80. Geburtstag von Timothy Dalton: Unterschätzter James Bond

Schon mit seinen zwei Auftritten als James Bond in den 80er Jahren gab Timothy Dalton die aktuelle Richtung für 007 vor. Heute wird er 80.
Gäbe es nicht den australischen Bond-Darsteller George Lazenby (86), der nur einmal 1969 in „James Bond 007 – Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ zu 007 wurde, wäre der Brite Timothy Dalton (80) der Schauspieler mit den wenigsten Einsätzen als Doppelnull-Agent. Nur zwei Mal, in „Der Hauch des Todes“ von 1987 und dem zwei Jahre später erschienenen, ganz wunderbar betitelten „Lizenz zum Töten“, wurde er zu Bond. Und doch drückte er der Rolle seinen ganz eigenen, im Rückblick geradezu visionären Stempel auf. Aber der Reihe nach.
Er spielte neben Hollywood-Legende Katharine Hepburn
Sein Leinwanddebüt gab Dalton, Sohn eines Engländers und einer US-Amerikanerin, im Jahr 1968 – im Historienfilm „Der Löwe im Winter“ an der Seite der unsterblichen Leinwandlegenden Peter O’Toole (1932-2013) und Katharine Hepburn (1907-2003). In Historienfilmen war er in der Folge oftmals zu sehen, etwa in „Cromwell – Krieg dem König“ oder „Maria Stuart, Königin von Schottland“.
Schon Anfang der 1970er Jahre soll zudem Bond-Produzent Albert R. Broccoli (1909-1996) an den Darsteller mit den grünen Augen und damals schwarzen Haaren herangetreten sein. Broccoli erwog, Dalton die Bond-Rolle zu geben, doch fühlte sich der damals Mitte 20-Jährige nach eigener Aussage dafür noch zu jung.
Nach einem denkwürdigen Auftritt im Sci-Fi-Klassiker „Flash Gordon“ (1980) schlug dann jedoch seine große Stunde. Er löste Roger Moore (1927-2017) ab. Der unvergessene Bond der Siebziger Jahre war in Wahrheit schon in „Im Angesicht des Todes“ von 1985 viel zu alt für die Rolle gewesen. Dalton wurde zum vierten Darsteller von James Bond auf der Kinoleinwand.
„Ich erinnere mich, dass ich in einem Hotelzimmer saß und dachte: Was zum Teufel soll ich jetzt machen? Und dann dachte ich: Nun, so eine Chance bekommt man nur einmal im Leben, oder?“, erinnerte sich Dalton im vergangenen Jahr in „Vanity Fair“ an die folgenschwerste Entscheidung seiner Schauspielkarriere zurück.
Ein eher grimmiger, humorloser Bond
Sein Bond war härter, kompromissloser und verbissener als sein direkter Vorgänger. Er verlor weniger Worte und geriet seltener in die absurden Situationen, die Moores Bond legendär machten.
Dafür soll Dalton der Legende nach selbst gesorgt haben. Als großer Fan der Vorlagenromane von Ian Fleming (1908-1964) nahm er eine in seinen Augen gerechtfertigte Korrektur der Figur vor. „Für mich lebt er ganz klar im Moment“, sagte Dalton über 007. „Er steht immer am Rande seines eigenen Todes, alles ist intensiver.“
„Timothy war nicht so leichtfüßig wie Roger – er war hart, eher wie Connery“, sagte auch Regie-Legende John Glen (93), der beide Dalton-Bonds inszenierte, einmal über den Darsteller.
Im Rückblick bauen viele Bond-Fans hier eine Linie zum gerade erst abgetretenen Daniel Craig (58) auf. Dalton habe vieles von dem vorweggenommen, was der harte, kompromiss- und humorlose Craig später perfektionierte. Doch im Rückblick fällt auch auf, wie verspielt Daltons Bond immer noch war, wenn er etwa in „Der Hauch des Todes“ an der Seite von Bond-Girl Maryam d’Abo (65) auf einem Cellokasten einen Berg hinunterfuhr.
Szenendieb in Nebenrollen
Ein dritter Bond-Film mit Dalton war geplant, doch ein Rechtsstreit verzögerte die Dreharbeiten um etliche Jahre. Als Dalton dann noch einmal zu 007 hätte werden können, wollte er selbst nicht mehr – und Pierce Brosnan (72), der ihm vom Typ her sehr ähnelt, übernahm.
Für Dalton geht das im Rückblick in Ordnung. Er wünscht sich nicht, dass es für ihn mehr Bond-Filme gegeben hätte, sagte er noch im vergangenen Jahr gegenüber „Vanity Fair„. Er blieb ein vielbeschäftiger Darsteller, der besonders in Nebenrollen als Szenendieb begeistert – etwa in der Komödie „Hot Fuzz“ (2007) oder den Historienserien „The Crown“ und „1923“.
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Source: stern.de