50 Jahre Apple: Apple braucht vereinigen neuen Plan
Am 23. Januar wird in New York eine besondere Versteigerung stattfinden. Das Auktionshaus Christie’s bietet aus Anlass des zweihundertfünfzigsten Geburtstages der USA in diesem Jahr Objekte an, die den „Geist amerikanischer Geschichte und Kultur“ repräsentieren sollen. Darunter sind Kunstwerke ebenso wie Bücher und historische Dokumente. Zu diesem Sammelsurium von Gegenständen, denen Christie’s nationale Bedeutung beimisst, gehört auch der Gründungsvertrag von Apple.
Wie sein Heimatland hat auch der Elektronikkonzern in diesem Jahr einen runden Geburtstag, er wird fünfzig Jahre alt. Der Vertrag wurde am 1. April 1976 von den drei Gründern unterschrieben: Steve Jobs, Steve Wozniak und dem in der breiten Öffentlichkeit nicht annähernd so bekannten Ronald Wayne. Jobs und Wozniak wurden in der Vereinbarung jeweils 45 Prozent der Anteile an der damaligen „Apple Computer Company“ zugesprochen, Wayne 10 Prozent. Nicht einmal zwei Wochen nach der Gründung gab Wayne seine Beteiligung ab. In einem Nachtrag zum Gründungsabkommen, der zusammen mit dem ursprünglichen Dokument versteigert wird, wurden ihm dafür 800 Dollar versprochen. Heute wären zehn Prozent an Apple rund 400 Milliarden Dollar wert. Christie’s hat den Wert des Vertrages auf zwei bis vier Millionen Dollar geschätzt.
Ungewohnte Patzer bei Künstlicher Intelligenz
Es ist nicht vermessen, Apple in den Rang eines nationalen Kulturguts zu heben. Ohne Zweifel ist das Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino ein Aushängeschild der amerikanischen Wirtschaft. Geräte wie Macintosh-Computer, iPhones oder iPads haben ganze Märkte revolutioniert. In Ranglisten der wertvollsten Marken der Welt steht Apple regelmäßig weit oben.
Und doch gibt der Konzern zu Beginn seines Jubiläumsjahrs ein gemischtes Bild ab: Finanziell ist er in glänzender Verfassung, vor allem weil sich das Geschäft mit dem iPhone, seinem mit Abstand wichtigsten Produkt, nach einer Schwächephase wieder erholt hat. Allerdings wird er von hartnäckigen Fragen verfolgt, ob er noch das Zeug dazu hat, bahnbrechende Produkte zu entwickeln. Zuletzt leistete er sich ungewohnte Patzer bei seinen Initiativen rund um Künstliche Intelligenz. Über alldem schwebt Ungewissheit über die künftige Führung. Tim Cook ist seit 2011 Vorstandschef, und er ist kürzlich 65 Jahre alt geworden. Apple hat zwar keine Altersgrenze für den Vorstandsvorsitz, und Cook lässt keinerlei Amtsmüdigkeit erkennen. Aber die Frage, wer ihm einmal nachfolgen wird, stellt sich im Moment dringlicher denn je.
Apple hat sich einst einen Namen mit Computern gemacht und war auf diesem Feld ein Pionier. Schon im Jahr nach seiner Gründung brachte das Unternehmen den Apple II auf den Markt, einen der ersten erfolgreichen Personal Computer. 1984 folgte der Macintosh, ein wegweisender Computer mit einer grafischen Benutzeroberfläche, die später vom Rivalen Microsoft kopiert und zum Standard wurde. Apple etablierte sich damit als Inbegriff für nutzerfreundliche Geräte. Trotzdem hatte das Unternehmen einen schweren Stand gegenüber billigeren Rechnern mit Microsofts Betriebssystem Windows.
„Ich würde den Laden dichtmachen“
1985 kam es zu einem Paukenschlag, als Steve Jobs vom Verwaltungsrat aus dem Unternehmen gedrängt wurde. Jobs gründete daraufhin Next, einen weiteren Computeranbieter. In seiner Abwesenheit rutschte Apple in eine existenzbedrohliche Krise. Produkte floppten, mehrmals wurde der Vorstandschef ausgewechselt. Die Lage war so desolat, dass Michael Dell, der Gründer des gleichnamigen Computerherstellers, einmal sagte: „Ich würde den Laden dichtmachen und das Geld an die Aktionäre zurückgeben.“

In seiner Not holte Apple 1997 Jobs zurück, und damit wurde ein phänomenales Comeback eingeläutet. Jobs frischte erst Apples Computerpalette mit bunten iMac- und iBook-Rechnern auf, dann erfand er das Unternehmen völlig neu, indem er es in andere Produktkategorien führte. Unter ihm kamen der Musikspieler iPod, das iPhone-Handy und der Tabletcomputer iPad heraus. Um sein neues Selbstverständnis als breit aufgestellter Elektronikkonzern zu unterstreichen, ließ das Unternehmen das Wort „Computer“ aus seinem Firmennamen fallen und heißt seither nur noch Apple Inc.
