Abwanderung zu Neobrokern: Sparkassen verlieren Kunden an Trade Republic und Scalable

Die Sparkassen in Hessen-Thüringen spüren die Abwanderung wertpapieraffiner Kunden zu Neobrokern wie Trade Republic und Scalable Capital . Den deutlichen Anstieg des Sachaufwandes um 11 Prozent bei ansonsten stabiler Geschäftsentwicklung im ersten Halbjahr 2025 begründete Verbandspräsident Stefan Reuß am Dienstag mit Investitionen in Digitales, in den Zahlungsdienst Wero und ins Payback-Bonussystem zur Kundenbindung. „Es sind erhebliche Maßnahmen erforderlich, wir müssen einfacher und schneller für unsere Kunden werden“, sagte Reuß zu Journalisten. Die Sparkassen müssten aufholen, um im Wettbewerb mit Neobrokern mitzuhalten.

Die Vorteile der Neobroker

Stefan G. Reuß
Stefan G. Reußdpa

Reuß gab zu, dass die Sparkassen-App erweitert werden muss, etwa um den Handel mit Kryptowährungen. Für Minderjährige soll es Depots geben, mit denen die Erziehungsberechtigten Wertpapiergeschäfte tätigen können. Noch im vierten Quartal 2025 sollen Minderjährige zudem in der Sparkassen-App für Wero freigeschaltet werden können, um von Handy zu Handy Kleinzahlungen „unter Freunden“ tätigen zu können.

Die Risiken der Helaba

Schmallippig zeigte sich Reuß zum Vorhaben der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), die Immobilienbank Aareal zu kaufen. Als Verwaltungsratsvorsitzender und Vertreter des größten Trägers der Helaba wollte er das schlechte Abschneiden der Landesbank im Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht nicht kommentieren. Die Helaba hatte darin in einem Krisenszenario fast neun Prozentpunkte ihrer Eigenkapitalbasis verloren und war mit der Kernkapitalquote unter 64 europäischen Banken unter den schwächsten fünf gelandet. Reuß hieß lediglich die ordentlichen Geschäftsergebnisse der Helaba gut.

Immobilienlastig?

Nach Informationen der F.A.Z. hat die Bankenaufsicht in den 2010er-Jahren die „Immobilienlastigkeit“ der Helaba moniert – ein Vorwurf, der nach einem Kauf der Aareal wieder virulent werden könnte. Denn Aareal hat ein ähnlich großes Immobiliengeschäft wie die Helaba und ist in ähnlichem Ausmaß in US-Büroimmobilien engagiert.

Reuß wollte in dem Pressegespräch nicht sagen, ob in den „turnusgemäßen“, „guten“ Gesprächen mit der Aufsicht deren frühere Bedenken zur Immoblienlastigkeit der Helaba jüngst Thema waren und ausgeräumt werden konnten. Verbandsgeschäftsführer Manfred Üffing wollte bei der Helaba angesichts eines Immobilienkreditgeschäfts von 33 Milliarden Euro bei einer Bilanzsumme von 203 Milliarden Euro keine Immobilienlastigkeit erkennen und sprach von einer „vernünftigen Quote“. Auf die Frage, inwiefern es mit dem öffentlichen Auftrag vereinbar sei, dass die Helaba für drei Milliarden Euro Büros in den USA finanziert habe, sagte Üffing, es sei wichtig, breit in Regionen und Immobilienarten zu investieren, damit gerade keine Klumpenrisiken entstünden.

Hart ins Gericht ging Üffing mit der Bankenaufsicht. Bei der Messung von Marktrisiken bei Immobilien betreibe sie „groben Unfug“, indem sie von Sparkassen eine „Scheingenauigkeit“ verlange, die von Wirtschaftsprüfern oft nicht anerkannt werde. Deshalb gebe es in der Bilanzierung „keine Konstanz“.

Source: faz.net