zeit mit drastischer Unpopularität kämpft. Corbyn war von Premierminister Keir Starmer aus der Labour-Partei ausgeschlossen worden und gewann 2024 als Unabhängiger sein Mandat im Unterhauswahlkreis London-Islington.

Mit anderen Ausgestoßenen und Abtrünnigen aus dem Labour-Lager formierte er zunächst im Unterhaus eine Arbeitsgemeinschaft und betrieb alsbald die Gründung einer linken Konkurrenzpartei. Auf dem Gründungskongress in Liverpool wurden die Konflikte, welche die neue Partei seit Beginn begleiten, direkt sichtbar. Nach eigenen Angaben hat „Eure Partei“ gegenwärtig 55.000 Mitglieder.

Sultana weigerte sich am ersten Tag, die Parteitagshalle zu be­treten mit der Begründung, es werde vielen Mitgliedern mit fadenscheinigen Gründen die Teilnahme verwehrt. Das – mit Vertrauten Corbyns besetzte – Vorbereitungskomitee hatte verfügt, Mitglieder der neuen Partei dürften keine weiteren Parteimitgliedschaften besitzen. Aus diesem Grund wurde Mitgliedern der linksradikalen Sozialis­tischen Arbeiterpartei der Zugang ver­weigert, was wiederum Sultana als Schwächung ihrer Position empfand. Sie sprach von einer „Hexenjagd“.

Schon in den Wochen vor dem Gründungsakt hatten zwei Unterhaus-Abgeordnete, die in Corbyns Arbeitsgemeinschaft mitgewirkt hatten, der neuen Partei den Rücken zugekehrt. Adnan Hussain, einer der beiden, begründete seinen Schritt mit den „inneren Grabenkämpfen“ der neuen politischen Kraft, in der außerdem muslimfeind­liche Tendenzen spürbar seien.

Source: faz.net