Nach dem Schuldspruch versucht sich jener Trump-Schütze selbst zu erstechen
Drei Wochen dauerte der Prozess gegen Ryan Routh, der auf einem Golfplatz den damaligen Präsidentschaftkandidaten Donald Trump erschießen wollte. Am Ende griff Routh zu einem Stift und wollte sich offensichtlich umbringen.
Ryan Routh wurde von den Geschworenen in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen. Ja, er habe im vergangenen September versucht, den damaligen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump bei einer Rede in seinem Golfclub in West Palm Beach zu ermorden. Daran gäbe es keinen Zweifel. Nach dieser Urteilsverkündung nahm Routh einen Stift und versuchte, sich selbst in den Hals zu stechen. US-Marshals stürzten sich auf ihn und verhinderten den angedachten Selbstmord.
Im Publikum saß Rouths Tochter Sara. Sie soll laut Fox News aufgesprungen sein und geschrien haben: „Tu nichts! Ich hole dich da raus! Was zur Hölle, verdammt, er hat niemandem wehgetan. Das ist nicht fair. Das ist alles manipuliert – ihr seid alle widerlich.“ Die Jury war zu diesem Zeitpunkt noch im Saal.
Fast drei Wochen hatte der Prozess gedauert. Die Staatsanwälte mussten den Geschworenen zwei Dinge beweisen: Erstens, dass der Angeklagte die Absicht hatte, das Verbrechen zu begehen, und zweitens, dass der Angeklagte „wesentliche Schritte“ unternommen hatte, um dies zu tun.
Bankunterlagen wurden offengelegt
Hunderte Beweisstücke, darunter Anrufprotokolle, Textnachrichten, forensische Beweise und Überwachungsaufnahmen wurden geprüft. Rouths Handlungen sollten so genau nachverfolgt werden können. Bankunterlagen wurden offengelegt, um Routh mit dem Kauf eines halbautomatischen Gewehrs vom Kaliber 7,62 x 39 von SKS in Verbindung zu bringen. Jenem Gewehr, das später in der Nähe von Trumps Golfplatz gefunden wurde.
Sachverständige bestätigten, dass die Waffe funktionsfähig war. Forensische Experten sagten, der Fingerabdruck auf dem Zielfernrohr gehöre zu Routh. Sie verknüpften Rouths DNA außerdem mit Übereinstimmungen auf dem Gewehr sowie auf Handschuhen, einer Tasche und anderen Gegenständen, die gefunden wurden.
Routh verzichtete auf einen Anwalt und vertrat sich selbst. Er konnte keine Beweise vorlegen, die vor Gericht als zulässig erachtet wurden. Er beendete seine Verteidigung nach der Befragung von nur drei Zeugen – zwei davon waren Freunde, die während des späteren Kreuzverhörs jedoch zugaben, dass sie Routh seit Jahren nicht gesehen oder mit ihm gesprochen hatten.
„Das war kein Publicity-Gag“, sagte der stellvertretende US-Staatsanwalt Christopher Browne vor der Jury. „Die Beweise haben nur eines gezeigt: Der Angeklagte wollte Donald Trump tot sehen.“ Browne erinnerte die Geschworenen daran, dass im Magazin des am Tatort sichergestellten SKS-Gewehrs 19 Patronen gefunden wurden, darunter eine in der Kammer.
38 Zeugen für die Anklage
Insgesamt 38 Zeugen sagten für die Anklage aus. In seinem Schlussplädoyer erwähnte der Staatsanwalt 17 „Erkundungsreisen“, die Rough angeblich zu Trumps Golfplatz unternommen hatte, er nannte es übermäßiges Stalking von Trump vor dem fraglichen Vorfall am 15. September 2024. Es gebe „keinen Zweifel, keinen vernünftigen Zweifel, überhaupt keinen Zweifel daran, dass es dieser Mann war…“, sagte Browne, hielt kurz inne, um dann auf Routh zu zeigen und weiterzusprechen: „…der sich„im Scharfschützennest versteckt hat.“
Am Ende hatten die Geschworenen mehrere Stunden beraten. Mit dem Ergebnis, dass sie den 59-Jährigen in allen fünf Anklagepunkten schuldig fanden gesprochen. Unter anderen den Versuch, einen wichtigen Präsidentschaftskandidaten zu ermorden, ein Angriff auf einen Bundesbeamten und mehrere Waffendelikte. Als Höchststrafe sehen diese Anklagepunkte eine lebenslange Haft vor.
fro
Source: welt.de