Die wohl größte Zäsur in der Geschichte von Apple war der Tod von Steve Jobs im Jahr 2011. Damit verlor das Unternehmen die Person, mit der es identifiziert wurde wie mit keiner anderen. Apple machte Tim Cook, der Jobs zuvor schon mehrmals während krankheitsbedingter Auszeiten vertreten hatte, zum Nachfolger als Vorstandschef. Damit fiel die Wahl auf jemanden, der in erster Linie als Mann für das operative Geschäft galt, nicht aber wie Jobs als Produktvisionär. Entsprechend sah sich Cook von Anfang an Zweifeln gegenüber, ob Apple unter ihm die Innovationskraft aus der Jobs-Ära bewahren kann.
Cooks durchwachsene Bilanz an Produktneuheiten
Cooks Bilanz an Produktneuheiten ist durchwachsen. Geräte wie die Digitaluhr Apple Watch und die Airpods-Kopfhörer verkaufen sich zwar gut, aber ein ganz großer Wurf wie das iPhone unter Jobs ist ihm nicht gelungen. Pläne für ein Apple-Auto, die die Autoindustrie jahrelang in Atem hielten, wurden wieder aufgegeben. Eines der jüngsten Geräte, die Computerbrille Vision Pro, findet bislang nur wenige Abnehmer. B
is heute bleibt Apple enorm abhängig vom iPhone, es steht für rund die Hälfte des Gesamtumsatzes. Mark Zuckerberg, der Vorstandschef des Facebook-Mutterkonzerns Meta, stänkerte unlängst in einem Podcast, Apple habe schon lange „nichts Großartiges“ mehr herausgebracht: „Steve Jobs hat das iPhone erfunden, und zwanzig Jahre später verlassen sie sich noch immer darauf.“
Besonders peinlich sind im Moment die Schwierigkeiten auf der Softwareseite. KI-Funktionen unter dem Namen „Apple Intelligence“ kamen teils mit Verspätung heraus und erwiesen sich als fehleranfällig. Eine schon 2024 angekündigte KI-Variante des Assistenzprogramms Siri ist bis heute nicht verfügbar. Medienberichten zufolge will sich Apple nun Hilfe vom Internetkonzern Google holen und dessen KI-Modell Gemini zumindest übergangsweise in der neuen Siri-Version zum Einsatz kommen lassen.
„Vielleicht braucht man in zehn Jahren kein iPhone mehr“
Blickt man nur auf Finanzkennzahlen, war die Zeit nach Jobs indessen ein voller Erfolg. Unter Cooks Führung hat sich Apples Jahresumsatz auf 416 Milliarden Dollar fast vervierfacht. Der Börsenwert hat sich sogar mehr als verzehnfacht, er liegt heute bei rund vier Billionen Dollar und wird nur vom Chipkonzern Nvidia übertroffen.
Es geht manchmal etwas unter, dass Apple jenseits von Hardware ein riesiges Dienstleistungsgeschäft aufgebaut hat, das mittlerweile mehr als 100 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr einbringt. Dazu gehören der App Store und diverse Plattformen wie Apple Pay oder Apple Music. Derweil kann sich Apple auch über einen Wachstumsschub im Geschäft mit dem iPhone freuen. Offenbar verkauft sich das iPhone 17, die jüngste Generation, sehr gut, für das gerade abgelaufene Quartal hat Apple ein zweistelliges Umsatzplus vorhergesagt.
