Weltraumkongress des BDI: Die Raumfahrtreferate funktionieren im luftleeren Raum

Endlich mal keine Wortmeldungen zum Bürgergeld oder der Erbschaftsteuer – der Weltraumkongress in Berlin bot eine willkommene Abwechslung zu den sonst in Dauerschleife laufenden Debatten. Statt um Umverteilung ging es dort um Wachstumschancen in einem Markt, der sicherheitspolitisch von hoher Bedeutung ist.

Ob die Prognose einer Beratungsgesellschaft stimmt, dass die Raumfahrttechnik im Jahr 2040 ein Markt von zwei Billionen Euro ist, bleibt abzuwarten. Klar ist angesichts der Bedrohung durch Russland auf der einen und des Unsicherheitsfaktors Trump auf der anderen Seite: Europa muss seine Abhängigkeiten reduzieren. Dies ist Pflicht und Chance zugleich. Während traditionelle Indus­triezweige wie die Auto- und Stahlindustrie schrumpfen, lässt sich im Bereich der Raumfahrt die indus­trielle Wertschöpfung steigern.

Gute Grundlagen für Führungsrolle

Deutschland hat gute Voraussetzungen, in diesem Markt die führende Rolle zu spielen. Die Absolventen der technischen Hochschulen sind bestens qualifiziert, die Forschungsgesellschaften genießen einen ausgezeichneten Ruf. An innovativen Start-ups an der Schnittstelle zwischen Raumfahrt und Verteidigung mangelt es ebenfalls nicht. Deutschland ist nicht so stark verschuldet wie Frankreich, was staatliche Investitionen einfacher macht. Dass die Bundesregierung die Raumfahrt prominent in den Titel eines Ministeriums gehoben hat, war richtig. Doch noch gibt es in Berlin zu viel Symbol- und zu wenig Realpolitik.

Seit Monaten ringen Wirtschafts- und Raumfahrtministerium um Planstellen und Haushaltstitel. Die Raumfahrtreferate arbeiten aktuell im luftleeren Raum. Das fördert kein Wachstum, sondern bremst es. Die 35 Milliarden Euro für Weltraumprojekte bis 2030, die Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) am Donnerstag angekündigt hat, sind eine wuchtige Ansage. Doch Pistorius sollte die Lockerung der Schuldenbremse für Verteidigungszwecke nicht zu sehr ausreizen. Viel wäre schon durch eine bessere Zusammenarbeit mit Frankreich gewonnen, Deutschlands wichtigstem Partnerland in der Raumfahrt. Das derzeitige Pochen auf nationale Interessen schwächt die Position Europas, statt sie zu stärken.