8,4 Milliarden Euro: Mehr Geld zu Händen weniger Start-ups

Deutsche Start-ups haben im vergangenen Jahr 8,4 Milliarden Euro an Wagniskapital von Investoren eingesammelt. Das waren 1,3 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr und der dritthöchste von EY festgestellte Wert. Das geht aus dem neuen Start-up-Barometer des Beratungskonzerns EY hervor. Damit setzt sich der Aufwärtstrend nach eher stagnierenden Jahren im zweiten Jahr in Folge fort. Zuletzt hatte der Start-up-Verband verkündet, dass auch die Zahl der Start-up-Gründungen 2025 um 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 3569 gestiegen ist.

Allerdings fiel das zweite Halbjahr mit einer Investitionssumme von 3,8 Milliarden Euro deutlich schwächer aus als das erste Halbjahr. Es bleibe abzuwarten, ob das relativ schwache zweite Halbjahr nur ein Ausrutscher oder der Beginn eines abermaligen Abschwungs gewesen sei, kommentierte EY-Partner Thomas Prüver. Das Investitionsklima sei grundsätzlich weiterhin vielversprechend.

Aber: „Die aktuell schwindende Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Deutschland hat selbstverständlich auch Auswirkungen auf Investitionen in hier gegründete Start-ups.“ Die weitere Entwicklung des deutschen Start-up-Ökosystems werde „maßgeblich davon abhängen“, ob es gelinge, die Rahmenbedingungen für Innovation und Unternehmertum in Deutschland zu verbessern.

Immer mehr Großinvestitionen

Start-ups mit innovativen Geschäftsideen brauchen oft Jahre, um profitabel zu arbeiten, und müssen Geld in die Entwicklung neuartiger Produkte und Dienstleistungen investieren. Dafür verkaufen sie oft Anteile an ihrem Unternehmen an sogenannte Wagniskapitalinvestoren, die später von einem Verkauf oder Börsengang des Unternehmens profitieren wollen. Im Coronajahr 2021 hatten die Investitionen in Start-ups durch eine Sonderkonjunktur Rekorde gebrochen, danach ging es zunächst bergab, bis im Jahr 2024 die Trendwende folgte.

Allerdings verteilt sich das Geld auf immer weniger Start-ups. Insgesamt gab es im vergangenen Jahr 716 Finanzierungsrunden. 2024 waren es noch 755, im Rekordjahr 2021 lag die Zahl bei 1160. Im Gegenzug gab es mehr Großinvestitionen mit einem Finanzierungsvolumen von mindestens 100 Millionen Euro. Insgesamt 18 solcher Finanzierungsrunden kamen im vergangenen Jahr zustande, immerhin sechs mehr als im Vorjahr. Die Zahl kleiner Finanzierungen bis zu einer Million ging hingegen von 440 im Jahr 2024 auf 430 zurück.

Das meiste Geld floss im vergangenen Jahr nicht nach Berlin, sondern nach Bayern. Der Freistaat zementiert damit seine neue Führungsrolle in der deutschen Start-up-Szene. 2025 warben Jungunternehmen aus Bayern 3,3 Milliarden Euro ein, 969 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. An Berliner Gründer flossen 2,7 Milliarden Euro, was ebenfalls ein Plus war, und zwar von 507 Millionen Euro.

Bayern profitiert von „Tech- und Verteidigungs-Fokus“

Berlin sei nicht abgeschrieben und bleibe eine der führenden Start-up-Metropolen Europas, sagt EY-Fachmann Prüver. Doch während der Schwerpunkt der Jungunternehmen aus Berlin nach wie vor deutlich stärker auf den aktuell etwas schwächelnden Bereichen Onlinehandel und Fintech liege, profitierten bayrische Start-ups von ihrem „Tech- und Verteidigungs-Fokus“ und dem „weltweiten KI-Boom“.

Entsprechend stiegen 2025 die Investitionen in Software-Start-ups um 20 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Es folgten der Energiesektor mit 1,2 Milliarden Euro und einem Plus von 43 Prozent sowie der Gesundheitsbereich mit 1,1 Milliarden Euro, was einem Anstieg um 12 Prozent entsprach. Die größten Finanzierungsrunden des Jahres gingen mit 600 Millionen Euro an das Rüstungs-KI-Unternehmen Helsing , den Batteriegroßspeicher-Hersteller Green Flexibility mit 400 Millionen Euro und das Biotech-Unternehmen Tubulis mit 344 Millionen Euro.

Die deutsche Förderbank KfW war in der vergangenen Woche mit einer anderen Methodik allerdings zu einem weniger positiven Befund als EY gekommen. Demnach erreichte der deutsche Markt für Wagniskapital 2025 ein Investitionsvolumen von 7,2 Milliarden Euro. 2024 lag das Volumen bei 7,4 Milliarden Euro und 2023 bei 7,1 Milliarden Euro.