Gravis nimmt kein Bargeld mehr: Das Ende der Freiheit?

Bargeld ist Freiheit, heißt es immer so schön, oder „Nur Bares ist Wahres“. Das Kalkül dahinter: Nur wenn man seine Scheine und Münzen selbst in der Tasche hat, ist man ihrer auch Herr. Was digital auf dem Konto ist, kann einem einer fix wegnehmen oder bei jedem Schritt überwachen.
Die Entscheidung von Gravis, kein Bargeld mehr anzunehmen, wird daher in den üblichen Zirkeln für einen Aufschrei sorgen. Da spielt es keine Rolle, dass nur die wenigsten überhaupt mal einen solchen Laden besucht haben, geschweige denn dort bezahlt. Genauso wenig wie die Frage, wie sinnvoll es ist, einen mehrere tausend Euro teuren Computer in bar zu bezahlen. Nicht umsonst zahlt in den Gravis-Filialen nur ein geringer Prozentsatz überhaupt noch mit Bargeld.
Denn das vergessen die Bargeld-Befürworter gern: Freiheit ist keine Einbahnstraße. Schon heute entscheiden sich viele Menschen frei, eben nicht mehr auf Bargeld zu setzen, sondern mit Karte, dem Handy oder der Uhr zu bezahlen. Genauso steht es Gravis unternehmerisch frei, eben kein Bargeld mehr zu akzeptieren, weil es viel zu teuer ist – ein wichtiger Punkt, wenn in den Einkaufsstraßen um Kundinnen und Kunden geworben wird, die nicht online bestellen wollen. Genauso frei steht es aber auch allen, ein anderes Geschäft zu wählen, in dem sie die neuesten technologischen Gadgets eben mit Bargeld erwerben. Das ist gelebte Freiheit.
Source: faz.net