KI für jedes Kanzleien: Wolters Kluwer übernimmt Berliner Startup Libra

Der niederländische Informationsdienstleister Wolters Kluwer hat das Berliner Start-up Libra Technology übernommen. Das junge Unternehmen entwickelt KI-Anwendungen für Juristen in Kanzleien, Rechtsabteilungen und Organisationen und zählt in seinem Bereich derzeit zu den am schnellsten wachsenden Firmen Europas. Wolters Kluwer, dessen Aktien an der Amsterdamer Börse gelistet sind, informierte seine Aktionäre am Freitagmorgen in einer Ad-hoc-Mitteilung über die Akquisition in Deutschland.
Der Kaufpreis für Libra beträgt rund 90 Millionen Euro. Davon zahlt der niederländische Konzern 30 Millionen Euro unmittelbar an die Gesellschafter von Libra. Der Rest soll beim Erreichen bestimmter Leistungsziele als erfolgsabhängige Zahlung erfolgen, wie beide Unternehmen mitteilten.
Rasantes Wachstum
Libra wurde 2023 von dem früheren Freshfields-Anwalt Viktor von Essen und dem dänischen Physiker Bo Tranberg gegründet. Kernprodukt ist der Libra-AI-Assistent. Dabei handelt es sich um eine juristische Plattform, die Kanzleien und Rechtsabteilungen dabei unterstützt, umfassende Recherchen, Entwürfe, Dokumentenprüfungen und -analysen effizient und sicher auf einer Arbeitsfläche zu gestalten – über das Internet oder via App. Die Kundenbasis ist in den vergangenen Monaten noch einmal deutlich gewachsen.
Innerhalb von zwei Jahren hat sich das Legal Tech beeindruckend entwickelt. Aktuell nutzen mehr als 10.000 Juristen in rund 800 Kanzleien und Rechtsabteilungen die Libra-Plattform. Auf ihr finden sie juristische Fachinhalte, validierte Daten und KI-gestützte Arbeitsprozesse. Als wichtige Kennzahl für seine finanzielle Stabilität und sein Wachstumspotential weist Libra den sogenannten „Annual Recurring Revenue” (ARR) aus, also den wiederkehrenden Umsatz über das Jahr hinweg. Mitte Oktober hat Libra die Drei-Millionen-Grenze überschritten, nur wenige Wochen, nachdem die Zwei-Millionen-Grenze erreicht wurde.
Martin O’Malley, der Vorstandsvorsitzende von Wolters Kluwer Legal & Regulatory, sagte, dass sich die Akquisition mit den bestehenden Expert-KI-Lösungen von Wolters Kluwer ergänze. „Libras bewährte, hochmoderne Lösung beschleunigt zudem unsere eigene, spannende Roadmap für KI-Entwicklung“, sagte O’Malley in einer Mitteilung des Konzerns.
Ziel ist weitere Expansion
„Durch die Zugehörigkeit zu Wolters Kluwer und den Zugang zu ihren führenden juristischen Inhalten und ihrem tiefen Fachwissen können wir das volle Potential unseres Libra-AI-Assistenten in mehreren Ländern entfalten“, wird von Essen in einer gemeinsamen Mitteilung zitiert.
Libra bleibt als Anbieter und Marke weiter erhalten. Die Übernahme durch Wolters Kluwer, das als Unternehmen im Bereich Legaltech hierzulande schon lange aktiv ist, belegt, wie viel Bewegung gerade im Markt ist. Erst vor wenigen Monaten beteiligte sich der Münchner Verlag C. H. Beck an dem Berliner KI-Start-up Noxtua (ehemals Xayn).
Im Rahmen einer Finanzierungsrunde, an der auch die beiden Großkanzleien CMS und Dentons sowie Northern Data beteiligt waren, flossen mehr als 81 Millionen Euro an Noxtua. Diese Summe könnte bei der neuen Partnerschaft von Wolters Kluwer und Libra nun übertroffen werden.