OECD-Umweltbericht: Wenn die Umweltkrisen eskalieren

In den nächsten Jahrzehnten ist mit der vollständigen Zerstörung heimischer Artenvielfalt auf einem Gebiet zu rechnen, welches ungefähr die Größe der Europäischen Union entspricht. Dieses Szenario prognostiziert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in einem Umweltbericht, der am Mittwoch vorgestellt worden ist. Er befasst sich mit der „planetaren Dreifachkrise: dem Klimawandel, dem Verlust der Artenvielfalt und der Umweltverschmutzung, welche die Menschheit, ihre Lebensgrundlagen und damit auch die Wirtschaft bedrohen“. Alle drei Krisen würden sich bis 2050 weiter verschärfen und gegenseitig verstärken, wenn die Politik nicht umsteuere, mahnen die Autoren.

Der Anstieg der mittleren globalen Temperatur über die Grenze von 2,1 Grad Celsius hinaus werde sich noch beschleunigen, heißt es in dem Bericht. Das habe ebenfalls Folgen für die Natur. „Der Klimawandel wird zum Haupttreiber für den Biodiversitätsverlust“, schreiben die Autoren. Weiterer Schaden drohe durch die zunehmende Plastikverschmutzung. Die globalen Kunststoffeinträge würden von 22 Millionen Tonnen auf 37 Millionen Tonnen steigen, lautet die Prognose. Zu den wenigen guten Nachrichten gehört, dass die Luft voraussichtlich sauberer wird. Die Schwefeldioxidemissionen werden den Projektionen zufolge weltweit um 64 Prozent zurückgehen. Auch diese Entwicklung hat allerdings eine Kehrseite, schreiben die Autoren. Denn einige Luftschadstoffe hätten einen kühlenden Effekt auf das Klima, da sie Sonnenstrahlung reflektierten. Das bedeutet: Wird die Luft sauberer, droht eine schnellere Erwärmung der Erde.

Hauptursächlich für die Verschärfung der Dreifachkrise wird nach den Prognosen der OECD der weitere Anstieg der Weltbevölkerung von 7,8 auf 9,6 Milliarden Menschen sein, verbunden mit einer Verdoppelung des globalen Bruttoinlandsprodukts bis zum Jahr 2050. Technologischer Fortschritt und Verhaltensänderungen dürften den Verbrauch natürlicher Ressourcen zwar verlangsamen, aber insgesamt nicht aufhalten, schreiben die Autoren. Immer mehr Fläche werde vor allem für die Produktion von Nahrungsmitteln benötigt. Mit einem Anteil von 87 Prozent sei die Landwirtschaft der größte Treiber für den Verlust von Ökosystemen. Zugleich stiegen mit Ausweitung und Intensivierung der Landwirtschaft die Treibhausgasemissionen. Außerdem würden Böden und Gewässer durch zusätzliche Nährstoffeinträge belastet.

Verbrauch fossiler Brennstoffe wird weiter steigen

Zum Energieverbrauch heißt es in dem Bericht, zwar werde sich die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien mehr als verdoppeln, gleichwohl werde auch der Verbrauch klimaschädlicher fossiler Brennstoffe weiter steigen, um 16 Prozent. Trotz der Bemühungen, Materialen und Produkte möglichst lange in geschlossenen Kreisläufen zu erhalten, rechnen die Autoren damit, dass sich der Verbrauch von Primärrohstoffen, also Materialen, die nicht aus dem Recycling stammen, bis 2050 um die Hälfte zunehmen wird, von 96 auf 145 Gigatonnen.

Zur Bewältigung der Dreifachkrise sollte die Politik verschiedene Hebel in Bewegung setzen, empfiehlt die OECD. Es müsse mehr getan werden, um Zielkonflikte zwischen dem Ausbau der erneuerbaren Energien einerseits und Naturzerstörung und Umweltverschmutzung andererseits zu minimieren. Ferner komme es darauf an, mehr Synergien zu schaffen, etwa bei finanziellen Fördermaßnahmen. Auch müssten Politik und Wirtschaft stärker an der Umstellung zur Kreislaufwirtschaft arbeiten, da der hohe Verbrauch von Rohstoffen zulasten des Klimas, von Ökosystemen und sauberer Umwelt gehe.

Auch in der multilateralen Zusammenarbeit komme es darauf an, Klimaschutz, Natur- und Umweltschutz besser zu verknüpfen, mahnen die Autoren. Intakte Ökosysteme sind natürliche Speicher von Kohlendioxid. Werden natürliche Lebensräume geschädigt oder vernichtet, geht Speicherkapazität verloren.

Die Weltklimakonferenz blieb hinter den Erwartungen zurück

Für die Weltklimakonferenz COP 30 in Brasilien hatte man sich deshalb vorgenommen, auch den Schutz der natürlichen Lebensräume stärker in den Fokus der Klimaverhandlungen zu rücken. Das Gastgeberland hatte zum Schutz der Regenwälder die Initiative für ein neues Finanzierungsinstrument, die Tropical Forest Forever Facility (TFFF), gestartet. Die Hoffnungen Brasiliens auf Zusagen in Höhe von mehreren zehn Milliarden Dollar erfüllten sich jedoch nicht. Norwegen, Deutschland, Indonesien und andere Länder haben bisher mehr als sechs Milliarden Dollar zugesagt.

Die TFFF sei „sicherlich nicht als eine Sofortmaßnahme für besseren Regenwaldschutz zu bezeichnen, aber immer noch ein Versprechen für die nahe Zukunft“, sagt Georg Schwede von der Nichtregierungsorganisation Campaign for Nature. „In die Zeiten, wo es schwer ist, internationale Prozesse voranzubringen, ist dies durchaus ein wichtiges Zeichen“, ergänzte Johannes Förster vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig. Allerdings werde sich der Erfolg der TFFF erst an der Umsetzung messen lassen.

Auf der Agenda der COP 30 stand außerdem ein Fahrplan für ein Ende der Entwaldung bis 2030. Darüber konnte jedoch keine Einigung erzielt werden. Die Arbeiten an dem Projekt sollen fortgesetzt werden. „Insgesamt hat die Konferenz den Dialog über die entscheidende Rolle der Natur bei der Bewältigung des Klimawandels vorangebracht“, sagt Schwede. Es sei aber nicht gelungen, formelle Vereinbarungen und eine ausreichende Finanzierung zu sichern, um den Verlust der biologischen Vielfalt und die Entwaldung zu stoppen und umzukehren.