Debatte um Preiserhöhung: Kommt in Kürze dies 64-Euro-Ticket?

Nach einer kräftigen Preissteigerung des Deutschlandtickets Anfang des Jahres könnte bald die nächste Erhöhung anstehen: Vor einem Sondertreffen der Verkehrsminister am Donnerstag in München ist von bis zu 64 Euro im Monat für das deutschlandweite ÖPNV-Ticket die Rede. Im Kreis der Landesverkehrsminister sorgt das für neuen Ärger – die Finanzierung des hoch subventionierten Deutschlandtickets ist schon seit dessen Einführung im Mai 2023 die Grundlage für einen nicht enden wollenden Streit zwischen Bund und Ländern. Zuerst hatte der Newsletter „Tagesspiegel Background“ darüber berichtet.

Der nordrhein-westfälische Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) gibt der Bundesregierung die Schuld an der drohenden Preiserhöhung. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) habe anscheinend kein Interesse an einer Entlastung von Bahnkunden und sei nicht bereit, eine Finanzierungslücke zu decken, monierte er. Nach jüngsten Schätzungen des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) fehlen rund 400 Millionen Euro im Jahr. Bund und Länder schießen jedes Jahr insgesamt drei Milliarden Euro zu, um die Einnahmeverluste durch den billigeren Preis auszugleichen.

Die Pauschale für den gesamten öffentlichen Nahverkehr in Deutschland gilt in der Branche als zu günstig – mit der Einführung als 49-Euro-Ticket hatte sich der Preis für ein Abo in vielen Fällen gegenüber den damaligen Angeboten sogar mehr als halbiert. Umgekehrt hat die Begeisterung für das Deutschlandticket nach der ersten deutlichen Preiserhöhung auf 58 Euro merklich abgenommen. Hatten im Dezember 2024 noch 14,5 Millionen Menschen ein Abo abgeschlossen, sank die Zahl im Januar einer Marktforschung zufolge auf 13,4 Millionen Nutzer.

Automatisiertes System für die Preisfindung?

Krischer gilt als lautstarker Kritiker des Bundes, weil dieser sich seit Beginn weigert, seinen Anteil in Höhe von 1,5 Milliarden Euro im Jahr zu erhöhen. Allerdings tun dies auch die Ministerpräsidenten der Länder. „Das Problem wird jetzt auf Länder und Verkehrsunternehmen abgeschoben, die mehr zahlen und den Preis erhöhen sollen“, warnt Krischer. Es sei das Gegenteil von verantwortungsvoller Politik, erst Preisstabilität zu versprechen und sich dann, wenn es konkret werde, aus dem Staub zu machen. Konkret bezog er sich auf eine Passage des Koalitionsvertrags, in der CDU, CSU und SPD vereinbart haben, die Nutzerfinanzierung erst von 2029 an „schrittweise und sozialverträglich“ zu erhöhen. Seitdem wird darüber gerätselt, ob dies vorher Preiserhöhungen ausschließt.

Auch Brandenburgs Verkehrsminister Detlef Tabbert (BSW) kritisierte den neu aufgeflammten Finanzierungsstreit. „Das Deutschlandticket braucht endlich eine verlässliche Grundlage. Es muss über mehrere Jahre hinweg finanziell abgesichert sein, damit es nicht jedes Jahr neue Diskussionen über den Preis gibt.“ Die Verkehrsminister arbeiten deshalb an einem automatisierten System, mit dessen Hilfe sich die Preise weitgehend ohne politischen Einfluss ermitteln lassen. Allerdings ist dem Vernehmen nach die genannte Preisspanne zwischen 62 und 64 Euro Ergebnis einer solchen Berechnung. Ob am Donnerstag auf der Sonderministerkonferenz eine Entscheidung fällt, ist noch offen.