Private Equity: Triton sieht Umbruch welcher Industrie qua Kaufchance

Während sich Private Equity in Deutschland weiter zurückhält, fällt der Finanzinvestor Triton mit bedeutenden Transaktionen auf. In den vergangenen Monaten verkaufte er bedeutende Beteiligungen und erwarb eine Sparte von Bosch. Nun will er wieder verstärkt in den Kaufmodus übergehen. „Weil wir als Triton die Großwetterlage extrem attraktiv finden“, sagt Deutschlandchef Claus von Hermann im Gespräch mit der F.A.Z. Das schwedische Private-Equity-Haus greift typischerweise stark ins operative Geschäft seiner Unternehmen ein – und sieht deswegen im Umbruch der hiesigen Industrie gute Gelegenheiten.
„Deutsche Unternehmen haben enorme Herausforderungen“, sagt von Hermann. Zum einen sei der asiatische Markt als Endmarkt und für die Lieferketten wahrscheinlich in seiner bisherigen Form weggebrochen. „Eine große Herausforderung, die viele Firmen bewerkstelligen müssen, ist: „‚Wie bringe ich die Lieferkette nach Europa?‘ Sprich: Wie kann ich in Osteuropa eine Lieferkette aufbauen?“. Zum anderen lasteten die Energiekosten auf Unternehmen, zum Beispiel in der Chemie. Drittens gebe es die branchenspezifischen Schwierigkeiten der Automobilindustrie.
Zuneigung vom Finanzinvestor
Großkonzerne hätten aber nur eine begrenzte Zahl von Topmanagern und setzten diese dann auf die brennendsten Themen an, nicht auf Randgeschäfte. Letztere verkauften sie, um sich aufs Kerngeschäft zu konzentrieren. Beispiel: Bosch. Von dem Stuttgarter Technikkonzern übernahm Triton im Sommer ein Geschäft für Sicherheits- und Kommunikationstechnik im Wert von 700 Millionen Euro, es firmiert inzwischen als Keenfinity.
„Wir sehen uns als Investor, der Unternehmen aufbaut, umbaut, strategisch klarer positioniert“, sagt von Hermann. Ein Finanzinvestor könne Sparten verbessern, die „in diesen Großkonzernen vielleicht nicht die Zuneigung bekommen haben, die ihnen besser getan hätte. Für uns sind alle Investitionen Kerngeschäfte – das heißt, wir haben höchstmögliche Zuneigung für diese Geschäfte, um sie zu verbessern.“ Im Anschluss könne man sie Jahre später wieder an ein Industrieunternehmen – im Branchenjargon „Strategen“ – weiterreichen.
Genau das tut Triton gerade mit der Fläkt Group , die für 1,8 Milliarden Euro einschließlich Nettoverbindlichkeiten an den Elektronikkonzern Samsung gehen soll. Triton hatte im Jahr 2014 die Wärmeaustauschersparte des Maschinen- und Anlagenbauers Gea erworben und einen Teil des Geschäfts in Kelvion umbenannt. Andere Teile des Gea-Geschäfts wurden abgetrennt – die Einheit Denco-Happel – und 2016 für sie die Fläkt Woods Group zugekauft, die früher zu ABB gehörte. Beide fusionierten. Fläkt bietet Lüftungen für Büros, Hotels, Kliniken, Fabriken und Rechenzentren an, Letztere machen dem Vernehmen nach inzwischen 40 Prozent des Auftragseingangs aus.
Von der Aldi-Kiste bis zum Panzergetriebe
Schlüsselkunden sind laut Branchenkreisen IT-Konzerne mit Datenzentren wie Google und Microsoft. Samsung will mit dem Erwerb auch vom Aufschwung der Rechenzentren profitieren, die gekühlt werden müssen. Kelvion schließlich geht an den US-Investor Apollo. Nach Aussage aus Finanzkreisen wird das Unternehmen mit rund zwei Milliarden Euro einschließlich Schulden bewertet.
