Belarussen in Litauen: Flüchtlinge ohne Weg zurück

Da ist die Sache mit der Nähe: Von Vilnius sind es nur vierzig Kilometer bis zur Grenze mit Belarus. Das gibt Nastja und ihrem Mann das Gefühl, noch eine Verbindung dorthin zu haben. Mit dem Auto könnten sie in zweieinhalb Stunden in Minsk sein – theoretisch. Aber der Weg in ihre Heimatstadt würde sie direkt in die Gefängnisse der Diktatur Alexandr Lukaschenkos führen. Fünf Jahre ist es her, dass die beiden vor deren Schergen nach Litauen geflohen sind. Seither ist ihr ganzes früheres Leben für sie unerreichbar: ihre Familie und Freunde, ihr Garten. Deshalb ist das mit der Nähe zu Belarus ambivalent: „Je näher man dran ist, desto stärker zieht es einen magnetisch an“, sagt Nastja. „Wenn ich weiter weg wäre, hätte ich mich vermutlich schneller in meinem neuen Leben zurechtgefunden.“

Source: faz.net