Biotech-Unternehmen: Biontech hebt Umsatzziel an

Die strategische Kooperation mit dem amerikanischen Pharmakonzern Bristol Myers Squibb (BMS) macht sich für die Mainzer Biontech SE bezahlt. Im dritten Quartal kletterten die Erlöse des Biotechunternehmens auf 1,51 Milliarden Euro und lagen damit spürbar über dem Vorjahreswert von 1,24 Milliarden Euro. Vor diesem Hintergrund hebt Vorstandschef Ugur Sahin die Umsatzprognose für das laufende Jahr deutlich an: Statt der bislang erwarteten 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro rechnet das Unternehmen nun mit Erlösen zwischen 2,6 und 2,8 Milliarden Euro.

Wegen anhaltender Investitionen in fortgeschrittene Entwicklungsprojekte wird im Gesamtjahr jedoch mit einem Nettoverlust gerechnet. Im dritten Quartal stand unter dem Strich ein Minus von 28,7 Millionen Euro, nachdem im Vorjahr noch ein Gewinn von 198,1 Millionen Euro erzielt worden war. Für die ersten neun Monate des Jahres verringerte sich der Nettoverlust von 924,8 auf 831,1 Millionen Euro.

Strategische Kooperation bringt Umsatz

Treiber dieser Entwicklung sind vor allem frische Umsätze aus der strategischen Kooperation mit BMS. Allein 700 Millionen Dollar stammen im dritten Quartal aus der Zusammenarbeit in der Entwicklung und Vermarktung der Schlüsseltherapie BNT327. Der bispezifische Antikörperkandidat, der inzwischen unter dem Namen Pumitamig firmiert, soll künftig eine zentrale Rolle in Biontechs Ansatz der Kombinationstherapien gegen Krebs einnehmen. Um die teuren klinischen Studien zu beschleunigen, hatte sich Biontech im Juni mit BMS zusammengetan. Bereits 1,5 Milliarden Dollar flossen als Vorauszahlung, weitere zwei Milliarden sollen bis 2028 im Zuge der weiteren Entwicklung folgen. „Der Erhalt von 1,5 Milliarden US-Dollar aus unserer Partnerschaft mit Bristol Myers Squibb unterstreicht einmal mehr den strategischen Wert unserer Kollaborationen, nicht nur langfristig, sondern auch kurzfristig“, sagte Finanzchef Ramón Zapata am Montag.

Die Mittel aus der Kooperation stärken zugleich die Liquiditätsbasis der Mainzer. Zum Quartalsende verfügte Biontech über liquide Mittel in Höhe von 16,7 Milliarden Euro – ein finanzielles Polster, das die ambitionierten Pläne für Krebsimmuntherapien absichern soll. Bis 2030 will das Unternehmen zu einem Multiproduktanbieter avancieren; bislang ist der kommerzielle Erfolg ausschließlich dem stetig angepassten Corona-Impfstoff zu verdanken. Auch für diese Saison haben Biontech und Partner Pfizer ein variantenangepasstes Vakzin rechtzeitig auf den Markt gebracht. „Unsere starke finanzielle Position ermöglicht uns weitere Investitionen in unsere Fokus-Programme in der späten klinischen Entwicklungsphase und die Vorbereitung der Vermarktung unseres diversifizierten Onkologie-Portfolios“, sagte Zapata.

Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sinken etwas

Trotz des Rückenwinds und erhöhter Investitionen in Forschung und Entwicklung im dritten Quartal übt Biontech mit Blick auf das Gesamtjahr mehr Ausgabendisziplin. Besonders deutlich zeigt sich dies bei den Forschungs- und Entwicklungskosten: Statt der im Frühjahr geplanten 2,6 bis 2,8 Milliarden Euro sollen es nun zwei bis 2,2 Milliarden Euro sein. Die angepasste Prognose reflektiere sowohl Kosteneinsparungen durch aktives Portfoliomanagement als auch die Konzentration auf Entwicklungsprogramme in fortgeschrittenen Phasen der Immunonkologie und bei Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (ADC), heißt es aus dem Unternehmen.

Letztere repräsentieren einen innovativen Ansatz in der Chemotherapie, bei dem der toxische Wirkstoff gezielt in die Krebszelle geschleust wird, wodurch gesundes Gewebe weitgehend verschont bleibt. Im Vergleich zur herkömmlichen Chemotherapie lassen sich die Nebenwirkungen auf diese Weise deutlich reduzieren. Dieser Ansatz spielt ebenfalls eine wichtige Rolle für die Strategie der Mainzer.

Mit dem chinesischen Partner Duality Bio entwickelt Biontech den ADC-Kandidaten BNT323 (Trastuzumab Pamirtecan, kurz T-Pam genannt), der als erstes Krebsmedikament der Mainzer im kommenden Jahr auf den Markt kommen soll. Ursprünglich hatte Biontech mit dem Gedanken gespielt, den Zulassungsantrag in den USA dafür noch in diesem Jahr für die Indikation Gebärmutterkrebs einzureichen. Gespräche der Partner mit der US-Arzneimittelbehörde FDA laufen und sollen im Jahr 2026 fortgesetzt werden, heißt es nun. Vorbehaltlich der endgültigen Rückmeldung der Behörde planen die Unternehmen weiterhin, 2026 einen Zulassungsantrag zu stellen.

Noch in diesem Jahr abschließen will Biontech dagegen die Übernahme des Tübinger mRNA-Rivalen Curevac . Nachdem das Bundeskartellamt grünes Licht gegeben hat, läuft inzwischen die Frist für das im Juni von Sahin ausgesprochene öffentliche Umtauschangebot an die Curevac-Aktionäre. Bis 3. Dezember (15 Uhr) können diese ihre Aktien durch Anteile an Biontech tauschen. Als Transaktionssumme haben die Mainzer rund 1,25 Milliarden Euro ausgerufen. Wichtige Curevac-Großaktionäre, darunter der langjährige Geldgeber und SAP-Mitgründer Dietmar Hopp sowie die staatliche Förderbank KfW unterstützen die Übernahme unter den deutschen mRNA-Champions.

Für Biontech ist der Deal aus mehreren Gründen wichtig: Einerseits schluckt man damit einen potentiellen Rivalen und sichert sich dessen Patente und Expertise auf dem Gebiet der mRNA-Technologie. Diese wären vor allem für das Krebsimpfstoffprogramm von Nutzen. Andererseits werden auf diesem Weg die Patentstreitigkeiten rund um die Entwicklung der Corona-Impfstoffe galant gelöst, die Biontech und Curevac in den vergangenen Jahren vor Gerichten ausgefochten haben – zu einem deutlich überschaubareren Preis, als ein Urteil über Lizenzeinnahmen Biontech womöglich gekostet hätte. Für die Beilegung der Rechtsstreitigkeiten mit Cure­vac und dessen Partner GSK wurden inzwischen jeweils 370 Millionen Dollar gezahlt. Branchenkenner hielten Lizenzzahlungen im Milliardenbereich von Biontech an Curevac durchaus für möglich.