6000 Euro weniger: Kein Chef zum Verlieben
Mit der Liebe am Arbeitsplatz ist es so eine Sache. Mit kaum jemandem verbringen Erwachsene in ihrem sozialen Umfeld so viel Zeit wie mit den Arbeitskollegen. Da kann schon einmal der Funke überspringen – auch wenn es danach schwieriger wird, Berufliches und Privates streng zu trennen.
Besonders heikel sind Romanzen mit der oder dem direkten Vorgesetzten. Dass es nicht immer gelingt, die professionelle Distanz zu wahren, zeigt nun eine Studie aus Finnland. Drei Ökonomen haben sich angesehen, wie sich das Gehalt entwickelt, wenn eine Frau eine Liebesbeziehung mit dem Chef eingeht. In dem nordeuropäischen Land sind neun Prozent der Manager in einer Beziehung mit jemandem aus demselben Unternehmen.
In den sehr transparenten finnischen Registerdaten konnten die Ökonomen identifizieren, wann ein Paar zusammenzog, wann einer von beiden die gemeinsame Wohnung wieder verließ und wie viel beide verdienten. Sie trafen die Annahme, dass Paare durchschnittlich etwa zwei Jahre vor dem Zusammenziehen in der „Dating-Phase“ sind. Um auszuschließen, dass andere Faktoren eine Rolle spielen, nutzten die Ökonomen als Kontrollgruppe Frauen, die mit einem Manager in einem anderen Unternehmen zusammen sind.
6000 Euro weniger nach der Trennung
Das Ergebnis spricht nicht für die Fähigkeit der Manager, Berufliches von Privatem zu trennen. Finnische Frauen, die nach dieser Definition eine Beziehung mit ihrem direkten Vorgesetzten eingingen, verdienten innerhalb von zwei Jahren im Durchschnitt 2000 Euro mehr, was einem Anstieg von 6 Prozent entspricht.
Doch die Büroliebschaft ist nicht ohne Risiko. Längst nicht alle Beziehungen halten, und eine Trennung kommt Frauen teuer zu stehen. Frauen, deren Beziehung mit ihrem Chef endete, verdienten im Durchschnitt im Folgejahr 6000 Euro weniger als zuvor. Das entsprach einem Abfall von 18 Prozent. Der Effekt war auch vier Jahre danach noch sichtbar.
Die Forscher konzentrieren sich auf heterosexuelle Paare, in denen der Mann der Chef ist, weil diese die überwiegende Mehrheit der Arbeitsplatzromanzen ausmachen. Die Ergebnisse hatten auch in den Fällen Bestand, in denen die Frau die Chefin war. Homosexuelle Paare waren in den Daten zu wenige vertreten.
In Deutschland sind Liebesbeziehungen am Arbeitsplatz Privatsache und können nicht vom Arbeitgeber untersagt werden. Sie dürfen allerdings keinen Interessenskonflikt verursachen und nicht die Arbeit beeinträchtigen. Wird ein Machtverhältnis ausgenutzt, kann das sogar strafbar sein.