Chinesischer Börsenboom: Chinas Milliardäre profitieren von Trump und Xi

Das Vermögen der reichen Oberschicht in China ist dank des Börsenbooms in der Volksrepublik stark gestiegen. Seit dem vergangenen Jahr konnten die Milliardäre sich über ein Plus von 42 Prozent oder neun Billionen RMB freuen, umgerechnet etwas mehr als eine Billion Euro. Das hat das Shanghaier Analysehaus Hurun berechnet, das jedes Jahr eine Liste der reichsten Chinesen erstellt. Stichtag war der 1. September.

Insgesamt schafften es 1434 Superreiche auf die Liste und übersprangen die Schwelle von fünf Milliarden RMB, rund 600 Millionen Euro. Das waren 340 Personen mehr als im Vorjahr und so viele wie noch nie, seit die Schwelle vor vier Jahren auf fünf Milliarden RMB angehoben wurde. Die Zahl der Dollarmilliardäre stieg um 268 auf insgesamt 1021. Hurun zählt auch Milliardäre aus Taiwan mit, die aber weniger als ein Zehntel der Liste ausmachen.

Besonders viele neue Milliarden konnten demnach die Unternehmer hinter Chinas Elektroautoboom, Gründer aus dem KI-Bereich und der Biomedizin und die Köpfe hinter Konsummarken in ihren Depots begrüßen. Die chinesische Regierung hat mit den Leitlinien für den kommenden Fünf-Jahres-Plan gerade ihre Unterstützung für die heimische Hightech-Industrie bekräftigt.

Lei Jun, Chef des Elektronikkonzerns Xiaomi , verzeichnete den größten Vermögenszuwachs. Xiaomi ist im vergangenen Jahr mit viel Erfolg in die Autobranche eingestiegen. Sein Reichtum legte um 196 Milliarden RMB, umgerechnet fast 24 Milliarden Euro auf insgesamt rund 40 Milliarden Euro zu. Chen Tianshi, Gründer des chinesischen Nvidia-Konkurrenten Cambricon , wurde um 18 Milliarden Euro reicher. Der globale Hype um die Labubu-Puppen bescherte dem Pop-Mart -Chef Wang Ning einen Vermögenszuwachs von 19 Milliarden Euro.

Der reichste Chinese ist in diesem Jahr wieder Zhong Shanshan, Gründer des Getränkeriesen Nongfu Spring , dessen Wassermarke in China allgegenwärtig ist. Sein Vermögen wuchs um mehr als die Hälfte auf 530 Milliarden RMB, umgerechnet rund 64 Milliarden Euro. Damit verdrängte er den Bytedance -Gründer Zhang Yiming, zu dessen Imperium unter anderem die Tiktok-App zählt, auf Platz zwei. Der kam auf ein Vermögen von umgerechnet rund 57 Milliarden Euro, ein Plus von einem Drittel. Knapp ein Viertel der reichsten Chinesen sind Frauen, ihre Vermögen liegen aber weit hinter der Spitze.

F.A.Z.

Für das Vermögenswachstum sind die steigenden Börsenkurse verantwortlich. Die Indizes in Hongkong, Shanghai und Shenzhen legten bis zum Stichtag um 36 bis 54 Prozent zu. Der Börsenboom hat diverse Gründe im In- und Ausland. Zum einen wird Chinas geopolitische Position deutlich positiver eingeschätzt. Das liegt vor allem daran, dass die Volksrepublik den USA im von US-Präsident Donald Trump angezettelten Handelskrieg Paroli bieten konnte. In den kommenden Tagen sollen sich Trump und Chinas Präsident Xi Jinping in Südkorea treffen.

Zum anderen trieb die Regierung in Peking Ende vergangenen Jahres mit Konjunkturmaßnahmen die Börsen, die die zuvor dahindümpelnden Märkte erstmals wieder in Schwung brachten. Im Frühjahr traf sich Xi dann mit prominenten chinesischen Unternehmern und schüttelte dabei auch Alibaba -Mitgründer Jack Ma die Hand, gegen den die Regierung zuvor noch eine Kampagne gefahren hatte. Das signalisierte der Privatwirtschaft, dass sie in der Gunst der Regierung wieder höher im Kurs steht. Slogans der Kommunistischen Partei, die für größere Umverteilung stehen, traten dagegen in den Hintergrund.

Noch stärker aber trieb der sogenannte Deepseek -Effekt die Börsen. Das chinesische Start-up für Künstliche Intelligenz hatte Anfang des Jahres ein KI-Modell veröffentlicht, das es mit der amerikanischen Konkurrenz aufnehmen konnte und damit ein Börsenbeben ausgelöst.

Seitdem hat sich der Blick internationaler Anleger auf Chinas Tech-Szene stark zum Positiven gewandelt. Der Deepseek-Gründer Liang Wenfeng findet sich allerdings noch nicht selbst auf der Liste, da Deepseek bisher, soweit bekannt, keine externen Investoren hat oder an der Börse gelistet ist. Er könne aber in drei Jahren Chinas reichster Unternehmer werden, schreiben die Hurun-Autoren.

Source: faz.net