50. Todestag von Pasolini: „Ich bin eine Kraft aus dem Vergangenen“

Als Pier Paolo Pasolini am 2. November 1975 durch einen bis heute unaufgeklärten Mord zu Tode kam, hinterließ er nicht nur das unvollendete Manuskript zu seinem „nicht romanhaften“ Roman „Petrolio“, den er in einem Brief an Alberto ­Moravia als „Präambel zu einem Testament“ ­bezeichnete. Er hinterließ auch den Drehbuch­entwurf zu einem nie realisierten Film namens „San Paolo“. Der entstand drei Jahrzehnte vor der post­modernen Paulus-Rezeption durch Alain Badiou, Giorgio Agamben, Slavoj Žižek und andere, die sich als emphatische Kontroverse über den Römerbrief zu philosophischen Fragen von Universalismus und Messianismus im Horizont aktueller Theoriebildung darstellt. Und auch lange vor Jacob Taubes’ Vorlesungen zur Politischen Theologie des Paulus von 1987 und Daniel Boyarins Lektüre von Paulus als „Radical Jew“ (1994). Anders als in dieser jüngeren Faszinationsgeschichte der paulinischen Briefe, ging es Pasolini darum, Paulus’ Denken als religiöse Herausforderung an eine spirituell verarmte Gegenwart zu adressieren.

Source: faz.net