Die fortdauernde Abhängigkeit vom iPhone wirft die Frage auf, was es für Apple bedeuten würde, falls Smartphones einmal ihre überragende Rolle im Leben von Menschen verlieren sollten. Offenbar beschäftigt sich auch Apple mit diesem Gedanken, der für das Dienstleistungsgeschäft verantwortliche Eddy Cue sagte im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit einem Rechtsstreit: „Vielleicht braucht man in zehn Jahren kein iPhone mehr.“
Open AI arbeitet an KI-Gerät
Open AI, der Entwickler des KI-Programms ChatGPT, arbeitet gerade an einem speziellen Gerät für KI-Dienste. Das Unternehmen hat sich dazu mit Apples früherem Designchef Jony Ive verbündet, Medienberichten zufolge hat es auch eine Reihe von Apple-Mitarbeitern abgeworben. Sam Altman, der Vorstandschef von Open AI, beschrieb Apple kürzlich als einen seiner wichtigsten Rivalen in der Zukunft. Weiter sagte er, seiner Meinung nach eigneten sich Smartphones in ihrer heutigen Form nicht besonders gut für KI-Anwendungen. Tim Cook stellt dagegen etwaige Abgesänge auf das iPhone als verfrüht dar. Vor einigen Monaten sagte er: „Es ist schwer, sich eine Welt ohne das iPhone vorzustellen.“ Etwaige andere Gerätekategorien könnten zwar vielleicht eine Ergänzung dazu sein, aber kein Ersatz.
Für sein Jubiläumsjahr plant Apple offenbar eine Reihe von neuen Produkten. Es wird weithin damit gerechnet, dass der Konzern eine faltbare Version des iPhone herausbringt. Andere Hersteller haben solche Smartphones schon länger im Programm. Außerdem gibt es Spekulationen, wonach Apple eine neue Digitalbrille vorstellen könnte. Es soll sich dabei um ein Gerät handeln, das alltagstauglicher ist als die Vision Pro und den erfolgreichen Ray-Ban-Brillen von Meta Konkurrenz machen könnte. Der gewöhnlich gut informierte Journalist Mark Gurman von der Nachrichtenagentur Bloomberg hat geschrieben, Cook habe dieses Projekt zu einer „Top-Priorität“ im Unternehmen erklärt.
Wer folgt auf Tim Cook?
In der Branche wird viel darüber spekuliert, wer Cook einmal an der Apple-Spitze nachfolgen könnte. Als einer der unternehmensinternen Favoriten ist in jüngster Zeit oft der 50 Jahre alte John Ternus genannt worden, der als Senior Vice President für Hardwareentwicklung und damit alle elektronischen Geräte verantwortlich ist. Seine Wahl würde signalisieren, dass Apple nach Cook wieder stärker auf Produktexpertise setzt. Neben Ternus gibt es nicht allzu viele offensichtliche Kandidaten, zumal die meisten Manager in Apples Führungsriege schon um die 60 Jahre alt sind.
Cook hält sich zu etwaigen Rückzugsplänen bedeckt. In einem Podcast vor zwei Jahren mit dem Popstar Dua Lipa sagte er, er werde noch „eine Weile“ bei Apple bleiben und könne sich ein Leben ohne das Unternehmen nicht vorstellen. Im vergangenen Jahr sagte er, ihm schwebe kein Ruhestand nach der „traditionellen Definition“ vor und er werde immer arbeiten wollen. Es gilt als gut möglich, dass er Apple nach seinem Rücktritt als Vorstandschef als Vorsitzender des Verwaltungsrats verbunden bleibt.
Was womöglich dafürspricht, Cook noch einige Zeit zu halten, ist sein diplomatisches Geschick im Umgang mit Donald Trump. Der US-Präsident hat Apple im vergangenen Jahr wiederholt mit hohen Einfuhrzöllen gedroht, zum Beispiel einem Aufschlag von 25 Prozent auf importierte iPhones. Der Konzern ist in diesem Punkt sehr verwundbar, weil er fast alle seine Geräte im Ausland fertigen lässt.

Cook hat alle Register gezogen, um sich bei Trump einzuschmeicheln. Bei einem Besuch im Weißen Haus im August überreichte er dem Präsidenten ein Geschenk, das teilweise aus Gold war. Er hat Investitionen von 600 Milliarden Dollar in den USA versprochen. Mit alledem scheint er Trump zumindest vorerst besänftigt zu haben. Trump hat Apple nun schon seit einigen Monaten nicht mehr direkt ins Visier genommen, und die bisherigen finanziellen Belastungen aus Einfuhrzöllen sind für den Techgiganten verschmerzbar. Zu Beginn seines Jubiläumsjahrs scheint Apple größere Sorgen zu haben als Trumps Handelspolitik.