Russlands Finanzbrücke: Moskau lässt die Raiffeisen-Bank nicht möglich sein

Der geplante Rückzug der Wiener Raiffeisen Bank International (RBI) aus Russland bleibt ungewiss. Seit der Invasion Russlands in die Ukraine gibt es derartige Bemühungen des zweitgrößten Geldhauses in Österreich. Doch kommt das Institut nicht voran. Nun ist wieder eine Veräußerung gescheitert, wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Verweis auf mit der Transaktion vertraute Personen berichtet. Die russischen Behörden hätten das Vorhaben untersagt. Russland versuche damit, eine seiner wichtigsten finanziellen Brücken in den Westen aufrechtzuerhalten, vor allem für Energiezahlungen.

Raiffeisen wollte sich auf Anfrage nicht konkret äußern. Die Bank teilte mit, sie verringere ihr Geschäft im Einklang mit den Vorgaben der Europäischen Zentralbank (EZB). Parallel werde über einen Verkauf der Tochtergesellschaft verhandelt. Ein Zeitplan könne wegen zahlreicher behördlicher Genehmigungen nicht genannt werden.

RBI dient Moskau für Geldtransfers

Die erfolglosen Verkaufsbemühungen würden die Schlüsselrolle der österreichischen Bank für den russischen Zahlungsverkehr in den Westen unterstreichen, schlussfolgert Reuters. Der russische RBI-Ableger ist das größte westliche Finanzinstitut des Landes. Es unterliegt nicht den weitreichenden Sanktionen der Vereinigten Staaten im Zuge des Ukrainekrieges, die Konkurrenten vom internationalen Zahlungsverkehr weitgehend abgeschnitten haben. Moskau wolle die Bank daher als einen zentralen Kanal für Geldtransfers erhalten, heißt es. Bei einem Verkauf bestehe die Sorge, dass ein russischer Käufer die Aufmerksamkeit der Vereinigten Staaten auf sich ziehen und sanktioniert werden könne. Ein solches Risiko wollten die russischen Behörden nicht eingehen, hieß es weiter.

Es ist nicht der erste Rückschlag für RBI. Der Vorstandsvorsitzende Johann Strobl hatte in der Hauptversammlung im Frühjahr eingeräumt, dass die Bank zweimal mit Verkaufsplänen bei den russischen Behörden gescheitert sei. Auch andere westliche Institute kommen in ihren Rückzugsplänen kaum voran. Die niederländische Bank ING teilte vorige Woche mit, dass der Abschluss des angekündigten Verkaufs ihrer russischen Gesellschaft sich verzögere.

Vier Milliarden Dollar für Öllieferungen über die Türkei

Als Beispiel für die Bedeutung der RBI wird die Abwicklung von Zahlungen für die Turk-Stream-Pipeline genannt. Diese ist Russlands einzige verbliebene Route für Erdgaslieferungen über Pipelines nach Europa und damit eine wertvolle Einnahmequelle. Die Röhre verläuft von Russland über das Schwarze Meer bis zur türkischen Küste und versorgt mehrere süd- und südosteuropäische Länder. Über die Türkei lieferte Russland seit Jahresbeginn Gas für vier Milliarden Dollar.

Diese Zahlungen sind bisher vom Westen gebilligt, könnten angesichts der Entwicklungen jedoch stocken. Amerikas Präsident Donald Trump hatte erklärt, die USA seien zu einem schärferen Vorgehen gegen Russland bereit. Voraussetzung sei, dass die Europäer kein Öl und Gas mehr von dort bezögen. Damit finanziere Russland den Ukrainekrieg, sagte Trump.

RBI wollte sich zu den Geldflüssen nicht direkt äußern. Das Finanzinstitut verwies darauf, dass Zahlungstransaktionen aus Russland erheblich verringert worden seien. Seit Beginn des Krieges habe man das Kreditvolumen um rund zwei Drittel gekürzt.

Die besondere Stellung und hohe Zinsen auf Einlagen bei der russischen Zentralbank hätten es dem russischen RBI-Arm ermöglicht, während des mehr als drei Jahre andauernden Krieges in der Ukraine ein Eigenkapital von rund sieben Milliarden Euro anzuhäufen, heißt es in der Reuters-Meldung. Das Geld stecke jedoch in Russland fest. Das Russland-Geschäft war für lange Zeit eine wichtige Einnahmequelle für Raiffeisen Bank International.