Am Panzergetriebehersteller Renk hat Triton gerade die letzten Aktien verkauft. Schließlich ist noch eine vierte Triton-Beteiligung in einen Verkauf verwickelt – allerdings ohne dass Triton dabei Anteile abstößt. Es geht um den Logistiker Ifco, dessen Klappkisten Verbrauchern täglich in Supermärkten wie Rewe oder Aldi begegnen. Ifco gehört bisher zu gleichen Teilen Triton und dem Staatsfonds Adia aus Abu Dhabi. Adia gibt nun sein Paket an den US-Investor Stonepeak ab. Das Unternehmen insgesamt wird nach Auskunft aus Finanzkreisen in der Transaktion mit mehr als fünf Milliarden Euro bewertet.
Die Verkäufe finden zu einer Zeit statt, in der sich Private Equity mit dem Ausstieg aus seinen Beteiligungen schwertut – sei es, weil die gewünschten Bewertungen nicht durchzusetzen sind, sei es, dass Kaufinteressenten die Finanzierung zu höheren Kreditkosten nicht stemmen. Die Beratungsgesellschaft Grant Thornton rechnet vor: Rund 100 Unternehmen erreichen in diesem Jahr den Zeitpunkt, zu dem sie eigentlich verkauft werden sollen, „während mehr als 400 bereits den fünfjährigen Standard überschritten haben und damit als überfällige Portfoliounternehmen gelten“.
Der Investitions- und Veräußerungsdruck sei „spürbar hoch“, beobachtet Burc Hesse, Private-Equity-Spezialist der Kanzlei Latham & Watkins. „Gleichzeitig wird es zunehmend komplexer und langwieriger, Deals auch tatsächlich zum Abschluss zu bringen.“ Die Fachleute von Roland Berger schätzten im Sommer, die Talsohle im deutschsprachigen Raum sei erreicht. Das erste Halbjahr habe sechs Prozent mehr Private-Equity-Transaktionen hervorgebracht als die Vergleichsperiode des Vorjahres.
Bank beauftragt für Verkauf von Leadec
Triton hält sich seine Erfahrung in der Steuerung von Unternehmen und seiner Vernetzung in Deutschland zugute. „Wir sind seit 25 Jahren hier unterwegs. Wir kennen alle: von [den Leuten in] Berlin bis zur IG Metall“, sagt von Hermann. Und man könne den Leuten sagen: „Ich fliege hier nicht gerade mal eben schnell aus New York ein.“
Private-Equity-Gesellschaften reichen Unternehmen momentan häufig untereinander weiter. Mit der Veräußerung Fläkts an Samsung gelingt Triton eine der recht wenigen Veräußerungen an einen „Strategen“. Ein anderes Beispiel liefert soeben der Konkurrent DBAG : Er verkauft seinen Elektronikspezialisten Duagon für rund 500 Millionen Euro plus einer möglichen Erfolgsprämie an den Nutzfahrzeug- und Zugzulieferer Knorr-Bremse.
Triton hält momentan 13 Unternehmen in Deutschland, darunter formell auch noch Fläkt und Kelvion, deren Verkauf vereinbart, aber noch nicht abgeschlossen ist. Die anderen Beteiligungen kommen – entsprechend dem Geschäftsmodell eines Investoren auf Zeit – früher oder später in den Verkauf. Nach Aussage von Hermann sind im internationalen Portefeuille des Investors für mindestens fünf Firmen Investmentbanken als Berater beauftragt. Von den deutschen Unternehmen seien die Pläne nur in einem Fall schon so konkret. Dabei geht es – wie von der F.A.Z. schon im April berichtet – um den Industriedienstleister Leadec, der früher zu Voith gehörte. Im Markt heißt es, UBS sondiere. 2026 könnten Pläne für weitere deutsche Beteiligungen konkret werden: „Wir haben Ideen für nächstes Jahr, aber noch keine Banken mandatiert“, sagt von Hermann.