„Lux“ von Rosalía: Der Pop hat eine neue Göttin

Dieses Album heißt Lux, also Licht, man sollte es ganz
allein und im Dunkeln hören, dann weicht die Dunkelheit bald von selber. Lux
handelt von einer Reise zum Licht, es handelt von Erleuchtung, Erlösung und
Gnade, es enthält achtzehn Lieder, die so dramatisch und schön und
überwältigend sind wie wenig anderes, was man in der Popmusik derzeit findet,
und diese achtzehn Lieder werden in dreizehn verschiedenen Sprachen gesungen,
unter anderem in Spanisch, Katalanisch, Englisch, Hebräisch, Arabisch und auch
auf Deutsch und Latein: „Ego sum nihil / Ego sum lux mundi„, heißt es an einer
zentralen Stelle dieses Werks, „Ich bin nichts / Ich bin das Licht der Welt“,
und man stellt sich die Künstlerin, der wir all dies verdanken, beim Hören
dieses Albums immer wieder dabei vor, wie sie abwechselnd zu sich selber singt
„Ich bin nichts“ und „Ich bin das Licht der Welt“, denn so dramatisch wie die
Streicher und Bläser und Pauken des hier waltenden Orchesters sind und die tief
darunter magnetisch brummenden elektronischen Bässe und stolpernden Rhythmen
und echten und gesampelten Chöre und vor allem natürlich die Stimme dieser
Sängerin – so dramatisch sind auch die Wechsel der Stimmungen zwischen
Verzweiflung und Stolz, Unterwerfung und Dominanz, zwischen verschüchtertem Sich-in-sich-selber-Verkriechen
und dem strahlenden Streben nach göttlicher Größe. Das ist alles unglaublich
toll und immer auch ein bisschen irre, befremdlich und größenwahnsinnig, mit
anderen Worten: Es ist genau so, wie ein großes Pop-Album eben sein sollte, nur
dass so große Pop-Alben wie dieses kaum noch hergestellt werden. Außer von ihr.