Wirre Sprüche uff Dachboden: Gottschalks Auftritt beim Bambi ist traurig, nichts sonst

Cher hat sofort verstanden, dass mit Thomas Gottschalk etwas nicht stimmt. Ihr Blick drückte das aus. Anstatt der Sängerin bei der Verleihung des Medienpreises „Bambi“ ein würdiges Intro zu geben, hatte er wirres Zeug geredet.

„Cher ist schwer“

Cher, sagte er, sei „die einzige Frau, die ich in meinem Leben ernst genommen habe“, und „Cher ist schwer“. Dass zuvor nicht die 79 Jahre alte Sängerin auf einer Diskokugel herabgeschwebt war, sondern die junge Schauspielerin Sophie Berner, die Cher in dem Musical „The Cher Show“ verkörpert, hatte Gottschalk vollkommen aus dem Konzept gebracht.

Er redete – wie immer – über sich selbst, über seinen beim Brand seines Haues in Malibu „eingeschmolzenen“ eigenen Bambi; erzählte, dass er dem Laudator Hannes Jaenicke einmal ein Motorrad verkauft habe, brachte im Gespräch mit Cher kaum einen geraden Satz auf Englisch heraus und stand orientierungslos vor ihr auf der Bühne herum, sodass man sie kaum sah. Das Publikum buhte, die zehn Minuten, in denen der Superstar Cher als „Legende“ geehrt werden sollte, waren ein quälendes Fiasko.

In früheren Zeiten wäre das eine peinliche, traurige Episode gewesen, für welche die auf Hyperemotionalisierung angelegte Bambi-Verleihung, bei der Promis vor Selbstrührung aus den Latschen kippen, schon immer gut war. Heute bricht in den „sozialen“ Medien ein Entrüstungssturm los, an dem sich die traditionellen Medien leider beteiligen.

Schlagzeile folgt auf Schlagzeile, der Bogen kann gar nicht weit genug gespannt werden. Gottschalk habe schon immer so frauenfeindlich geredet, meldet sich eine TV-Boulevardmoderatorin zu Wort, bei „Zeit online“ wird Gottschalk mit Donald Trump verglichen, weil der ja auch immer so ichbezogen stammele. Gottschalk versucht sich im Nachhinein zu erklären, er entschuldigt sich, die Kaskade geht weiter. Den Unterhaltungshelden vergangener Jahrzehnte fallen zu sehen, macht vielen offenbar Spaß.

Dabei ist das, was sich hier zeigt, nur traurig: dass man dem 75 Jahre alten Gottschalk und seinem Publikum keinen Dienst erweist, ihn wieder und wieder zum letzten und dann allerletzten Mal in die Manege zu bitten. Das ist ein unwürdiges Schauspiel.

Source: faz.net