Campus z. Hd. Rüsselsheim: Opel-Neubau mit „modern german Arbeitsumgebung“

Wenn die Spaten in den eigens dafür aufgeschütteten Sandhaufen gestochen werden, geht es vor allem um Symbolik und um positive Botschaften. So war es denn auch am Donnerstag: beim offiziellen Baubeginn für die neue Firmenzentrale des Autoherstellers Opel in Rüsselsheim, die außerdem die für das Stellantis-Deutschlandgeschäft zuständigen Kollegen aufnehmen soll. Genau Zahlen oder wenigstens eine vage Angabe dazu, wie viel Geld für den geplanten „grEEn Campus“ an der Mainzer Straße ausgegeben wird oder wie viele Beschäftigte später einmal in dem fünfgeschossigen Gebäude arbeiten sollen, waren aber nicht zu bekommen.

Nur so viel wurde verraten: Zum Jahreswechsel 2026/27 könnten vermutlich die ersten Beschäftigten in den auf einem 100.000 Quadratmeter großen Grundstück geplanten Neubau ziehen. Dort sollen fortan die Opel- und Stellantis-Verwaltung sowie Forschungs- und Entwicklungsabteilungen und ein Prototypen produzierendes Designzentrum Platz finden. Der rundum begrünte, aber auch schon nachhaltig zu bauende und später zu betreibende Unternehmenssitz sowie die angrenzenden Produktionshallen werden letztlich alles sein, was vom alten Opel-Werk übrig bleibt. Ein Großteil der nicht mehr benötigten Flächen, alles in allem geht es um rund 700.000 Quadratmeter zwischen Mainzer Straße und Bundesstraße 43, hat der belgische Immobilienentwickler VGP bereits 2023 übernommen, der auf einem Teil des Areals nun auch den modernen „grEEn Campus“ realisiert. Wobei das doppelte EE für „employees“ und „environment“ – also für Mitarbeiter und Umwelt – stehe.

Opel-Chef: „Wir bauen nicht nur ein Gebäude“

Ähnliche Campus-Projekte wie in Rüsselsheim gibt es laut Florian Huettl, dem Opel-CEO und Deutschlandchef von Stellantis, aktuell auch an den Standorten Poissy in Frankreich und Mirafiori in Italien. Mit diesen Vorhaben und dem gesamteuropäischen Konzept werde die Basis für die Zukunft gelegt. „Wir bauen nicht nur ein Gebäude, sondern schaffen eine Perspektive für die nächsten Generationen“, sagte Huettl in seiner kurzen Ansprache in einer zum Abriss freigegebenen Werkshalle. Der Spatenstich für den Neubau, für den auch Rüsselsheims Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU) zum Tor 65A gekommen war, sei „nicht nur ein symbolischer Akt, sondern ein Versprechen an die Mitarbeiter“.

Umso erfreulicher sei es für die Stadt und ihre Bürger, dass sich Opel und Stellantis mit dem neuen Campus eindeutig zum bisherigen Standort des Automobilherstellers bekennen, sie Bürgermeister Burghardt sagte. Im Westen von Rüsselsheim soll darüber hinaus in den nächsten Jahren ein neues Gewerbequartier entstehen, bei dem die Stadt eng mit dem europaweit aktiven Immobilienentwickler VGP zusammenarbeiten wolle. Bei alledem, was in Rüsselsheim bei der Entwicklung, Modernisierung oder Umnutzung der bereits neu bebauten oder noch genutzten Fläche zu tun sei, handele es sich um das „größte Brownfield-Projekt in der Unternehmensgeschichte“, erklärte VGP-Chef Jan Van Geet.

Schattenspendende Balkone und ein begrüntes Dach

Der Opel-Neubau selbst soll offen, gläsern und gut für die Kommunikation sein: also etwa mit natürlichem Licht und hochwertigen Materialien eine „modern german Arbeitsumgebung“ bieten, wie es hieß. Schattenspendende Balkone, ein begrüntes Dach mit integrierter Photovoltaikanlage und der Einsatz nachhaltiger Baustoffe sollen dafür sorgen, dass der Anspruch, einen grünen, sprich: möglichst CO2-neutralen Campus zu schaffen, tatsächlich eingelöst werde.

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Und trotz des vorgesehenen Parkhauses wirkt die nähere Umgebung des Gebäudes, in dem hochmoderne und für flexibles Arbeiten taugliche Büroplätze entstehen sollen, auf den Entwürfen derart stark begrünt, dass sich der Betrachter wohl eher inmitten eines Naturschutzgebiets denn in Rüsselsheim wähnt. In der Realität sind allerdings jetzt erst einmal die Bagger und Baufahrzeuge dran, um Platz für all das zu machen, was im und rund um den Campus an der Mainzer Straße in den nächsten 24 Monaten wachsen und gedeihen soll.