Chile: Chilenen wählen neuen Präsidenten
In Chile findet am
Sonntag die erste Runde der Präsidentschaftswahl statt. Die Wahl dürfte zu einer Richtungsentscheidung zwischen ultrarechts und links werden. Insgesamt bewerben sich acht Kandidatinnen und Kandidaten um die Nachfolge des linksgerichteten Präsidenten Gabriel Boric. Als Favoriten gelten der
ultrarechte Pinochet-Fan José Antonio Kast, dessen Vater unter den Nazis Wehrmachtssoldat war, sowie die Sozialdemokratin Jeannette Jara. Sie ist zwar noch Mitglied der Kommunistischen Partei, gilt aber als gemäßigt
links.
Es wird nicht erwartet, dass eine Kandidatin
oder ein Kandidat in der ersten Runde die erforderliche Mehrheit
erreicht. Für die Stichwahl am 14. Dezember rechnet sich Kast gute
Chancen aus: Die Wähler der beiden anderen Kandidaten im rechten Lager – der rechtsradikale Johannes Kaiser und die Konservative Evelyn Matthei,
die beide ebenfalls deutsche Vorfahren haben – könnten seinem Kalkül
zufolge in der zweiten Runde dann Kast unterstützen. Der deutschstämmige Kast hatte vor vier Jahren die erste Runde der Präsidentenwahl gewonnen, dann aber die Stichwahl gegen Boric verloren.
Kriminalität hat zugenommen
Außer Chiles künftigem Präsidenten werden auch knapp die Hälfte der Senatoren und alle 155 Abgeordneten neu gewählt. Im Mittelpunkt des Wahlkampfes in dem südamerikanischen Land standen die Themen Wirtschaft, Kriminalität und Migration. Obwohl Chile noch immer eines der sichersten Länder der Region ist, hat die Kriminalität in einigen Bereichen zuletzt zugenommen.
Der amtierende Präsident Boric darf nach seiner vierjährigen Amtszeit aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht erneut kandidieren. Etwa 15,8 Millionen Chileninnen und Chilenen sind zur Wahl aufgerufen; in Chile herrscht Wahlpflicht. Der künftige Präsident tritt sein Amt am 11. März 2026 an.