US-Kriegsschiffe unterwegs nachher Venezuela – welches hat Trump vor?

Eine Armada von US-Kriegsschiffen ist unterwegs oder bereits in der Region. Angeblich werden Angriffe auf Venezuela erwogen, um Präsident Maduro zu stürzen. Dass der Geheimdienst CIA gegen ihn operiert, hat Donald Trump bereits genehmigt


Gegenwärtig kreuzt der US-Flugzeugträger „Gerald R. Ford“ in der Karibik

Foto: Joe Raedle/Getty Images



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Es riecht nach Regime Change – nach einem in Venezuela gewaltsam herbeigeführten Regierungswechsel hätte man früher gesagt. Doch bei der gegenwärtigen US-Regierung weiß man nie sicher, was Performance und Drohgebärden sind, und was wie vollzogen wird.

Donald Trumps Außenminister und Sicherheitsberater Marco Rubio, möglicherweise die treibende Kraft für einen Militäreinsatz, bemühe sich seit einem Jahrzehnt um den Sturz des autokratischen Führers Nicolás Maduro in Caracas, schreibt das Wall Street Journal. Im August hat die US-Regierung bis zu 50 Millionen Dollar Kopfgeld ausgeschrieben „für Informationen, die zu Maduros Festnahme führen“.

Verteidigungs- bzw. Kriegsminister Pete Hegseth würde wohl gern Feldherr sein. Es passt ihm womöglich ins Konzept, dass Admiral Alvin Holsey, Chef des für die Karibik und Lateinamerika zuständigen Kommandos der US-Streitkräfte, Mitte Oktober nach nur einem Jahr auf dem Posten seinen Rücktritt bekanntgab. Unter Umständen sei Holsey mit dem Venezuela-Aufmarsch nicht einverstanden gewesen, wird angenommen. Und der Oberkommandierende selbst, Präsident Donald Trump? Dem geht es um die Demonstration seiner Macht, in Venezuela genauso wie in den USA, wenn er den Ostflügel des Weißen Hauses abreißen und erneuern lässt.

Trumps Drohgebärden sind nichts Neues. Machtdemonstrationen, Coups und Militäreingriffe im vermeintlichen „Hinterhof“, dem Spielplatz für US-Unternehmen, sind kein nebensächlicher Teil der US-Geschichte. Im Oktober 1983 landeten Marineinfanteristen auf der Karibikinsel Grenada. Die „Urgent Fury“ (Dringliche Wut) genannte Operation sollte ein paar hundert US-Studenten „retten“. Waffen wurden beschlagnahmt, genug, „um Tausende von Terroristen auszurüsten“, wie der damalige Präsident Ronald Reagan behauptete. Und der Bau eines angeblichen kubanischen Luftwaffenstützpunktes wurde gestoppt, der in Wirklichkeit ein Flughafen war.

Maduro wird den „Fall Manuel Noriega“ sicher kennen

Im Dezember 1989 befahl George H. W. Bush eine Invasion gegen Panama. Die „Operation Just Cause“ (Gerechte Sache) brachte Staatschef Manuel Noriega zu Fall. Mehrere hundert Panamesen kamen ums Leben, ebenso angeblich 23 Angehörige der US-Armee. Noriega wurde bei einem Prozess in den USA als „Drogenschmuggler“ wegen Geldwäsche und sonstiger Vergehen zu 40 Jahren Haft verurteilt. Maduro dürfte das wissen. Der übermächtige Angriff auf Panama stieß dort nur auf begrenzten Widerstand. In den USA hielt sich die Kritik in Grenzen. Die Operation sei doch ein Erfolg gewesen, hieß es.

Gegenwärtig kreuzt der Flugzeugträger „Gerald Ford“ in der Karibik und hat Marschflugkörper an Bord, um sie gegebenenfalls weit nach Venezuela hineinzuschicken und Luftattacken vorzubereiten. Es geht nicht um Angriffe auf die im Vergleich zu diesem Schiffskoloss winzigen Drogenboote. Das Gerede davon ohne Beweise ist bestenfalls Vorwand, der sich gut macht zu PR-Zwecken. Trump hat Mitte Oktober behauptet, jedes zerstörte Boot bedeute 25.000 gerettete Menschenleben in den USA. Pete Hegseth gab an, die Drogenkartelle seien heute „die al-Qaida der westlichen Hemisphäre“.

Chevron darf erst einmal weiter Öl aus Venezuela in die USA liefern

Die Realität ist eine andere. In den USA hat das in der Tat große Drogenproblem viel mit dem Opioidanalgetikum Fentanyl“ zu tun, das laut Regierung von April 2024 bis April 2025 76.500 Menschenleben gekostet hat. Und „Fentanyl“ kommt nicht aus Venezuela. Das Außenministerium hat China und Mexiko als Quellen identifiziert.

Gegenwärtig genießt Präsident Trump die offenkundig großen Bühnen, die er bei seiner Asienreise betreten kann. Vielleicht denkt jemand in seinem Umfeld an die katastrophalen Folgen des falsch eingeschätzten letzten großen „Regime Change“, der mit dem Angriff auf den Irak im Frühjahr 2003 begann – ein Land, in dem US-Streitkräfte heute noch im Einsatz sind. Venezuela müsste schneller gehen, glaubt man.

Der „Regime Change“ in Bagdad ist dem Ansehen des republikanischen Präsidenten George W. Bush nicht gut bekommen. Irak hat die USA zu viel gekostet. Es gab 4.800 Gefallene bis zum Ende der Besetzung des Landes 2011.

Jedenfalls darf der Erdölkonzern Chevron mit Donald Trumps Segen erst einmal weiterhin Öl aus Venezuela in die USA liefern.