Nach Rekordwerten: Kakaopreise plumpsen hinauf den niedrigsten Stand seit dieser Zeit so gut wie zwei Jahren

Die Kakaopreise haben den tiefsten Stand seit 20 Monaten erreicht. Damit endet vorläufig eine zweijährige Rally, die mit Rekordpreisen global auch die Schokoladenhersteller unter Druck gesetzt hat. Angesichts einer verbesserten globalen Versorgungslage setzen Hedgefonds nun zunehmend auf fallende Kurse.

An der Londoner Börse fiel der Preis für Kakao zur Lieferung im Dezember am Montag um mehr als ein Prozent auf zuletzt 4086 Pfund und bewegt sich weiter in überverkauftem Terrain. In New York gab der Preis um etwa zwei Prozent auf zuletzt 5800 Dollar nach. Im Mai waren es noch zeitweise mehr als 11.500 Dollar, im Dezember 2024 sogar mehr als 12.000 Dollar. Das gleiche Bild zeige sich an der Londoner Börse. Bis Anfang des Jahres hatten sich die Preise innerhalb von rund zwölf Monaten noch verdreifacht, aktuell liegen sie bei rund 60 Prozent ihres Höchststands vom Frühjahr.

„Lächerliche Höchststände“ von Kakaopreisen

„Wir hatten absolut lächerliche Höchststände, die langfristig nicht nachhaltig waren“, sagte Rohstoffanalyst Oran van Dort der „Financial Times“. Die Preise seien das ganze Jahr über gesunken, doch besonders seit Mitte August mache sich ein Abwärtstrend bemerkbar.

Die Preise der Kakao-Futures, mit denen Käufer und Verkäufer den Handel von Kakao zu einem festgelegten Preis und für einen bestimmten Zeitpunkt vereinbaren, haben sich seit dem Jahreswechsel – als sie aufgrund schlechter Ernten, die den Markt erschütterten, ihren Höchststand erreichten – fast halbiert. Gründe dafür sind die Erwartung einer höheren Produktion und eine nachlassende Nachfrage. Die Aussichten für das Angebot wurden zuletzt auch durch Preiserhöhungen der wichtigsten Anbauländer Elfenbeinküste und Ghana gestärkt – ein Schritt, der die Bauern dazu ermutigen könnte, den Verkauf zu beschleunigen und in Betriebsmittel zu investieren.

Wirkt sich der Rückgang von Kakaopreise auf die Supermarktpreise aus?

Der Preisrückgang in diesem Jahr dürfte für Verbraucher eine gute Nachricht sein, nachdem die Schokoladenpreise infolge der massiven Rally am Kakaomarkt stark gestiegen sind. Allerdings bleiben die Terminpreise historisch hoch, und die Schokoladenhersteller arbeiten weiterhin teure Lagerbestände ab. Das bedeutet, dass der Vorteil für die Supermarktkäufer noch auf sich warten lassen könnte.

Der Markt beobachtet genau, wie sich das Wetter in den wichtigsten Anbauländern zum Start der neuen Saison entwickelt. Die globale Produktion könnte im Erntejahr 2025/26 den Verbrauch um etwa 186.000 Tonnen übersteigen – mehr als das Doppelte des Vorjahresüberschusses, ergab eine Umfrage von Bloomberg im vergangenen Monat.

Kakao-Produzenten haben kaum von Rekordpreisen profitiert

„Im Gegensatz zum Vorjahr scheinen sich die Wetterbedingungen in Westafrika zu stabilisieren, und die Marktteilnehmer warten gespannt auf die ersten Ankünfte der neuen Ernte“, schrieb das in Hamburg ansässige Handelshaus Hanseatic Cocoa & Commodity Office in einer Mitteilung mit Blick auf die Bohnenanlieferungen an den Exporthäfen. Der Preisrückgang geht mit einer zunehmend pessimistischeren Haltung der Hedgefonds einher. Ende September hielten diese die größten Leerverkaufspositionen in Londoner Kakao seit drei Jahren.

Von den zwischenzeitlichen Rekordhochs der Kakaopreise haben die Produzenten kaum profitiert.
Von den zwischenzeitlichen Rekordhochs der Kakaopreise haben die Produzenten kaum profitiert.dpa

Von der Rekordfahrt des Kakaopreises haben die Produzenten kaum profitiert, zeigt das „Kakao-Barometer“ des internationalen Netzwerks „Voice Network“ und der Entwicklungsorganisation Solidaridad. Gründe sind Ernteausfälle, steigende Kosten, Auswirkungen des Klimawandels und langfristige Lieferverträge, die verhindern, dass höhere Weltmarktpreise bei den Produzenten ankommen.

Source: faz.net