Taktik von Investoren: Private Equity mit Plan B

Private Equity nutzt für den Ausstieg aus Bestandsunternehmen in zunehmendem Maße einen Sonderweg. Im bisherigen Jahresverlauf gaben Finanzinvestoren Beteiligungen in beinahe einem Fünftel der Fälle über einen Fortsetzungsfonds ab, im Branchenjargon Continuation Vehicle (CV) genannt. Darauf weist die Investmentbank Jefferies auf Grundlage von Daten der Unternehmensberatung Bain hin.
Der Anteil an den Private-Equity-Exits ist von fünf Prozent im Jahr 2020 auf jetzt 19 Prozent gestiegen. Beteiligungsgesellschaften legen dabei mit neuen Investorenmitteln einen Fonds für das Bestandsunternehmen auf, um die Geldgeber des Ursprungsfonds auszahlen zu können. Naheliegend sei das für wachstumsstarke Unternehmen, verbunden mit starker Marktposition, sagte Birger Berendes, der für Jefferies das kontinentaleuropäische Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, M&A) leitet. „Alles, was organisch und/oder per M&A weiter wächst, sollte sich für ein CV eignen.“ Der Gipfel sei jetzt erreicht, mittelfristig werde der Anteil nicht über 15 bis 20 Prozent liegen.
Jefferies sieht sich als führender Berater hinter Evercore in dieser Form der Private-Equity-Transaktion, die in ihrer Natur zwischen einem Direktverkauf an eine Partei und einem Börsengang mit zahllosen Investoren liegt. Die Unternehmensprüfung (Due Diligence) kann in der Regel weniger aufwendig ausfallen, wie Sven Baumann sagte, Leiter des Investmentbankings im deutschsprachigen Raum.
Börsengänge als Ausstiegsvariante bleiben in Deutschland rar. Pläne wurden verschoben oder die Kandidaten direkt an Investoren verkauft. Im Wettbewerb der Börsenplätze empfiehlt Jefferies normalerweise, sich in der Heimat notieren zu lassen, solange es einen Markt mit ausreichend Handelsvolumen gewährt. „Wir raten den Kunden, dahin zu gehen, wo der natürliche Heimatmarkt ist“, sagte Oliver Diehl, Ko-Leiter des europäischen Eigenkapitalmarktgeschäfts. Meist lasse sich ein Land klar zuordnen, weil dort die Zentrale, die Produktion oder ein Großteil der Belegschaft zu finden seien. „Es macht keinen Sinn, künstlich einen anderen Markt zu wählen, wenn man einen liquiden Markt hat.“
Source: faz.net