Ukraine-Flüchtlinge: Besser Deutsch sprechen hilft

Deutlich verbesserte Deutschkenntnisse machen ukrainische Kriegsflüchtlinge in Deutschland glücklicher – und auf dem Arbeitsmarkt erfolgreicher. Das ist eine der Kernaussagen einer Erhebung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) bei über 6000 Schutzsuchenden. Bemerkenswert ist insbesondere die beschleunigte Integration in den Arbeitsmarkt. Nach einer damaligen Befragung des BiB im Frühjahr 2024 waren damals nur 32 Prozent der erwerbsfähigen Ukraineflüchtlinge im Alter von 18 bis 64 Jahren in Arbeit. Im Sommer des laufenden Jahres betrug die Erwerbstätigenquote demnach 51 Prozent.

„Die Investition in Sprachkurse lohnt sich“, sagte Studienleiter Andreas Ette während der Vorstellung am Dienstag. Dieser Befund war nicht nur auf die beschleunigte Integration in den Arbeitsmarkt gemünzt. Von den befragten Ukrainern mit guten Deutschkenntnissen fühlen sich 44 Prozent willkommen und 14 Prozent nicht willkommen. Bei den Befragten mit schlechten oder gar keinen Deutschkenntnissen war das Verhältnis mit 29 zu 20 Prozent ausgeglichener.

Integration in Schulen bleibt Problem

Einen noch deutlicheren Unterschied machen die Sprachkenntnisse bei der regionalen Identifikation. Bei den Befragten mit guten Deutschkenntnissen identifizieren sich 61 Prozent mit ihrem Wohnort und seinen Bürgern. Bei jenen mit schlechten oder keinen Deutschkenntnissen gaben dies nur 28 Prozent an.

Weiter zeigt die Studie, dass Kinder und Jugendliche wesentlich schneller ihr Deutsch verbessern als ihre Eltern. Während bei der Ankunft gut 90 Prozent aller Ukrainer gar nicht oder nur schlecht Deutsch konnten, ist das unter den unter Achtzehnjährigen nur noch bei 13 Prozent der Fall. Unter den Eltern ist der Anteil mit keinen oder schwachen Deutschkenntnissen mit 59 Prozent ungleich höher.

Trotzdem haben mehr Eltern als Kinder eine dauerhafte Bleibeabsicht in Deutschland. 49 Prozent der Eltern gaben an, sie möchten „für immer“ bleiben, während dies nur 34 Prozent der Kinder taten. Ebenfalls 34 Prozent der Minderjährigen beantworteten die Frage mit „weiß nicht“, während dies bloß 19 Prozent der Eltern angaben. Hauptgrund für diese Diskrepanz ist laut dem BiB ein „vergleichsweise niedriges Schulzugehörigkeitsgefühl und höhere sozioemotionale Belastungen“ als unter den einheimischen Kindern und Jugendlichen.

Seit ihrer Ankunft nach Russlands Großangriff im Frühjahr 2022 ist der Anteil der Ukrainer, die dauerhaft in Deutschland bleiben wollen, kontinuierlich gestiegen. Mittlerweile geben 45 Prozent die Präferenz „für immer“ an. Während im Sommer 2022 noch 33 Prozent der Befragten angaben, nach Kriegsende zurückkehren zu wollen, tun dies mittlerweile nur noch 17 Prozent.

Während viele Ukrainer in Deutschland neue Partner gefunden haben, wurden als Gründe für eine Rückwanderung in die Ukraine von einer Mehrheit familiäre und freundschaftliche Bindungen oder Heimweh angegeben. Hochqualifizierte Ukrainer erlitten bei ihrer Flucht nach Deutschland einen höheren Statusverlust als Niedrigqualifizierte. Doch ist das in der Regel nicht der Hauptgrund für die Rückkehr.

Source: faz.net